„Ich war im­mer Träu­me­rin“

Car­la Br­uni ist als Sän­ge­rin zu­rück und spricht über die Ehe mit Ni­co­las Sar­ko­zy, ih­re zwei Kin­der und ihr Le­ben zwi­schen Kunst und Po­li­tik

Augsburger Allgemeine (Ausgabe Stadt) - - Wochenend Journal -

Sie ha­ben die Co­ro­na-qua­ran­tä­ne in Ih­rem Haus in Süd­frank­reich ver­bracht. Sind Sie froh, wie­der in Pa­ris zu sein?

Car­la Br­uni: Ja. Es ist schön, wie­der bei der Ar­beit zu sein, und es ist sehr schön, dass die Schu­le wie­der ge­öff­net hat. Ich bin ja durch­aus ger­ne im Ur­laub, aber die Aus­zeit im Som­mer war wirk­lich sehr aus­ge­dehnt. Wir wa­ren fast drei Mo­na­te raus aus Pa­ris. Aber das Gu­te ist: In der Zeit, in der wir prak­tisch weg­ge­sperrt wa­ren, konn­te ich sehr in­ten­siv an mei­nem Al­bum ar­bei­ten. An­sons­ten hat­te ich ja nichts zu tun. Ich ha­be je­den Tag ein, zwei St­un­den Sport ge­macht, Gym­nas­tik, Lau­fen und sol­che Sa­chen, aber die Ta­ge wur­den schon sehr lang.

Ha­ben Sie Ih­re Fa­mi­lie in die­sen Mo­na­ten der krea­ti­ven Iso­la­ti­on noch ein­mal in­ten­si­ver ken­nen­ge­lernt?

Br­uni: Mein Mann und ich, wir sind so­wie­so die gan­ze Zeit sehr eng und sehr in­tim mit­ein­an­der ver­bun­den. Da war kein Un­ter­schied zu sonst. Und um mei­ne Kin­der küm­me­re ich mich im­mer viel und so gut ich kann. Al­so ich brauch­te jetzt nicht die­sen Co­ro­na-lock­down, um Au­ré­li­en und Gi­u­lia für mich zu ent­de­cken. Aber mit wem ich echt sehr, sehr viel en­ger war als nor­ma­ler­wei­se, das wa­ren mei­ne Mut­ter und mei­ne Schwes­ter. Mei­ne Mut­ter ist 90 und hey, ich dach­te stän­dig, ich wer­de sie um­brin­gen (lacht). Ha­be ich dann aber doch nicht ge­macht, denn ich lie­be sie.

War­um woll­ten Sie Ih­re Mut­ter tö­ten? Br­uni: Weil sie mich in den drei Mo­na­ten, in de­nen wir auf­ein­an­der hock­ten, be­han­delt hat, als wä­re ich vier. Und mei­ne Schwes­ter als wä­re sie sie­ben. Mit der ei­ge­nen Fa­mi­lie war es wirk­lich die rei­ne Freu­de, aber mit der Ge­burts­fa­mi­lie, al­so, wie soll ich sa­gen, wir muss­ten uns al­le ein biss­chen ent­span­nen, zu­rück­neh­men und ge­dul­dig sein.

So sind Müt­ter nun mal.

Br­uni: Ja, aber mit 50 lebst du nor­ma­ler­wei­se nicht mit de­nen zu­sam­men (lacht).

An­statt Ih­re Schwes­ter Va­le­ria Br­uni-te­de­schi zu kil­len, ha­ben Sie für Ihr nun er­schie­ne­nes ers­tes Al­bum mit selbst ge­schrie­be­nen Songs seit sie­ben Jah­ren zu­sam­men das Lied „Vo­glio l’amo­re“ein­ge­sun­gen.

Br­uni: Mei­ne Schwes­ter hat mich im­mer zur Mu­sik er­mu­tigt. Als ich noch jung war, sag­te sie schon im­mer „Die Leu­te sol­len dei­ne Songs hö­ren, sie sind toll“. Und bis heu­te zwin­ge ich sie, sich je­den neu­en Song an­zu­hö­ren, den ich ge­schrie­ben ha­be. Ihr Ur­teil ist mir wirk­lich wich­tig.

Muss­ten Sie Ih­re Schwes­ter, Schau­spie­le­rin, über­re­den?

