Was Sie zur Bay­ern-Wahl wis­sen müs­sen

Ser­vice War­um das baye­ri­sche Wahl­recht so be­son­ders ist und der neue Land­tag wohl Re­kord­grö­ße ha­ben wird. Und wie Sie rich­tig wäh­len

Augsburger Allgemeine (Land Nord) - - Bayern Wählt - VON HOL­GER SABINSKY-WOLF

Augs­burg Die Um­fra­ge­wer­te zur Land­tags­wahl sind die­ses Mal so span­nend, dass al­le nur von ei­nem wahr­schein­lich his­to­ri­schen Er­geb­nis re­den. Doch wie kommt das Wah­l­er­geb­nis zu­stan­de? Und wie wählt man rich­tig? Das Wich­tigs­te:

Wie vie­le Wahl­be­rech­tig­te gibt es und wer steht zur Wahl?

Rund 9,5 Mil­lio­nen Men­schen dür­fen ih­re Stim­me ab­ge­ben, rund 36 000 mehr als vor fünf Jah­ren. Dar­un­ter sind 600000 Erst­wäh­ler. Zur Wahl ste­hen laut Lan­des­wahl­lei­ter 18 Par­tei­en und Wäh­ler­grup­pen mit ins­ge­samt 1923 Kan­di­da­ten. De­ren Durch­schnitts­al­ter liegt bei 48 Jah­ren. 31 Pro­zent sind Frau­en.

Was ist der Un­ter­schied zum Bun­des­wahl­recht?

Im baye­ri­schen Lan­des­wahl­recht gibt es ei­ne zen­tra­le Be­son­der­heit: An­ders als bei der Bun­des­tags­wahl ent­schei­det die Sum­me aus Erst- und Zweit­stim­men über die Sitz­ver­tei­lung im Land­tag. Bei­de Stim­men sind für die Sitz­ver­tei­lung al­so ge­nau gleich wich­tig. Bei der Bun­des­tags­wahl ist al­lein die Zweit­stim­me für die Sitz­ver­tei­lung aus­schlag­ge­bend.

Was wählt man mit der Erst­stim­me?

Mit der Erst­stim­me (klei­ner wei­ßer Stimm­zet­tel) wählt man ei­nen Kan­di­da­ten in ei­nem der ins­ge­samt 91 Stimm­krei­se di­rekt. Die Stimm­ab­ga­be er­folgt durch ein Kreuz im Kreis über dem Na­men des Kan­di­da­ten. Es darf nur ei­ne Per­son an­ge­kreuzt werden. Sie­ger ist, wer dort je­weils die meis­ten Stim­men be­kommt, die ein­fa­che Mehr­heit reicht. Vor­aus­set­zung für ei­nen Ein­zug ei­nes Stimm­kreis-Sie­gers in den Land­tag ist al­ler­dings – an­ders als bei ei­ner Bun­des­tags­wahl –, dass sei­ne Par­tei lan­des­weit min­des­tens fünf Pro­zent al­ler gül­ti­gen Ge­samt­stim­men er­hält.

Und was ist die Zweit­stim­me?

Auf dem gro­ßen wei­ßen Stimm­zet­tel wird mit der Zweit­stim­me ein Lis­ten­ab­ge­ord­ne­ter des Wahl­krei­ses ge­wählt. Auch hier ist nur ein Be­wer­ber an­zu­kreu­zen. Die Wäh­ler kön­nen da­durch, an­ders als im Bund, die Ver­tei­lung der Kan­di­da­ten auf den Lis­ten noch än­dern. Ein Spit­zen­kan­di­dat muss nicht an der ers­ten Stel­le blei­ben. Werden ei­ne Par­tei oder Wäh­ler­grup­pe oder in­ner­halb ei­ner Wahl­kreis­lis­te meh­re­re Per­so­nen an­ge­kreuzt, dann wird die Stim­me nur die­ser Par­tei oder Wäh­ler­grup­pe zu­ge­rech­net, nicht aber ei­nem ein­zel­nen Ab­ge­ord­ne­ten.

Wann ist ein Stimm­zet­tel un­gül­tig?

Werden auf dem Stimm­zet­tel meh­re­re Be­wer­ber ver­schie­de­ner Par­tei­en an­ge­kreuzt, ist die­ser un­gül­tig. Au­ßer­dem ma­chen Zu­sät­ze al­ler Art die Stimm­ab­ga­be un­gül­tig.

Was sind Über­hang­man­da­te und wie groß wird der neue Land­tag?

Er­ringt ei­ne Par­tei in ei­nem Wahl­kreis mehr Di­rekt­man­da­te als ihr ge­mäß ih­rer Ge­samt­stim­men an Sit­zen zu­ste­hen, ver­blei­ben ihr die­se zu­sätz­li­chen Sit­ze als so­ge­nann­te Über­hang­man­da­te. In die­sem Fall er­höht sich die Zahl der Mandate der an­de­ren Par­tei­en ent­spre­chend dem tat­säch­li­chen Stim­men­ver­hält­nis (Aus­gleichs­man­da­te). Und ge­nau das dürf­te am Sonn­tag der Fall sein. Un­ter dem Strich ist da­von aus­zu­ge­hen, dass der Land­tag künf­tig deut­lich mehr Ab­ge­ord­ne­te ha­ben wird als die 180: Weil die CSU trotz ih­rer ak­tu­el­len Schwä­che na­he­zu al­le Stimm­krei­se di­rekt ge­win­nen dürf­te, bis auf ein­zel­ne Aus­nah­men mög­li­cher­wei­se, wä­re die CSU im Land­tag deut­lich über­re­prä­sen­tiert, weil ihr Ge­samt­stim­men­an­teil nach al­len Um­fra­gen weit nied­ri­ger aus­fal­len dürf­te. Des­halb wird es wohl vie­le Aus­gleichs­man­da­te ge­ben. Man­chen Be­rech­nun­gen zu­fol­ge könn­te der neue Land­tag bis zu 215 Ab­ge­ord­ne­te ha­ben – das wä­re ein neu­er Re­kord.

Wer wählt den Mi­nis­ter­prä­si­den­ten?

Der Mi­nis­ter­prä­si­dent wird von den neu­en Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten ge­wählt. Die­ser Wahl ge­hen, falls kei­ne Par­tei ei­ne ab­so­lu­te Mehr­heit er­ringt, Ko­ali­ti­ons­ver­hand­lun­gen zwi­schen den Par­tei­en vor­aus. Spä­tes­tens am 5. No­vem­ber kon­sti­tu­iert sich der neue Land­tag.

Wann wird das Er­geb­nis be­kannt ge­ge­ben?

Das vor­läu­fi­ge Wah­l­er­geb­nis soll laut Lan­des­wahl­lei­ter am Sonn­tag et­wa ge­gen Mit­ter­nacht fest­ste­hen. Die Ver­tei­lung der Sit­ze wird vor­aus­sicht­lich am Mitt­woch fix sein.

Fo­to: dpa

Der baye­ri­sche Wäh­ler tickt an­ders, das baye­ri­sche Wahl­recht auch.

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