Klan­gin­fu­si­on

Das Kür­zel MCCI be­steht nicht aus rö­mi­schen Zif­fern, dann hie­ße es schlicht 1201. Es han­delt sich da­bei aber um mehr als ei­ne Ab­kür­zung, es geht um die Re­vo­lu­ti­on der Mc-pho­no-vor­stu­fe.

Audio Test - - Test - Jo­han­nes Strom

Der MCCI Si­gna­tu­re von B.M.C. Au­dio ist mehr als ei­ne Pho­no-vor­stu­fe. Es ist ein Aus­bre­chen aus Alt­be­währ­tem. Ein Um­den­ken zu­guns­ten kom­pro­miss­lo­ser Wie­der­ga­be­qua­li­tät. Und wie­der ein­mal be­haup­tet B.M.C. Au­dio sei­nen Ruf als ei­nes der in­no­va­tivs­ten High-end-un­ter­neh­men am Markt. Was Vor­den­ker und In­ha­ber Car­los Candei­as in die Hand nimmt, setzt neue Maß­stä­be. Der MCCI Si­gna­tu­re gleicht da­bei ei­ner Krö­nung im Be­reich der Pho­no-vor­ver­stär­ker. MCCI steht kon­kret für Mo­ving Coil Cur­rent In­jec­tion. Hal­ten wir al­so fest, dass wir von ei­nem ganz be­stimm­ten Typ Ton­ab­neh­mer­sys­tem re­den. Den Mc-sys­te­men. Mo­ving-ma­gnet und Mo­ving-iron-sys­te­me wer­den vom MCCI nicht un­ter­stützt. Nicht nur, weil sie au­dio­phil we­ni­ger re­le­vant sind, son­dern vor al­lem, weil sie ei­ne we­sent­lich hö­he­re In­duk­ti­vi­tät auf­wei­sen und für das Ci-kon­zept so­mit aus­schei­den. Denn Strom wird an der Stel­le fre­quenz­ab­hän­gig hör­bar und das be­deu­tet kon­kret bei an­stei­gen­der Fre­quenz we­ni­ger Strom. Das wol­len wir na­tür­lich nicht.

Tech­nik

Der ers­te MCCI ent­stand be­reits im Jah­re 2009. Das neue Mo­dell MCCI Si­gna­tu­re ist laut Candei­as ei­ne neue Rei­fe­stu­fe, doch was be­deu­tet das? Die neue Ver­si­on hat ein kom­plett über­ar­bei­te­tes Netz­teil mit wei­che­ren Fall- und Ri­se-zei­ten. Es hat ei­nen ak­ti­ven Mos­fet-an­ti-ripp­le-fil­ter auf der Pri­mär­sei­te. Das ge­sam­te Ge­rät hat 65 Pro­zent mehr Aus­steue­rung zu Ver­fü­gung, den meis­ten wohl bes­ser be­kannt als He­adroom und die ge­schick­te Vor­se­lek­ti­on und Kom­pen­sa­ti­on der Bau­tei­le füh­ren zu ei­nem auf 0,1 De­zi­bel li­nea­ren Fre­quenz­gang bei ei­ner ma­xi­ma­len 0,05 De­zi­bel Ab­wei­chung der Ka­nä­le von­ein­an­der. Was das bringt? Zu al­ler erst mal mehr Ru­he. Mehr Mu­sik und we­ni­ger Ge­rät. Das hat zur Fol­ge, dass der Rau­mein­druck kla­rer und dem Ohr mehr Auf­lö­sung bei we­ni­ger An­stren­gung ge­schenkt wird. Doch das ist erst die Ober­flä­che und noch lan­ge nicht der Kern des Ge­rä­tes. Der be­ginnt bei der Hand­ha­bung der Na­del. Die Wand­lung ei­ner schwin­gen­den Na­del in ein elek­trisch ver­wert­ba­res Si­gnal und da­mit ein­her­ge­hend die Ver­stär­kung die­ser elek­tro­me­cha­ni­schen Schwin­gung in ein brauch­ba­res Nutz­si­gnal, ge­hö­ren wohl zu den