Br­uni: Nö, gar nicht. Sie hat­te Bock und hat dem Lied so ei­ne klei­ne Ex­tra-ver­rückt­heit ge­ge­ben. Au­ßer­dem ist die­ser Song sehr be­son­ders, weil ich zum ers­ten Mal auf Ita­lie­nisch ge­schrie­ben ha­be und sin­ge. Ich bin ja in Ita­li­en ge­bo­ren und auf­ge­wach­sen, aber mei­ne Groß­mut­ter war Fran­zö­sin, und ich hat­te von

Hei­ne

An­fang an im­mer sehr die fran­zö­si­sche Spra­che im Ohr.

Wie ha­ben

Sie ge­prägt?

Br­uni: Ich war im­mer ei­ne Träu­me­rin, und sie ha­ben mich träu­men las­sen. Mei­ne Träu­me wa­ren nicht kon­kret so im Sin­ne von „Ich wer­de Mo­del“oder „Ich wer­de Sän­ge­rin“. Son­dern es sind eher so Tag­träu­me ge­we­sen. Ich war ver­spielt, neu­gie­rig und aben­teu­er­lus­tig – und hing sehr, sehr gern mit dem Kopf in den Wol­ken.

Mut­ter

und

Groß­mut­ter

Han­delt „Un Grand Amour“von Ih­rem Mann und Ih­nen?

Br­uni: Ja, voll. Und noch wei­ter­ge­fasst spricht der Song über Men­schen, die sich tref­fen und ver­lie­ben. Am An­fang weiß nie­mand, ob es ei­ne Lie­be wird, die aus hei­ßem Ver­lan­gen be­steht, oder ob sie nur zwei Ta­ge hält, ob­wohl du glaub­test, sie hält ein Le­ben lang. Oder ob die ei­ne, die Rie­sen­lie­be wird. Ich per­sön­lich wür­de mich für je­de Lie­be ent­schei­den, selbst für ei­ne klit­ze­klei­ne

Lie­be.

Als Ni­co­las und Sie sich ver­lieb­ten, wuss­te wohl auch nie­mand, wie es lau­fen wird, oder? Br­uni: Doch! Ich wuss­te es! Wir er­leb­ten die­se sü­ße Er­fah­rung der Lie­be auf den ers­ten Blick. Wo­mit ich nicht ge­rech­net hät­te, das ist der dau­er­haf­te, be­stän­di­ge Teil un­se­rer Lie­be. Ich hät­te es mir an­fangs selbst nicht zu­ge­traut, so ei­ne wun­der­schö­ne Lie­be le­ben zu kön­nen.

Ih­re Kar­rie­re

Jetzt sind Sie bei­den seit zwölf Jah­ren ver­hei­ra­tet.

Br­uni: Fast schon seit drei­zehn. Ich bin so un­glaub­lich über­rascht dar­über. Es ist ein gro­ßes Glück, ein Se­gen.

Was macht Ih­re Lie­be aus?

Br­uni: Ei­ne gu­te Be­zie­hung lebt auch von Ge­gen­sät­zen. Ich bin ganz schön me­lan­cho­lisch. Zwar auf le­bens­lus­ti­ge Art, aber trotz­dem. Mein Mann da­ge­gen ist kom­plett un­me­lan­cho­lisch. Au­ßer­dem ist er ein Tag­mensch, und ich bin ein Nacht­mensch. Ni­co­las und ich, wir sind wie Mond und Son­ne. or­ten – ein bö­ses, bö­ses Wort. Wer in Kri­sen­zei­ten hor­tet, muss sich schä­men. Der ist ein rück­sichts­lo­ser Klein­geist. Der soll­te sei­ne zwei bis drei Pa­cken Klo­pa­pier im Ein­kaufs­wa­gen auf je­den Fall bes­ser ver­ste­cken, be­son­ders gut eig­net sich da­für ein Kopf Blatt­sa­lat, kom­bi­niert mit der Tief­kühl­piz­za ex­tra gran­de und ei­ner gro­ßen Chip­stü­te. Was nichts dar­an än­dert, dass man im Mo­ment des Auf­la­dens aufs Kas­sen­band am Pran­ger steht:

Seht her, ein Hor­ter! Ei­ner, der zu viel nimmt! Da ist die Ge­sell­schaft streng! Hor­ter ste­hen des­we­gen in ei­ner Rei­he mit Viel­fra­ßen und Gier­häl­sen.

