For­mi­da­ble

Trans­ro­tor Max Ne­ro Wer sich für Plat­ten­spie­ler in­ter­es­siert, dem ist Ber­gisch Glad­bach ein Vi­nyl-mek­ka in Deutsch­land. Wir sind aber nicht ge­pil­gert, wir ha­ben uns den neu­en Max Ne­ro von Trans­ro­tor per Post schi­cken las­sen.

Audio Test - - Test - Jo­han­nes Strom

Bei Trans­ro­tor trifft Klang auf De­sign. Oft wir­ken die Plat­ten­spie­ler vo­lu­mi­nös und leicht über­di­men­sio­niert, aber was der Laie nicht er­kennt: Der Mi­ni­ma­lis­mus und die Ma­te­ri­al­aus­wahl ste­hen ab­so­lut im Di­ens­te der Schall­plat­te. Kaum ein an­de­rer Her­stel­ler ver­mag es, das schwar­ze Gold so ge­konnt in Sze­ne zu set­zen, so­wohl op­tisch und hap­tisch, als na­tür­lich auch klang­lich. Die Fran­zo­sen wür­den an die­ser Stel­le sa­gen „C’est la vie“. Ein biss­chen über­trie­ben, ein biss­chen lei­den­schaft­lich, ein biss­chen schwer­mü­tig. Mit dem Trans­ro­tor Max ha­ben wir uns die­ses Mal ein eher klei­ne­res Schwer­ge­wicht, ein Ein­stei­ger­mo­dell, ins Haus ge­holt, das aber al­le Ei­gen­schaf­ten mit sich bringt, die man auch von ei­nem gro­ßen Trans­ro­tor er­war­ten kann. Da­zu ge­hört die kom­pro­miss­lo­se Fer­ti­gungs­qua­li­tät der Lauf­wer­ke, die Aus­wahl her­aus­ra­gen­der Werk­stof­fe und die tech­ni­sche Fi­nes­se zur Si­cher­stel­lung der op­ti­ma­len Ar­beits-, oder bes­ser Hör- und Ab­spiel­be­din­gun­gen. Der Trans­ro­tor Max ist ein ma­nu­el­les, rie­men­ge­trie­be­nes Sys­tem und be­steht aus ei­nem mas­si­vem Chas­sis aus Alu­mi­ni­um und ei­nem eben­falls aus Alu­mi­ni­um ge­dreh­ten Plat­ten­tel­ler von un­ge­fähr 7 Ki­lo­gramm Ge­wicht. Das ge­sam­te Set in­klu­si­ve Mo­tor wiegt um die 20 Ki­lo­gramm. Der Mo­tor kann ent­we­der ex­tern oder in ei­ner klei­nen Aus­spa­rung in­ner­halb des Chas­sis auf­ge­stellt wer­den. Das be­deu­tet, dass auch zwei ver­schie­de­ne Rie­men bei­lie­gen. Wir ha­ben uns für die ex­ter­ne Va­ri­an­te ent­schie­den, wo­bei wir mit ei­ner Scha­blo­ne den kor­rek­ten Ab­stand zum Tel­ler ein­stell­ten. Der Mo­tor hat zu kei­ner Zeit Kon­takt zum dre­hen­den Tel­ler und da Mo­to­ren be­kannt­lich Vi­bra­tio­nen her­vor­ru­fen, wirkt sich das na­tür­lich po­si­tiv auf die Lauf­ru­he der Na­del und so­mit auch auf un­se­ren Klang aus. Ab Werk kommt der Trans­ro­tor Max mit ei­nem 800-S Ton­arm, so auch hier. Wie fast al­le Trans­ro-

tor-sys­te­me, so ist auch der Max dar­auf aus­ge­legt, ge­gen Auf­preis mehr­ar­mig ab­zu­neh­men, wenn man das wünscht. Die ge­sam­te Kon­struk­ti­on ist stu­fen­los ver­stell­bar und es Be­darf ein biss­chen Ge­duld und Akri­bie den Arm und die Na­del zu ka­li­brie­ren, aber wo wä­re der Spaß und die Lei­den­schaft des Schall­plat­ten­hö­rens, wenn es nicht auch ge­nau dar­um gin­ge. Das Ze­le­brie­ren, die Hap­tik, die Kon­trol­le über das Sys­tem. Der Trans­ro­tor Max lebt die­se Phi­lo­so­phie und das macht nicht nur Fein­mo­to­ri­kern gro­ße Freu­de.

