Klei­ner Mo­ni­tor, gro­ße Büh­ne

Audio Test - - Test - Jörg Schu­ma­cher, Ste­fan Go­e­de­cke

Die roya­le Ver­si­on des Mo­ni­tors Nr. 4 der Mar­ke Om­nes Au­dio hat­ten wir ja schon vor ei­ni­ger Zeit auf bei uns im Test. Nun kommt das Mo­dell in neu­er Aus­füh­rung mit ei­nem an­de­ren Trei­ber zu uns. Und preis­wer­ter sind sie auch noch.

Wir müs­sen schon ein we­nig schmun­zeln als wir die neu­en Test­pro­ban­den von Om­nes Au­dio aus ih­ren Kar­tons be­frei­en. Mit der im­po­san­ten Er­schei­nung von mäch­ti­gen Rie­sen aus der grie­chi­schen My­tho­lo­gie ha­ben die kom­pak­ten Laut­spre­cher näm­lich au­gen­schein­lich erst mal we­nig zu tun. Auch wenn sie de­fi­ni­tiv schwe­rer sind als sie aus­se­hen. Aber man soll ja nicht nach dem Äu­ße­ren ge­hen. Und au­ßer­dem fan­den die Ti­ta­nen letzt­lich ein eher tra­gi­sches En­de und das wün­schen wir den Om­nes Au­dio ganz be­stimmt nicht.

Kon­struk­ti­on

Ab­seits da­von hat der Zu­satz Ti­tan auch ei­gent­lich gar nichts mit der phy­si­schen Grö­ße der Mo­ni­tor Nr. 4 zu tun. Viel­mehr gibt er Auf­schluss über das Ma­te­ri­al, das für die Mem­bran des ein­ge­setz­ten Trei­bers ver­wen­det wird. Die­ser stammt vom eta­blier­ten, tai­wa­ne­si­schen Her­stel­ler Tang Band und hört auf den Na­men W4-1337 SDF. Ti­tan kommt auch öf­ter bei den Mem­bra­nen von Mi­kro­fo­nen im pro­fes­sio­nel­len Au­dio-be­reich zum Ein­satz. Spe­zi­ell wenn es um die be­son­ders ex­ak­te Ab­bil­dung von Tran­si­en­ten geht, zu­mal dem Ma­te­ri­al gu­te Ei­gen­schaf­ten für ei­ne ho­he Im­pul­streue zu­ge­spro­chen wer­den. Das lässt na­tür­lich auf­hor­chen. Der mar­kan­te Pha­se-plug ist wie­der­um aus Alu­mi­ni­um ge­fer­tigt und sticht da­her nicht nur op­tisch aus der Mit­te des 4 Zoll mes­sen­den Laut­spre­chers her­aus. Die Im­pe­danz ist üb­ri­gens mit 8 Ohm und die Nenn­leis­tung mit 25 Watt an­ge­ge­ben. Un­ter­ge­bracht ist der Trei­ber in ei­nem mit 16 auf 23 auf 20 Zen­ti­me­ter mes­sen­den Bass­re­flex­ge­häu­se. Die­ses ist ma­kel­los matt­schwarz la­ckiert und macht ei­nen durch­aus hoch­wer­ti­gen Ein­druck. Der Korb des Chas­sis ist plan von vor­ne ein­ge­las­sen und schließt sau­ber mit der Front ab. So wie es sein soll. Dar­un­ter be­fin­det sich die Öff­nung des Bass­re­flex­sys­tems, was be­son­ders prak­tisch ist, falls man in die Bre­douil­le kommt, die Laut­spre­cher na­he ei­ner der hei­mi­schen Wän­de po­si­tio­nie­ren zu müs­sen. Sonst fin­det sich nichts auf der Front­sei­te. Kein zwei­ter Trei­ber. Kein Hoch­tö­ner. Nichts. Der Tang Band ist näm­lich als Breit­bän­der kon­zi­piert und kommt hier auch

ge­nau als sol­cher zum Ein­satz. Die­ses Kon­struk­ti­ons­prin­zip hat den Vor­teil, dass lo­gi­scher­wei­se kei­ne Lauf­zeit­un­ter­schie­de zwi­schen den ver­schie­de­nen Trei­bern wie bei Mehr­we­ge-sys­te­men kom­men kann. Das wie­der­um be­för­dert der Theo­rie nach ein prä­zi­ses Ste­reo­bild so­wie ei­ne plas­ti­sche Tie­fen­staf­fe­lung. Und dar­über hin­aus wird die Ver­wen­dung ei­ner Fre­quen­zwei­che um­gan­gen und so­mit so un­schö­ne Ne­ben­ef­fek­te wie kom­pro­mi­tier­te Pha­sen­fre­quenz­gän­ge um die Über­gangs­fre­quenz ver­mie­den. Wir sind ge­spannt.