Wie aber ent­geht man die­ser Si­tua­ti­on? In­dem man hor­tet, be­vor die Hor­ter kom­men, al­so die ech­ten. In­dem man hor­tet, wenn es noch kei­nem auf­fällt. Wie das Eich­hörn­chen. Was wä­re das für ein dum­mes Eich­hörn­chen, das sich erst im No­vem­ber auf die Su­che nach Nüs­sen

„La Cham­bre Vi­de“(Das lee­re Zim­mer) ist von ei­nem Kind in­spi­riert, das sein El­tern­haus ver­lässt. Was hat Ihr 19-jäh­ri­ger Sohn Au­ré­li­en über das Stück ge­sagt?

Br­uni: Ich ha­be den Jun­gen ge­nö­tigt, sich das Lied mit mir an­zu­hö­ren. Und er mein­te „Hey, pass mal auf, du singst über mich, als wä­re ich tot“(ki­chert). Ich bin nicht trau­rig, dass er aus­ge­zo­gen ist. Das ge­hört da­zu. Die Zeit ist ver­gan­gen, und er ist kein Ba­by mehr, son­dern ein jun­ger Mann, der jetzt sei­ne ei­ge­nen We­ge geht. Der Song ist viel­mehr ei­ne Be­trach­tung dar­über, wie schnell das Le­ben vor­bei­zieht. Durch dei­ne Kin­der merkst du das be­son­ders deut­lich.

Auf Ins­ta­gram macht er kei­nen Hehl aus sei­ner Be­wun­de­rung für Bo­ris John­son. Er be­für­wor­tet den Br­ex­it. Habt ihr vie­le Dis­kus­sio­nen zu­hau­se? Br­uni: Gott ja, stän­dig, vor al­lem auch mit mei­nem Mann zu­sam­men. Kei­ne Ah­nung, was ihn da ge­ra­de rei­tet, neu­lich war er noch Kom­mu­nist (lacht).

Sie und Ihr Mann ha­ben das Po­li­ti­sche und das Pri­va­te im­mer gut tren­nen kön­nen, oder?

Br­uni: Ja. Lie­be und Po­li­tik stan­den sich bei uns nie im Weg, wirk­lich gar nicht. Als mein Mann noch Prä­si­dent war, ka­men öf­ters Leu­te auf mich zu, die so ta­ten, als woll­ten sie mich trös­ten. So über­trie­ben für­sorg­lich, so „Oh, geht es Ih­nen wirk­lich gut?“Sehr merk­wür­dig war das. Die Men­schen wa­ren im­mer so ge­stresst in Be­zug und Po­li­tik und auf Macht und all das. Mir selbst war das ir­gend­wie ganz schön egal. Ich ha­be mich nie mit rein­zie­hen las­sen in die­se po­li­ti­sche Bla­se. Mir fiel es nie schwer, Ab­stand zu die­sem Ge­schäft zu hal­ten.

Soll Gi­u­lia Po­li­ti­ke­rin Künst­le­rin wer­den?

Br­uni: Künst­le­rin! Da bin ich mir ganz si­cher. Sie singt und tanzt den gan­zen Tag. Für Po­li­tik brauchst du ein Händ­chen, ein ech­tes Ta­lent. Ich ha­be mei­nen Mann im­mer da­für be­wun­dert, mit wie viel Be­geis­te­rung er Po­li­ti­ker war. Das hat den wirk­lich in­ter­es­siert.

In­ter­view: Stef­fen Rüth

oder

lie­ber

Fo­tos: dpa, Uni­ver­sal

Sie ist 52, Frau des ehe­ma­li­gen Prä­si­den­ten Frank‰ reichs, Mut­ter von Gi­u­lia (fast 9) und Au­ré­li­en (19) – aber noch im­mer ist die ge­bür­ti­ge Ita­lie­ne­rin Car­la Bru‰ ni auch die er­folg­rei­che Sän­ge­rin, nun mit neu­em, selbst­be­ti­tel­ten Al­bum, der ei­gen­stän­di­ge Star. Wie das be­gann? Die Mut­ter Schau­spie­le­rin und Pia­nis­tin, der Va­ter Groß­in­dus­tri­el­ler – Car­la schmiss früh das Kunst‰ stu­di­um, um Mo­del zu wer­den…

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