Darf’s ein biss­chen mehr sein?

Nor­ma­ler­wei­se gibt es zum Trans­ro­tor Max die pas­sen­de Gold­ring Elek­tra Mm-ein­stei­ger­na­del. In un­se­rem Fall wur­den wir mit ei­nem Trans­ro­tor Mer­lo Mc-sys­tem be­schenkt, was na­tür­lich ei­nen rie­sen­gro­ßen Sprung im Klang dar­stellt. Das Up­grade von Elek­tra auf ei­nen hö­her­wer­ti­gen Ab­neh­mer möch­ten wir an die­ser Stel­le auch aus­drück­lich emp­feh­len. Es muss ja nicht gleich ein Mer­lo sein, aber viel­leicht zum Bei­spiel ein Uc­cel­lo oder ein Cant­are. Die emp­fun­de­ne Wert­stei­ge­rung und das neu er­leb­te Klang­spek­trum kann ver­mut­lich je­der Vi­nyl-liebhaber so­fort un­ter­schrei­ben. Ja, der Tel­ler und des­sen Lauf­ru­he sind wich­tig. Ja, der Ton­arm und sein Win­kel noch viel mehr. Aber was wirk­lich deut­lich hör­ba­re Un­ter­schie­de macht, ist nicht nur der Mut in ein ver­dammt gu­tes Ab­neh­mer­sys­tem zu in­ves­tie­ren, son­dern auch die Na­del kor­rekt aus­zu­ba­lan­cie­ren und ein­zu­stel­len. Vom emp­foh­le­nen Auf­la­ge­ge­wicht über An­ti-ska­ting bis hin zur ho­ri­zon­ta­len Win­ke­lung gibt es hier ge­nug Spiel­raum für Ex­pe­ri­men­te und da­durch durch­aus auch Be­rech­ti­gung sich mal in dem ein oder an­de­ren Fo­rum aus­zu­tau­schen, sich von ge­schul­tem Fach­per­so­nal be­ra­ten zu las­sen oder in Ma­ga­zi­nen und Bü­chern zu be­le­sen. Der Trans­ro­tor Max macht es ei­nem an die­ser Stel­le wirk­lich leicht, denn der mit­ge­lie­fer­te Arm kommt mit Sme-an­schluss und Heads­hell da­her. Wenn man sich al­so ein­fach ein paar in­ter­es­san­te Na­deln und Heads­hells be­stellt, so kann man wört­lich im Hand­um­dre­hen die Na­deln wech­seln und mit nur ei­nem Tel­ler im Di­rekt­ver­gleich ver­schie­de­ne Sys­te­me hö­ren. Die Na­deln, die man nicht mag, kann man ja dann ein­fach wie­der zu­rück­schi­cken. So ist es auch mög­lich die „gu­ten Na­deln“auch nur für gu­te Plat­ten

zu be­nut­zen, und für al­te oder ge­schun­de­ne und stau­bi­ge Plat­ten ein zwei­tes Sys­tem zur Hand zu neh­men.

Pe­ri­phe­rie

Zu je­dem gu­ten Trans­ro­tor ge­hört auch die fast schon le­gen­dä­re Pe­ri­phe­rie in Form von Mo­tor-netz­teil, Ge­schwin­dig­keits­re­ge­lung und Vor­ver­stär­ker. Nicht al­le Trans­ro­tor-ei­gen­krea­tio­nen ge­hö­ren zum Stan­dard-lie­fer­um­fang des Trans­ro­tor Max, des­we­gen ha­ben wir uns an die­ser Stel­le ex­em­pla­risch den Pho­no-ent­zer­rer Stu­dio her­aus­ge­pickt, auf den wir nä­her ein­ge­hen möch­ten. Denn hier­bei han­delt es sich um ein ech­tes Schmuck­stück. Nicht ob des Ge­häu­ses, was bei Trans­ro­tor im ein­heit­li­chen Stil da­her­kommt, son­dern auf­grund sei­ner elek­tro­akus­ti­schen Mög­lich­kei­ten. Der Trans­ro­tor Max hat den stan­dar­di­sier­ten, vier­po­li­gen Ton­arm-aus­gang am Ton­arm­chas­sis, an dem je­des be­lie­bi­ge Pho­no-ka­bel an­ge­schlos­sen wer­den kann. Das mit­ge­lie­fer­te Ka­bel führ­te uns di­rekt zum Pho­no-ent­zer­rer, der ge­speist über ein ex­ter­nes 12-Volt-netz­teil das ein­ge­hen­den Ste­reo-cinch-si­gnal aus dem Ab­neh­mer­sys­tem auf­be­rei­tet und als Li­ne-si­gnal aus­gibt. Über rück­sei­ti­ge Schal­ter kann die Vor­stu­fe an je­de er­denk­li­che Na­del­kon­fi­gu­ra­ti­on an­ge­passt wer­den und das macht nicht nur Sinn, son­dern ist elek­tro­tech­ni­sches Ver­ständ­nis zum An­fas­sen. So ha­ben wir oft und ger­ne in un­se­rem Test den Trans­ro­tor Max mit ver­schie­de­nen Sys­te­men ge­hört und wa­ren fas­zi­niert von der Ein­fach­heit der tech­ni­schen Ka­li­brie­rung des Ent­zer­rers. Da­für gibt es an die­ser Stel­le ein Ex­tra-lob. Sehr gut ge­macht!

