Ein Fall für die Kar­tell­be­hör­den

Augsburger Allgemeine (Land Nord) - - Wirtschaft - VON STE­FAN STAHL sts@augs­bur­ger all­ge­mei­ne.de

jet aus­steigt, wird die kar­tell­recht­li­che Ge­neh­mi­gung für Luft­han­sa noch schwie­ri­ger zu be­kom­men sein“, sag­te der Luft­ver­kehrs­be­ra­ter Ge­rald Wis­sel. Aus Sp­ohrs Sicht än­dert das Aus für Air Ber­lin am Trend sin­ken­der Ti­cket­prei­se nichts. Er kün­dig­te an, dass die Kon­zern­mar­ken Luft­han­sa und Eu­ro­wings sich auf be­stimm­ten Stre­cken ge­gen­sei­tig Kon­kur­renz ma­chen sol­len. Dies traf bei Ex­per­ten auf Skep­sis. „Kon­zer­ne wer­den aus kar­tell­recht­li­cher Sicht als ein Un­ter­neh­men an­ge­se­hen“, sag­te der Kar­tell­recht­ler Mar­tin Gramsch.

Air Ber­lin, die nach Luft­han­sa bis­her zweit­größ­te deut­sche Flug­li­nie, hat­te Mit­te Au­gust In­sol­venz an­ge­mel­det. Der Flug­be­trieb seit­dem war nur durch ei­nen Kre­dit des Bun­des über 150 Mil­lio­nen Eu­ro ge­si­chert. Mit der Kauf­sum­me der Luft­han­sa be­ste­he ei­ne gu­te Chan­ce, das Geld zu­rück­zu­zah­len, sag­te AirBer­lin-Chef Tho­mas Win­kel­mann.

Sp­ohr kün­dig­te ein An­ge­bot an, „um im Aus­land ge­stran­de­ten Pas­sa­gie­ren der Air Ber­lin die Heim­rei­se zu ei­nem fai­ren Preis an­zu­bie­ten, so­fern wir die Ka­pa­zi­tä­ten da­für ha­ben“. Es ist un­klar, um wie vie­le Flug­gäs­te es da­bei geht. Dass Air Ber­lin al­le Langstre­cken­ver­bin­dun­gen am 15. Ok­to­ber ein­stellt, ist seit mehr als zwei Wo­chen be­kannt. Ab 28. Ok­to­ber gibt es dann gar kei­ne Flü­ge mit AB-Flug­num­mern mehr. Ti­ckets für spä­te­re Flü­ge ver­lie­ren ih­re Gül­tig­keit. Der Flug­ver­kehr der nicht in­sol­ven­ten Toch­ter Ni­ki soll wei­ter­ge­führt wer­den.

Dass sich Luft­han­sa-Chef Sp­ohr freut, die Kon­trol­le über gro­ße Tei­le der Start- und Lan­de­rech­te von Air Ber­lin er­langt zu ha­ben, ist ver­ständ­lich. Denn die deut­sche Num­mer eins steht un­ter star­kem Druck. Luft­han­sa ist ei­nem Zan­gen­an­griff aus­ge­setzt, der sehr schmerz­voll ist. Auf der ei­nen Sei­te er­obern staat­lich sub­ven­tio­nier­te Scheich-Air­lines er­trag­rei­che In­ter­kon­ti­nen­tal-Stre­cken. Die Deut­schen ha­ben Kun­den an Emi­ra­tes, Eti­had & Co ver­lo­ren, weil die An­bie­ter oft güns­ti­ger sind und auch noch bes­se­ren Ser­vice bie­ten.

Der zwei­te Teil der Kon­kur­ren­zZan­ge quält die Deut­schen nicht min­der: Hier ha­ben auf dem eu­ro­päi­schen Markt Bil­lig-An­bie­ter mit nied­ri­ge­ren Kos­ten­struk­tu­ren wie Rya­nair und Ea­sy­jet der Luft­han­sa reich­lich Pas­sa­gie­re ab­ge­jagt.

In ei­ner der­art miss­li­chen La­ge bringt die Über­nah­me von AirBer­lin-Stre­cken Ent­las­tung für die Luft­han­sa. Doch das geht mit ei­ner Be­las­tung für Kun­den ein­her. Denn auch wenn Sp­ohr das Ge­gen­teil be­haup­tet: Die Ti­cket­prei­se wer­den ins­ge­samt stei­gen. Ge­ra­de im in­ner­deut­schen Luft­ver­kehr ist die Ge­fahr groß, dass Luft­han­sa die grö­ße­re Markt­macht zu Las­ten der Pas­sa­gie­re miss­braucht.

Al­les an­de­re wä­re sen­sa­tio­nell. In­so­fern macht Kon­zern­chef Sp­ohr ei­ne Rech­nung auf, die nicht stim­men kann. Sei­ne Be­haup­tung, dass sich nun die Luft­han­sa-Bil­lig­toch­ter Eu­ro­wings, die Air-Ber­linStre­cken über­nimmt, und die Kra­nich-Li­nie selbst preis­sen­kend Kon­kur­renz ma­chen, ist schlicht un­glaub­wür­dig. Denn bei­de Air­lines ge­hö­ren zu ei­nem Kon­zern.

Des­we­gen ist es ein Sün­den­fall, dass die Luft­han­sa bei Air Ber­lin so reich­lich be­dacht wur­de. Hier müs­sen sich In­sol­venz­ver­wal­ter und Bun­des­re­gie­rung Kri­tik ge­fal­len las­sen. Am En­de bleibt nur die Hoff­nung, dass die Kar­tell­hü­ter das ab­ge­kar­te­te Spiel auf­de­cken und die Luft­han­sa Stre­cken ab­ge­ben muss.

Das kann aber län­ger dau­ern.

Fo­to: Paul Zin­ken, dpa

Ein Air Ber­lin Luft­bal­lon oh­ne Luft. Ein trau­ri­ges, ir­gend­wie zur Plei­te pas­sen­des Bild. Doch jetzt pumpt die Luft­han­sa wie­der Luft in die Air­line.

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