Di­gi­ta­le Ana­lo­gie

Audio Test - - Test - Jo­han­nes Strom

Es wur­de die­ses Jahr be­reits viel ge­sagt und ge­schrie­ben über die Ma­rantz Pre­mi­um 10er Se­rie. Das Du­ett konn­te so ziem­lich al­le nam­haf­ten Prei­se ein­heim­sen, die es gibt. Aber War­um?

Die Au­dio­welt ist ten­den­zi­ell eher kon­ser­va­tiv. Man möch­te schließ­lich Wer­te schöp­fen, er­hal­ten und trans­por­tie­ren. In­no­va­tio­nen wer­den al­so meist mit ei­nem ge­büh­ren­den Ab­stand und der ge­sun­den Por­ti­on Skep­sis be­gut­ach­tet, be­vor sie zum neu­en Stan­dard er­ko­ren wer­den. Bei der Pre­mi­um 10er Se­rie von Ma­rantz ging das Rau­nen und Stau­nen in der Bran­che re­la­tiv rasch durch die Run­de. Schnell war klar, Ma­rantz ist mit dem SA-10 und dem PM-10 et­was ganz Gro­ßes ge­lun­gen. Ein Aus­ru­fe­zei­chen. Un­se­re Er­war­tun­gen wa­ren des­halb al­so mil­de for­mu­liert ex­or­bi­tant hoch. Wir ha­ben es schließ­lich mit High-end-hy­bri­den und weg­wei­sen­der Tech­no­lo­gie zu tun. Doch was uns wirk­lich in­ter­es­sier­te, war der Klang. Denn was nützt die tolls­te Tech­nik, wenn es am En­de wie in ei­ner Blech­trom­mel schep­pert. Um den Klang­cha­rak­te­ris­ti­ka der 10er Se­rie auf den Grund zu ge­hen, müs­sen wir trotz­dem ein we­nig aus­ho­len.

SA-10

Der SA-10 ist ein Su­per-au­dio-cd-play­er mit ei­nem in­te­grier­ten Usb-d/a-wand­ler. Da­bei kann er aber nicht nur re­gu­lä­re SA-CDS wie­der­ge­ben, son­dern zum Bei­spiel auch selbst­ge­brann­te DVD-ROMS mit Dsd-da­tei­en. Über­haupt wird das Kür­zel SA dem Play­er und Wand­ler nicht im ent­fern­tes­ten ge­recht. Ei­gent­lich müss­te er DSD-10 hei­ßen, denn sein Ar­beits­prin­zip be­ruht auf High-res wo­hin das Au­ge blickt. So wer­den al­le Si­gna­le un­ge­ach­tet ih­res Aus­gangs­for­ma­tes im SA-10 ei­ner in­ter­nen Kon­ver­tie­rung un­ter­zo­gen und in ein 1-Bit-si­gnal um­ge­rech­net. Der SA-10 ar­bei­tet da­bei durch­weg mit 32 Bit und

kom­mu­ni­ziert ab dem Punkt pro­prie­tär über die Ma­rantz Mu­si­cal Mas­te­ring-strea­m­ing­tech­no­lo­gie. Die Idee da­zu kam beim Test-hö­ren des NA-11 Netz­werk­play­ers, ver­riet uns Se­ni­or Elec­tro­nics En­gi­neer und Chef­ent­wick­ler der 10er Se­rie Rainer Finck im Ge­spräch. Dass per DSD ge­stream­te Da­tei­en bes­ser klin­gen als das ori­gi­na­le PCM, war die Er­kennt­nis, die es in Zu­sam­men­ar­beit mit dem Ma­rantz Mar­ken­bot­schaf­ter Ken Is­hi­wa­ta in ein Pro­dukt um­zu­set­zen galt. Da­bei nutz­te man den Ef­fekt, dass es sich bei ei­nem 1-Bit-strom mit ei­ner Fre­quenz von 11,2 Me­ga­hertz fast schon um ein Ana­log­si­gnal han­delt. Zu­ge­ge­ben, da ist jetzt schon ein biss­chen Di­gi­tal- ver­sus Ana­log-re­li­gi­on da­bei, aber das Er­geb­nis über­zeugt. Am Aus­gang braucht der SA-10 näm­lich über­haupt kei­nen Wand­ler mehr. Das fi­na­le Bau­teil ist le­dig­lich ein Fil­ter, der das Si­gnal ab­run­det. Die Gren­zen zwi­schen Ana­log und Di­gi­tal ver­schmel­zen al­so bei der Ma­rantz Mu­si­cal Mas­te­ring-tech­no­lo­gie. Bei so re­vo­lu­tio­nä­ren Kon­zep­ten und An­sät­zen wird es fast schon ne­ben­säch­lich, dass Ma­rantz dem SA-10 ei­nen kom­plett über­ar­bei­te­ten Trans­port­me­cha­nis­mus spen­diert hat. Ein­zig ei­nen Netz-

