Can­ton GLE 496.2 BT

Can­ton GLE 496.2 BT Can­ton hat ein schier un­er­schöpf­li­ches Re­per­toire an Laut­spre­chern. Das Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men ist da­für be­kannt, her­aus­ra­gen­de Leis­tungs­merk­ma­le mit ei­nem ver­nünf­ti­gen Preis zu ver­se­hen. Die­ses Mal ha­ben sich die Can­to­nia­ner aber selbst

Audio Test - - Contents - Alex Rö­ser, Ste­fan Go­e­de­cke

Stellt man als re­gel­mä­ßi­ger Le­ser der AUDIO TEST fest, mit welch ei­ner Kon­ti­nui­tät sich ein ein­zi­ger Au­tor mit Pro­duk­ten ei­nes ein­zi­gen Her­stel­lers be­fasst, so ist die Fra­ge nach der Be­trieb­staub­heit durch­aus be­rech­tigt. Ist man es als Tes­ter nicht ir­gend­wann leid, im­mer wie­der Nuan­cen ein und der sel­ben Hi­fi-schmie­de zu er­for­schen? Ist denn nicht ir­gend­wann al­les über ei­nen Her­stel­ler ge­sagt? Sind denn nicht ir­gend­wann al­le un­ter­scheid­ba­ren At­tri­bu­te der Pro­duk­te ei­nes Ent­wick­lers en dé­tail ex­er­ziert? Im Fal­le Can­tons lau­tet die Ant­wort ganz klar: Nein! Schließ­lich wür­de die Re­dak­ti­on nicht in solch ei­ner Fre­quenz Pro­duk­te aus Weil­rod

or­dern, wä­re der Wis­sens­durst um die Pro­duk­te die­ses Hau­ses be­reits ge­stillt. Mö­ge man nun gern mit hoch­ge­zo­ge­ner Au­gen­braue den Vor­wurf der Be­fan­gen­heit äu­ßern. Wer Can­ton kennt, weiß, dass dies nur an uns ab­zu­per­len ver­mag, denn: Ein Her­stel­ler wie Can­ton schafft es je­des Mal aufs Neue, auch ei­nen ge­stan­de­nen Hi­fi-en­thu­si­as­ten vom Ho­cker zu hau­en. Wer das nicht glaubt, kom­me drin­gend zu den Mit­tel­deut­schen Hi­fi-ta­gen, um sich ei­nes Bes­se­ren be­leh­ren zu las­sen. Für un­se­re Ver­hält­nis­se un­ge­wohnt harsch wird die­ser Ton dem ein oder an­de­ren an­mu­ten. Zu­recht! Denn dies trans­por­tiert ana­log, was Can­ton bis­her bei un­se­ren Tests zu leis­ten ver­moch­te: das Uner­war­te­te zu­ta­ge tre­ten las­sen.

Kann Can­ton al­les?