Klang

Tat­säch­lich fällt so­fort beim ers­ten Hör­ein­druck auf, wie prä­zi­se die Or­tung von Phan­tom­schall­quel­len hier funk­tio­niert. In­stru­men­te im Mix wer­den scharf um­ris­sen im Pan­ora­ma ab­ge­bil­det. Auch ist wie zu er­war­ten der Mit­ten­be­reich sehr knal­lig prä­sen­tiert. Das Klang­bild geht stark nach vor­ne. Die Wie­der­ga­be der Hö­hen ist ge­ra­de für ein Breit­band­sys­tem be­ein­dru­ckend. Oft­mals wirft man Breit­bän­dern ja vor an den En­den des Fre­quenz­spek­trums un­brauch­bar zu wer­den. Zwar er­reicht die Wie­der­ga­be letzt­lich nicht die Luf­tig­keit ei­nes de­zi­dier­ten Hoch­tö­ners, aber den­noch lie­fert die Nr. 4 hier Bril­lanz im Über­fluss. Das macht Spaß und sorgt für ei­nen sehr di­rek­ten Hör­ein­druck. Bei un­güns­ti­gen Aus­gangs­ma­te­ri­al wird je­doch auch schnell klar, dass die ge­ball­te Po­wer auch er­mü­dend auf das Ge­hör wir­ken kann. Am an­de­ren En­de des Fre­quenz­spek­trums bie­ten un­se­re Test­pro­ban­den al­ler­dings auch was. So setz­ten sie den bril­lan­ten Hö­hen ei­nen fes­ten und sau­be­ren Bass ent­ge­gen und run­den da­durch das Klang­bild ab. Hier sind kei­ne, auf ma­gi­sche Wei­se die Ge­set­ze der Elek­tro­akus­tik aus­he­beln­den, Sub­bäs­se zu er­war­ten, aber ein sta­bi­les und vor al­lem nie schwam­mi­ges Fun­da­ment als Ge­gen­ge­wicht zur of­fe­nen Ab­stim­mung des Sys­tems. Und in Sa­chen Im­pul­streue kön­nen die Mo­ni­to­re auch punk­ten. Die Ti­tan-vier­zöl­ler sind sehr ak­ku­rat un­ter­wegs und hel­fen so der na­tür­li­chen Wie­der­ga­be von Kick­drums, Sna­res und al­len an­de­ren per­kus­si­ven In­stru­men­ten im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes auf die Sprün­ge. Aber kom­men wir zu den Hör­bei­spie­len. Ers­ter Song ist „Par­ty Mons­ter“von The Wee­knd von des­sen Al­bum „St­ar­boy“. Pas­send zum Al­bum­ti­tel be­ginnt der Track mit ei­nem kur­zen, spa­ci­gen Syn­the­ziser-in­tro in bes­ter 80er Äs­t­he­tik in­klu­si­ve de­ka­den­tem Hal­l­ein­satz. Die­ser wird hier auch ent­spre­chend schön in Sze­ne ge­setzt und rückt den Klang ent­spre­chend im Raum nach hin­ten. Tie­fen­staf­fe­lung funk­tio­niert al­so auch. Abel Mak­ko­nen Tes­fayes Stim­me er­klingt klar, kühl und prä­sent. Kick und Syn­th­bass sor­gen für den an­ge­mes­se­nen Tief­gang im Ar­ran­ge­ment und die im Pitch run­ter wan­dern­de Hi­hat sorgt auf cle­ve­re Wei­se für Be­we­gung. Auch wenn na­tür­lich bei die­sem Stück ein zu­sätz­li­cher Sub­woo­fer zum Bei­spiel noch we­sent­lich mehr Spaß ma­chen wür­de, lang­sa­mes Kopf­ni­cken lässt sich de­fi­ni­tiv nicht ver­mei­den. Gut so. Zum Ab­schluss noch et­was von Ni­na Si­mo­ne. Das hat auch noch nie ge­scha­det. Der Song „Mood In­di­go“vom Al­bum „Litt­le Girl Blue“be­ginnt mit ei­nem we­sent­lich aus­ge­dehn­te­ren, in­stru­men­ta­len In­tro als un­ser vor­he­ri­ges Bei­spiel. Die Auf­nah­me aus dem Jah­re 1958 be­ginnt mit ei­nem herr­lich swin­gen­den und hüp­fen­den Kon­tra­bass, un­ter­stützt von Be­sen­strei­che­lei­en auf der Sna­re und ei­ner schön zi­scheln­den Hi­hat. Der Rest des Kits ge­sellt sich als­bald da­zu und ein wun­der­voll ex­pres­siv ge­spiel­tes Kla­vier bäumt sich auf und ebbt wie­der ab, nur um dann dem wirk­li­chen High­light des Songs, na­ment­lich Ni­na Si­mo­nes Stim­me, Platz zu ma­chen. Die ge­sang­li­chen Fä­hig­kei­ten ste­hen hier na­tür­lich au­ßer Fra­ge und so bleibt nur zu sa­gen dass die­se hier an­spre­chend in Sze­ne ge­setzt wer­den. Und zwar mit tol­lem Raum­klang und au­then­ti­scher Dy­na­mik. Was soll man sonst noch sa­gen. Wer ei­nen bril­lan­ten Laut­spre­cher mit knal­li­gen Mit­ten und prä­zi­sem Ste­reo­bild sucht, kann sich ge­trost die­se klei­nen Ti­ta­nen auf die Lis­te schrei­ben.

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