werk­an­schluss und die Nut­zung als Netz­werk­play­er ver­mis­sen wir ein biss­chen. Aber man muss sich ja auch noch Zie­le üb­rig las­sen dür­fen.

PM-10

Das Herz­stück des PM-10 sind zwei kom­plett un­ab­hän­gi­ge, sym­me­tri­sche Ka­nal­zü­ge ba­sie­rend auf Class-d-tech­no­lo­gie. Mit 400 Watt an 4 Ohm pro Ka­nal sind die­se sehr po­tent. Doch ei­gent­lich han­delt es sich ge­nau ge­nom­men um vier Leis­tungs­ver­stär­ker­ka­nä­le im Bridged-mo­dus. Die­se Auf­tei­lung hat den Vor­teil, dass der PM-10 lastun­ab­hän­gig ar­bei­ten kann. Au­ßer­dem fin­det we­ni­ger Ein­streu­ung statt, weil größ­ten­teils mas­se­frei ge­ar­bei­tet wird. Als wä­re das noch nicht ge­nug, hat es Ma­rantz ge­schafft vier un­ab­hän­gi­ge Netz­tei­le im PM-10 zu ver­bau­en. Für je­den Ka­nal eins. Da­für, dass es das ers­te Mal ist, dass Ma­rantz Schalt­ver­stär­ker­tech­nik in sei­nen High-end-pro­duk­ten ein­setzt, macht der PM-10 ei­nen rei­fen und so­li­den Ein­druck. Hal­ten wir fest: Wir ha­ben es tat­säch­lich mit ei­nem aus­ge­wach­se­nen, sym­me­tri­schen Du­al-mo­no-sys­tem zu tun, wie man es sonst nur für ein Viel­fa­ches des Prei­ses be­kommt. Schalt­ver­stär­ker sei dank. Ein­gangs­sei­tig war­tet der PM-10 mit gleich zwei sym­me­tri­schen Xlr-paa­ren auf. Über die­se Ver­bin­dung ha­ben wir na­tür­lich auch den SA-10 zu­ge­spielt. Und weil das an Op­tio­nen für den täg­li­chen Ge­brauch nicht reicht, gibt es noch die ob­li­ga­to­ri­schen Cinch-ein­gän­ge. Gleich vier un­sym­me­tri­sche Li­ne-si­gna­le kann der PM-10 ver­wal­ten. Wer be­reits ei­ne ei­ge­ne Lieb­lings-vor­stu­fe be­sitzt, kann sich di­rekt in die End­stu­fe des PM-10 ein­klin­ken. Über ei­nen Re­cor­der-li­ne-aus­gang emp­fiehlt sich der PM-10 als ech­ter Sha­ring-is-ca­ring-part­ner. Denk­bar wä­re hier zum Bei­spiel ein In­ter­face zum Di­gi­ta­li­sie­ren von Schall­plat­ten oder ei­ne al­te Band­ma­schi­ne. Wirk­lich über­rascht wa­ren wir an die­ser Stel­le über den ex­klu­si­ven Pho­no-ein­gang des PM-10. Nach­dem wir ei­ne Netz­werk­schnitt­stel­le am SA-10 ver­misst ha­ben, ist der Pho­no-in am PM-10 ei­ne ge­lun­ge­ne Über­ra­schung und fühlt sich ein biss­chen nach Wie­der­gut­ma­chung an. Auf Nach­fra­gen bei Herrn Finck konn­te wir er­fah­ren, dass der ver­bau­te Pho­no-preamp auf dem PM-11 ba­siert, aber wei­ter­ent­wi­ckelt wur­de. Für dem PM10 wur­de er ex­tra ge­kap­selt und ge­schirmt. Er kann MM und MC und ist nun in sei­ner Im­pe­danz für Mo­ving-coil-ab­neh­mer in zwei Stu­fen schalt­bar.