fi­li­grans­ten Auf­ga­ben, die man in der Au­dio- und Ver­stär­ker­tech­nik fin­det. Will man ver­ste­hen, was der MCCI an­ders macht, muss man die ver­schie­de­nen Kon­zep­te der Ab­tas­tung ken­nen. Mc-sys­te­me ha­ben die Spu­le auf dem Na­del­trä­ger­ma­te­ri­al auf­ge­bracht. Die­se Spu­le be­wegt sich in ei­nem Ma­gne­ten und das er­zeugt Span­nung und Strom am Aus­gang. Üb­li­cher­wei­se wird dann die an­lie­gen­de Span­nung von ei­nem dar­auf fol­gen­den Ver­stär­ker auf­ge­grif­fen und oft über Ge­gen­kopp­lung auf­ge­bla­sen. Lei­der ha­ben Mc-sys­te­me bei al­len klang­li­chen Vor­tei­len, die sie mit­brin­gen ein Pro­blem: Die Aus­gangs­span­nung ist oft ver­schwin­dend klein. Auf her­kömm­li­che Art wür­de man jetzt mit ei­nem enor­men Auf­wand das klei­ne, fra­gi­le Si­gnal her­neh­men und an ei­nen Ope­ra­ti­ons­ver­stär­ker kop­peln. Die da­durch er­zeug­ten Wech­sel­wir­kun­gen in der Ver­ar­bei­tung be­ein­flus­sen das Ori­gi­nal­si­gnal und des­sen Qua­li­tät enorm. Nicht so beim MCCI. Der MCCI be­dient sich nicht der Span­nung des Ab­neh­mers, son­dern greift den ent­ste­hen­den Strom ab. Und das macht er nicht ein­fach wie ein Pa­ra­sit, son­dern er in­te­griert das Ab­neh­mer­sys­tem in sei­nen Schalt­kreis. Das funk­tio­niert des­halb, weil das Ci-sys­tem kom­plett sym­me­trisch auf­ge­baut ist. Es ent­steht ei­ne Sym­bio­se zwi­schen der elek­tro­me­cha­ni­schen Schwin­gung des Ab­tast­sys­tems und dem Ver­stär­ker­kreis­lauf. Da­bei ver­zich­tet der MCCI kom­plett auf die sonst üb­li­chen Ope­ra­ti­ons­ver­stär­ker im Ge­gen­kopp­lungs­mo­dus. Durch ge­schickt ge­setz­te Po­ten­ti­al-bar­rie­ren wird der Strom in­ner­halb der Vor­stu­fe in ei­nen Wi­der­stand ge­lei­tet, an dem sich ei­ne per­fek­te und äqui­va­len­te Span­nung des Ton­ab­neh­mer­sys­tems bil­det, mit dem Un­ter­schied, dass die­se auf­grund des deut­lich hö­he­ren Wi­der­stands­wer­tes auch deut­lich hö­her aus­fällt. Das ur­sprüng­li­che Pro­blem der Mc-sys­te­me ist da­durch ge­löst, die nied­ri­ge Aus­gangs­span­nung an­ge­ho­ben, oh­ne da­durch das Ori­gi­nal­si­gnal an­zu­tas­ten. Wenn al­le an­de­ren ei­ne

Bril­le tra­gen und die Welt hin­ter Glas be­trach­ten, dann ist der MCCI al­so das Au­gen­la­sern, min­des­tens aber wie Kon­takt­lin­sen.