Viel­leicht er­in­nern Sie sich an die um­fang­rei­che Be­richt­er­stat­tung be­züg­lich des Dol­by At­mos-en­sem­bles aus der letz­ten Aus­ga­be (7/2017). Can­tons 5.1.4-Sys­tem, be­ste­hend aus Stand- Kom­pakt- und Cen­ter-laut­spre­chern der Ven­to-se­rie, so­wie dem Sub­woo­fer 1500 R de­fi­nier­te in un­se­ren Hör­räu­men den Be­griff „Sur­round-sound“neu. Bei un­se­rem ak­tu­el­len Test­mus­ter mit Can­tons Si­gna­tur han­delt es sich um ein Du­ett mit dem Na­men GLE 496.2 BT. Nor­ma­ler­wei­se wer­den Prüf­lin­ge an die­ser Stel­le im Sin­gu­lar auf­ge­führt. Al­ler­dings ha­ben wir es beim GLE 496.2 BT mit ei­nem un­glei­chen Paar zu tun. Und zwar ent­pa­cken wir hier in der lin­ken Ecke ei­nen ak­ti­ven Stand­laut­spre­cher, der auf ei­ne 75 Watt (W) Ver­stär­ker­leis­tung aus dem Hau­se Te­xas In­stru­ments zäh­len darf und eben­die­se Leis­tung per Spea­kon-kabel an den Kan­di­da­ten in der rech­ten Ecke wei­ter­gibt, wel­cher als „Sla­ve“pas­siv fun­giert. Füt­tern kön­nen wir das Duo über S/PDIF, Cinch oder HD­MI, wo­bei hier gleich drei Ein­gän­ge zur Ver­fü­gung ste­hen. Und spä­tes­tens hier soll­te je­der mit ei­ner Af­fi­ni­tät fürs Heim­ki­no hell­hö­rig wer­den. Wo­zu denn bit­te drei Hd­mi-in­puts bei ei­nem her­kömm­li­chen Ste­reo-paar? Ge­nau hier liegt das Be­son­de­re der Can­tons: Bei den GLE 496.2 BT han­delt es sich näm­lich um al­les an­de­re als ein her­kömm­li­ches Ste­reo-paar! Denn der Mas­ter die­ses Du­etts ver­eint Ste­reo­laut­spre­cher, Blue­tooth­laut­spre­cher und Av-re­cei­ver in ei­nem Ge­rät. Ganz rich­tig – Film­sound kann über HD­MI di­rekt vom Ab­spiel­ge­rät in den GLE 492.2 BT ge­speist wer­den, wo über ein von DTS und Dol­by li­zen­sier­tes Ver­fah­ren Ma­ni­pu­la­tio­nen in Si­gnal­fre­quenz und Lauf­zeit­ver­zö­ge­rung vor­ge­nom­men wer­den. Ziel der Übung ist, zwei Laut­spre­chern in Ste­reo­for­ma­ti­on das Klang­bild ei­nes 5.1-Sys­tems zu ent­lo­cken. Auf den ers­ten Blick scheint dies nicht wirk­lich mit den Ge­set­zen der Phy­sik ver­ein­bar. Das Gan­ze bringt Can­ton auch noch für ei­nen ge­ra­de­zu läp­pi­schen Preis von 1 499 Eu­ro in die Lä­den – es ist al­so ein nicht gera­de be­schei­de­nes Vor­ha­ben, dem sich die GLES stel­len, er­in­nert man sich an die Per­for­mance des At­mos-en­sem­bles noch vor we­ni­gen Wo­chen. Je­doch wa­ren Test­mus­ter aus Weil­rod bis­her im­mer für ei­ne Über­ra­schung gut, wes­halb wir auch dies­mal ganz ge­las­sen in den Check-up ge­hen wol­len.

Ste­round oder Sur­reo?!

Wir kop­peln den Mas­ter der bei­den Spea­ker di­rekt mit ei­nem Blu-ray­play­er aus dem Hau­se On­kyo und rät­seln ei­nen Au­gen­blick: Kop­peln wir den Play­er mit ei­nem Laut­spre­cher oder den Av-re­cei­ver mit ei­nem Zu­spie­ler? Doch be­vor wir uns ernst­haft dar­über den Kopf zer­bre­chen kön­nen, kip­pen wir aus ei­nem an­de­ren Grund bei­na­he aus den Lat­schen – Mad Max ist zu­rück! Be­reits für den Test des Can­ton At­mos-en­sem­bles hat uns der End­zeit-strei­fen als klang­li­che Re­fe­renz ge­dient. Und wie­der packt uns der al­les um­man­teln­de DTSMIX. Aber wie kann das denn sein, sind doch bloß zwei Laut­spre­cher im Ein­satz?! Der Si­gnal­pro­zes­sor greift laut Er­klä­rung die ein­zel­nen Ka­nä­le des 5.1-Mi­xes des Films auf, be­ar­bei­tet je­de ein­zel­ne Spur, um Ton­hö­he und Lauf­zeit­ver­schie­bung zu ver­än­dern und mischt dann al­le sechs Spu­ren wie­der auf die bei­den Ste­reo­ka­nä­le run­ter. Und das al­les in Echt­zeit – ist doch klar! Um noch­mal auf den Ein­stieg des Texts zu­rück­zu­kom­men: Es ist je­des Mal aufs Neue ein Er­leb­nis, von Frank Göbl ein Pro­dukt prä­sen­tiert zu

be­kom­men. Und wenn der Chef von Can­tons Ent­wick­lungs­ab­tei­lung in der Ge­schwin­dig­keit fort­fährt, wird er sich un­se­rem Ver­dacht auf He­xe­rei nicht mehr lan­ge ent­zie­hen kön­nen…