Im Du­ett

Als wä­ren die Bo­li­den so­lo nicht schon ech­te Wun­der­wer­ke, so ent­fal­ten sie im Du­ett ihr ge­sam­tes Po­ten­ti­al. Sie sind von vorn­her­ein für­ein­an­der ge­schaf­fen wie Yin und Yang. Kei­ner kann so rich­tig oh­ne den an­de­ren und erst zu­sam­men er­ge­ben sie ein ech­tes, über­wäl­ti­gen­des Ge­samt­bild. Das

fängt be­reits bei der Fern­be­die­nung an. Ei­ne für bei­de, wohl­ge­merkt. Sel­ten ha­ben wir ein so durch­dach­tes und gleich­zei­tig in­tui­ti­ves Pro­dukt ge­se­hen und in der Hand ge­habt. Die Ge­rä­te ver­hal­ten sich wie eins. Sie re­agie­ren wie eins, auch wenn sie vor­wie­gend aus elek­tro­akus­ti­schen Grün­den von­ein­an­der ge­trennt wur­den. Für ei­nen ers­ten Test ha­ben wir ein paar Klas­si­ker über USB vom Lap­top ab­ge­feu­ert. Da­zu ge­hört zum Bei­spiel auch das „MTV Un­plug­ged“von Gil­ber­to Gil aus dem Jah­re 1994. Die Stim­me war ver­füh­re­risch weich, die mar­kan­te So­lo-qu­er­flö­te klar aber in Ba­lan­ce mit dem Rest der Band. Die Gi­tar­ren um­schweb­ten die Me­lo­di­en, oh­ne sie mit ih­ren Ober­tö­nen zu über­ma­len. Der Kon­tra­bass er­klang hol­zig und schön schnar­rend. Man könn­te mei­nen es ist ei­ne High-end-stu­do­auf­nah­me. Wä­re da nicht das Pu­bli­kum, was die Il­lu­si­on durch re­gen­ar­ti­ges Klat­schen auf­weicht. Wir pro­bier­ten die­sel­be Auf­nah­me noch ein­mal. Dies­mal mit dem Fil­ter 2. Über ei­nen But­ton auf der Fern­be­die­nung lässt sich der Aus­gangs­fil­ter des SA-10 in zwei Ver­sio­nen schal­ten. Je nach Ge­schmack. Die Ver­si­on 2 klingt un­se­rer Mei­nung nach kon­trast­rei­cher, aber auch et­was schär­fer. Un­se­re ers­te Gän­se­haut ha­ben wir bei Cros­by & Nashs Ti­tel „Out of the Dar­kness“aus dem Jah­re 1976 be­kom­men. Wir lie­ßen uns für ei­nen Mo­ment von der Mu­sik be­ne­beln, da die 10er Se­rie sich wort­wört­lich un­sicht­bar mach­te. Di­rek­ter Zu­gang zur Rä­um­lich­keit und Le­ben­dig­keit ei­ner in die Jah­re ge­kom­me­nen Auf­nah­me, die durch den SA-10 und PM-10 ein Re­mas­te­ring der vi­ta­len Art be­kam, toll! Wir ver­las­sen mit die­sem Ge­fühl die Cd-qua­li­tät und be­we­gen uns in die High-res-ab­tei­lung. Mit Va­le­rie Ju­nes „Long Lo­nely Road“be­die­nen wir uns ei­nes Stu­dio­mas­ters vom Al­bum „The Or­der Of Ti­me“. Jetzt spielt der SA-10 sei­ne gan­ze Stär­ke aus. Ei­ne Gän­se­haut wä­re in die­sem Fall un­ter­trie­ben, es müss­te wohl eher ein Gän­se­tep­pich ge­we­sen sein. Sze­nisch per­fekt glie­dert der ge­wan­del­te Bit-strom die fra­gi­len Pi­ckings und Me­lo­di­en der in­tel­li­gent ar­ran­gier­ten Gi­tar­ren. Das da­durch ent­ste­hen­de Raum­ge­fühl der 10er Se­rie ist ver­schlin­gend und da­bei ha­ben wir das Ge­fühl sie lau­fen ge­ra­de erst so rich­tig warm. Warm ge­nug für stark kom­pri­mier­ten, lau­ten und nicht nur