Klang

Zum Klang muss man bei Trans­ro­tor-schall­plat­ten­spie­lern oft nicht viel sa­gen. Man be­kommt, wo­nach es aus­sieht. So­li­de Wert­ar­beit. Mas­si­ve Qua­li­tät. Ma­nu­el­le Prä­zi­si­on. Die Lauf­ru­he ist und bleibt un­er­reicht, die Voll­gum­mi­mat­te als Un­ter­la­ge für das Vi­nyl holt selbst noch die letz­ten Vi­bra­tio­nen her­aus. Was üb­rig bleibt, ist Charme, ist Le­bens­qua­li­tät und ist ein Stück Per­sön­lich­keit. Da­bei hängt viel, von dem was man als Klang er­war­ten kann, vom fach­kun­di­gen Um­gang mit dem Ge­rät sel­ber ab. Hier ein Bei­spiel: Wenn man die 180 Gramm „Collec­ted“ver­si­on von Charles Az­na­vour auf­legt, das Zen­tral­ge­wicht nicht zu ver­ges­sen, was die Plat­te in Po­si­ti­on hält. Wenn man dann den Ge­schwin­dig­keits-wahl­schal­ter auf 33 stellt, den Mo­tor an­schal­tet. Wenn dann der Tel­ler sich auf­grund der Rei­bung des Rie­mens auf dem Alu­mi­ni­um zu dre­hen be­ginnt und man mit Au­gen­maß und vol­ler Vor­freu­de über ei­nen klei­nen He­bel die per­fekt aus­ge­wich­te­te Na­del zum Sin­ken ani­miert. Wenn dann „For Me For­mi­da­ble“ge­sun­gen von Az­na­vours un­ver­wech­sel­bar vi­brie­ren­der Stim­me aus den Laut­spre­chern er­tönt, und man sich mit ei­nem Schlag nach Frank­reich ka­ta­pul­tiert fühlt und es ver­meint­lich nach fri­schem Ba­guette riecht. Wenn Ih­nen in die­sem Mo­ment dann ein lei­ses „mon dieu“über die Lip­pen rollt, spä­tes­tens dann wis­sen Sie, dass Sie al­les rich­tig ge­macht ha­ben. Und des­halb bleibt uns ei­gent­lich an die­ser Stel­le nichts wei­ter zu sa­gen als: Brin­gen Sie bit­te viel Zeit mit, sich ih­ren Lieb­lings-trans­ro­tor zu kon­fi­gu­rie­ren, zu jus­tie­ren und vor al­lem zu ge­nie­ßen. Avec un brin de nost­al­gie.

Für un­se­ren Test hat­ten wir das Glück mit ei­nem Mer­lo Mc-sys­tem zu hö­ren. Das ist aber lei­der kein Stan­dard son­dern kos­tet ex­tra – ab Werk gibt es ei­nen Gold­ring Elek­tra Mm-ab­neh­mer

Der Pho­no-ent­zer­rer Stu­dio ist ein un­gleich mi­ni­ma­lis­ti­scher Vor­ver­stär­ker, doch ob sei­nes un­schein­ba­ren Auf­tre­tens leis­tet er enor­me Di­ens­te – ein ab­so­lu­ter Tipp

Die Pe­ri­phe­rie des Trans­ro­tor Max in un­se­rem Fall ei­ne Mo­tor­steue­rung (rechts) und der Pho­no-ent­zer­rer Stu­dio (links) – bei­de sind eher funk­tio­nal aus­ge­führt aber lie­fern zu­ver­läs­si­ge Er­geb­nis­se

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