Bay­erns Jus­tiz will Ak­ten der Bi­stü­mer

Miss­brauch Ge­ne­ral­staats­an­walt­schaf­ten ap­pel­lie­ren an ka­tho­li­sche Diö­ze­sen, In­for­ma­tio­nen zu Ver­dachts­fäl­len wei­ter­zu­ge­ben

Augsburger Allgemeine (Land Nord) - - Bayern - VON DO­RI­NA PASCHER (mit kna)

Augs­burg En­de Sep­tem­ber wur­de ei­ne von den deut­schen Bi­schö­fen in Auf­trag ge­ge­be­ne Miss­brauchs­stu­die vor­ge­stellt. Die­se hat nun die baye­ri­sche Jus­tiz auf den Plan ge­ru­fen: Die Ge­ne­ral­staats­an­walt­schaf­ten von Mün­chen, Nürn­berg und Bam­berg for­der­ten Ak­ten von den ka­tho­li­schen Bi­stü­mern in Bay­ern an. Das geht aus Re­cher­chen der Ka­tho­li­schen Nach­rich­ten-Agen­tur her­vor.

Auch das Bis­tum Augs­burg teil­te auf An­fra­ge un­se­rer Re­dak­ti­on mit, dass An­fang Ok­to­ber ein ent­spre­chen­des Schrei­ben der Ge­ne­ral­staats­an­walt­schaft Mün­chen ein­ge­gan­gen sei. Ak­ten wur­den ei­nem Spre­cher des Bis­tums zu­fol­ge aber nicht an­ge­for­dert.

Die Ge­ne­ral­staats­an­walt­schaft in Mün­chen be­ton­te am Frei­tag, dass es kei­ne kon­kre­ten Hin­wei­se auf Straf­ta­ten ge­be. Viel­mehr sei das Vor­ge­hen der drei Ge­ne­ral­staats­an­walt­schaf­ten ein „Ap­pell an die Bi­stü­mer, Un­ter­la­gen zu über­sen­den“, sag­te ein Spre­cher un­se­rer Re­dak­ti­on. Die Jus­tiz sei dar­auf an­ge­wie­sen, dass die Bi­stü­mer selbst An­zei­ge bei der Staats­an­walt­schaft ein­rei­chen.

Von der Ge­ne­ral­staats­an­walt­schaft Bam­berg hieß es, dass man durch die Pres­se­er­klä­rung der Kir­che zu der Miss­brauchs­stu­die In­for­ma­tio­nen er­hal­ten ha­be, „die den An­fangs­ver­dacht mög­li­cher Straf­ta­ten be­grün­den könn­ten“. Die Jus­tiz müs­se jetzt prü­fen, ob in der Miss­brauchs­stu­die ge­nann­te Ver­dachts­fäl­le straf­recht­lich re­le­vant sei­en.

Der Stu­die zu­fol­ge sol­len zwi­schen 1946 und 2014 min­des­tens 1670 ka­tho­li­sche Kle­ri­ker 3677 Min­der­jäh­ri­ge se­xu­ell miss­braucht ha­ben. Die meis­ten der Ver­dachts­fäl­le sind wahr­schein­lich schon ver­jährt. Die Jus­tiz er­hofft sich, et­wa durch Per­so­nal- und Hand­ak­ten der Bi­stü­mer, kon­kre­te Hin­wei­se zu den Ver­dachts­fäl­len zu be­kom­men. Den Bi­stü­mern lä­gen „si­cher­lich nach Ort, Zeit und Be­tei­lig­ten kon­kre­ti­sier­te Sach­ver­hal­te zu­grun­de“, sag­te ein Spre­cher der Ge­ne­ral­staats­an­walt­schaft Mün­chen. Des­halb hät­ten sich die Ge­ne­ral­staats­an­walt­schaf­ten auch schrift­lich an die Bi­schöf­li­chen Or­di­na­ria­te in ih­rem je­wei­li­gen Zu­stän­dig­keits­be­reich ge­wandt und die­se auf­ge­for­dert, ein­schlä­gi­ge Fäl­le bei den ört­lich zu­stän­di­gen Staats­an­walt­schaf­ten zur An­zei­ge zu brin­gen. „Wir neh­men in­so­weit die ka­tho­li­schen Bi­schö­fe beim Wort, die öf­fent­lich al­le An­stren­gun­gen zur Auf­klä­rung von se­xu­el­lem Miss­brauch zu­ge­si­chert ha­ben“, sag­te der Spre­cher.

Die Deut­sche Bi­schofs­kon­fe­renz ver­fährt bei Miss­brauchs­fäl­len seit ein paar Jah­ren nach „Leit­li­ni­en“. Die­se se­hen vor, dass bei Ver­dacht des se­xu­el­len Miss­brauchs durch Kle­ri­ker die Staats­an­walt­schaft in­for­miert werden muss.

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