tech­nisch be­las­ten­den Chart­pop? Mit The Wee­knds „Not­hing Wi­thout You“ge­hen wir an die Kraft­re­ser­ven des PM-10. Oder bes­ser ge­sagt wir pro­bie­ren es. Doch wir schei­tern an un­se­rer ei­ge­nen Be­last­bar­keit. Der PM10 ar­bei­tet da­ge­gen klar und un­be­ein­druckt in je­der Si­tua­ti­on. So­wohl gro­ße Dy­na­mik, als auch fre­quen­zi­el­le Aus­ge­gli­chen­heit sind druch­weg in al­len Ver­stär­kungs­stu­fen op­ti­mal. Der den Song do­mi­nie­ren­de Sub­bass wird trans­pa­rent vom Rest des Ti­tels ab­ge­setzt und da­durch Tie­fe auf­ge­baut, die das mit Sam­ples und Ef­fek­ten über­la­de­ne Stück so von Hau­se aus über­haupt nicht hat. Ein Gen­tle­men, die­ser PM-10. Okay. Ge­nug mit Pop. Ge­nug mit PCM. Wir grei­fen tief in die Trick­kis­te und zau­bern ein 5,6 Me­ga­hertz DSF-FI­LE von Gre­go­ry Por­ter her­aus. „Free“vom jetzt schon le­gen­dä­ren Al­bum „Li­quid Spi­rit“. Das Schlag­zeug knackt au­then­tisch, als wür­de man selbst auf dem Ho­cker Platz neh­men, sich den Ghost-no­tes hin­ge­ben und sel­ber mit den Sticks an den Rand der Sna­re Drum kom­men beim Spie­len. Die Sai­ten des Kon­tra­bas­ses schnar­ren am Griff­brett, als wür­de der Bas­sist noch mal ex­tra „Schma­ckes“in den Ak­zent le­gen, ein­fach weil er so viel Spaß an sei­nem Sound hat. Die Mu­sik lebt und er­greift. Da ist der Grund nach dem wir such­ten, war­um Ma­rantz mit dem SA-10 und dem PM-10 ei­ne Punkt­lan­dung ge­lun­gen ist: Die Non­cha­lance der 10er Se­rie ist zu je­der Zeit dia­me­tral ent­ge­gen­ge­setzt zu dem, was man von ei­nem di­gi­ta­len For­mat er­war­ten wür­de. Und dann ist er da, der Mo­ment auf den man als Re­dak­teur die gan­ze Zeit hin­fie­bert, die un­um­kehr­ba­re Er­kennt­nis: Das ist der best­klin­gends­te und mu­si­ka­lischs­te D/a-wand­ler, den wir die­ses Jahr ge­hört ha­ben. In Kom­bi­na­ti­on mit ei­nem ab­so­lut kris­tall­kla­ren und po­ten­ten Ver­stär­ker, der High-end-per­for­mance zum kleins­ten Preis bie­tet, ein Dream­team. Re­fe­renz­klas­se, ver­steht sich.

Der SA-10 hält sich be­deckt und das ist auch gut so. Ge­schirmt hin­ter dem mas­si­ven Kup­fer­bett be­fin­det sich die fei­ne Ma­rantz Mu­si­cal Mas­te­ring-tech­no­lo­gie

Von hin­ten wird schnell klar, der SA-10 ist mehr als ein Su­per Au­dio Cd-play­er. Er ist au­ßer­dem ein wasch­ech­ter D/a-wand­ler, ob­wohl ihm selbst die­se Ka­te­go­rie nicht rich­tig taugt

Man kann den Du­al-mo­no-auf­bau gut er­ken­nen. Ma­rantz hat sich viel Mü­he ge­ge­ben die vier Netz­tei­le und Schalt­ver­stär­ker sinn­voll und auf­ge­räumt zu plat­zie­ren

Bi-wiring oder Bi-am­ping sind na­tür­lich mit dem PM-10 eben­so mög­lich, wie kon­ven­tio­nel­ler Zwei-pär­chen-be­trieb. Die Laut­spre­cher-an­schlüs­se sind von enorm ho­her Qua­li­tät

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