Stay Ste­reo

Per Fern­be­die­nung ver­set­zen wir die Ste­reo-kom­bo in den Blue­tooth-mo­dus. Das do­mi­nan­te Blau der Front-leds be­stä­tigt uns ein BT. Ganz un­ge­niert ser­vie­ren wir den bei­den GLES über ein Macbook Slag­mal­s­klub­bens „Spon­so­red By Des­ti­ny“aus un­se­rer Spo­ti­fy-me­dia­thek. Wer die schwe­di­sche Elec­tro-kom­bo ein­mal auf ei­ner Func­tion-one er­le­ben durf­te, wird auch auf die­sem En­sem­ble ein gro­ßes Ver­gnü­gen ha­ben. Auch an die­ser Stel­le dür­fen die bei­den Test­mus­ter ei­nen an­er­ken­nen­den Schul­ter­klop­fer ver­bu­chen. Can­ton kann Mu­sik – das ist hier ein­mal mehr un­ter Be­weis ge­stellt. Kraft­voll kommt bei die­sem Ti­tel die Kick­drum an­ge­rauscht. Bass-drum und Syn­the­si­zer-ar­peg­gi sind wun­der­bar kraft­voll for­mu­liert und oh­ne jeg­li­ches Un­gleich­ge­wicht in den Hör­raum über­setzt. „Bird’s La­ment“von Moon­dog ist da im Ver­gleich ein al­le­mal schüch­ter­nes Stück. Ei­ne sanf­te Kick-drum un­ter­füt­tert ei­nen eben­so zar­ten Bass – der Schwer­punkt liegt hier ganz klar auf dem Blä­ser-en­sem­ble, an­ge­führt von Te­nor- und Alt-sa­xo­fon. Un­auf­dring­lich aber klar de­fi­niert über­setzt un­ser Ste­reo­paar hier das Ge­sche­hen. Die gro­ße Ober­ton­viel-

FAZIT

Der GLE 496.2 BT kommt als Ste­reo-du­ett mit Sur­round-kom­pe­tenz da­her. Aus zwei mach sechs heißt sein Mot­to, und so schafft er es tat­säch­lich in Ste­reo­for­ma­ti­on ei­nen wasch­ech­ten 5.1-Sound zu imi­tie­ren. Klar kommt es nicht an das At­mos-en­sem­ble Ven­to ran, aber für 1 400 Eu­ro ist das al­le­mal un­fass­bar, was Can­ton leis­tet. Tes­t­ur­teil: Klas­sen­bes­ter! falt der Blas­in­stru­men­te lässt hier ab­so­lut nichts zu wün­schen üb­rig.

Kon­kur­renz­los

Auf Can­ton ist eben Ver­lass. Auch nach dem ge­fühlt hun­derts­ten Test schafft es Frank Göbl wie­der, er­fah­re­nen Hi­fi-re­dak­teu­ren die Spra­che zu ver­schla­gen. Nicht nur, dass der GLE 492.2 BT mu­si­ka­lisch fast schon an die Re­fe­rence-se­rie an­knüp­fen kann und das zum Ein­stiegs­preis – Nein, auch die Ge­set­ze der Phy­sik wer­den ein­fach mal so ge­nutzt, dass sie au­ßer Kraft ge­setzt schei­nen. Ver­rückt oder?

Die 25 Mil­li­me­ter Sei­den­ka­lo­t­te ADT-25 fin­det sich auch in ver­wand­ten Laut­spre­chern, et­wa aus der Ven­to-se­rie

Hin­ter der Alu­mi­ni­um-mem­bran des Mit­tel­tö­ners sorgt ein mas­si­ver Fer­rit­kern-ma­gnet für den nö­ti­gen Hub

Drei mal rein, ein­mal raus: vier Hd­mi-buch­sen fin­den sich an der Rück­sei­te des GLE

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.