Klang

Das Kon­zept woll­ten wir uns nicht zwei Mal er­klä­ren las­sen. So­fort ha­ben wir uns ei­nen Klas­si­ker von Blue No­te Re­cor­ds aus dem Schrank ge­holt und auf­ge­legt. Über ei­nen My So­nic Labs Si­gna­tu­re Gold (Yo­shio Matsu­dai­ra) ka­men wir in den Ge­nuss von Norah Jo­nes De­büter­folg „Co­me Away With Me“aus dem Jah­re 2004. Und wir müs­sen da­zu sa­gen, dass wir die­se Schei­be in und aus­wen­dig ken­nen, als hät­ten wir sie sel­ber pro­du­ziert und kom­po­niert, aber mit ei­ner sol­chen Deut­lich­keit ha­ben wir Norah noch nie aus un­se­ren Laut­spre­chern (B&W 800 D3) ge­hört. Es hat uns schlicht­weg zu­tiefst er­grif­fen, zu er­fah­ren und zu er­ken­nen wie viel In­for­ma­ti­on von der Ril­le über die Na­del in den Ver­stär­ker ver­lo­ren geht oder ver­fälscht wer­den kann. Der MCCI Si­gna­tu­re leis­tet gan­ze Ar­beit und in­te­griert sich so sau­ber und trans­pa­rent in die Ket­te, dass man mei­nen könn­te, ei­ne Vor­stu­fe ist nicht vor­han­den, weil über­flüs­sig. Auch mit an­de­ren, güns­ti­ge­ren Mc-na­deln und an­de­ren Plat­ten ha­ben wir den MCCI ge­füt­tert. So ha­ben wir uns das 1969er De­büt­al­bum von Led Zep­pe­lin auf 180 Gramm über ei­ne Or­to­fon Quin­tet Black an­ge­hört und auch hier wuss­te der MCCI so­fort, was er zu tun hat­te. Die Gi­tar­ren­riffs ka­men ex­trem voll und kon­tu­riert auf uns zu, das Schlag­zeug über­zeug­te mit druck­vol­lem An­schlag und die Raum­tie­fe der psy­che­de­li­schen Ef­fekt­ma­schi­ne­rie sog uns in den Bann. In un­se­rem Vi­nyl­sys­tem hat­ten wir mit dem MCCI ei­nen er­staun­li­chen Mehr­wert an Dy­na­mik, die uns so vor­her noch nie auf­ge­fal­len war. Die Mu­sik klang deut­lich rea­lis­ti­scher und we­ni­ger ge­drun­gen und ge­staucht. Mit Leich­tig­keit passt sich der Vor­ver­stär­ker an je­de er­denk­li­che Kon­fi­gu­ra­ti­on und Mu­sik­rich­tung an, vie­le Knöp­fe hat er ja auch nicht. Die An­pas­sung er­folgt in­tern. Und zwar bis auf Ne­u­mann und Riaa-ent­zerr­kur­ven meist nicht über Schalt­krei­se oder Knöp­fe, son­dern über das Ohm­sche Ge­setz, denn wenn man wie beim Ci-kon­zept ein­mal die Span­nung iso­liert hat und das Si­gnal über den Strom ab­bil­det, be­steht kei­ne Not­wen­dig­keit mehr zu pfu­schen oder zu kor­ri­gie­ren. Die Mu­sik be­dankt sich. Und wir hän­gen an der Na­del.

Wer die Ge­rä­te von B.M.C. Au­dio kennt, dem kom­men die Far­ben be­kannt vor. Auch beim MCCI wer­den nur Tei­le ver­baut, die den ho­hen An­sprü­chen des Un­ter­neh­mens ge­recht wer­den. Le­gen­där ist fast schon das B.M.C. Au­dio Pla­ti­nen-rot

Die mo­du­la­re Bau­form ver­ein­facht den Ent­wick­lungs­pro­zess, da je­des Mo­dul für sich be­trach­tet op­ti­miert und neu er­fun­den wer­den kann – so zum Bei­spiel in die­sem Fall auch das Netz­teil

Der MCCI ar­bei­tet durch­weg sym­me­trisch. Um das Ab­neh­mer­sys­tem in die Vor­stu­fe zu be­kom­men, ist ein Pho­no-auf­xlr-ka­bel al­so ob­li­ga­to­risch, aber auch das be­kom­men Sie na­tür­lich von B.M.C. Au­dio

Es ist der ein­zi­ge Knopf des Ge­rä­tes, zu­min­dest an der Front. Er dient zum Stumm­schal­ten. Für al­les an­de­re wird das Ge­häu­se ge­öff­net

Auch beim MCCI Si­gna­tu­re gibt es den ty­pi­schen, gum­mier­ten Dreh­schal­ter in Bul­l­au­gen­form, der das Ge­rät zum Le­ben er­weckt

Der Si­gna­tu­re MCCI ar­bei­tet ab der Na­del sym­me­trisch, an­ders wä­re die Di­rekt­ein­sprit­zung auch nicht rea­li­sier­bar. Aber wer möch­te, kann na­tür­lich am Aus­gang auf un­sym­me­trisch um­stei­gen. Schön zu se­hen ist auch hier die mo­du­la­re Bau­wei­se

Bei Be­darf wird ein haus­ei­ge­nes Ka­bel von Pho­no auf XLR mit­ge­lie­fert

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