Trump, der Tri­um­pha­tor

Por­trät Das Ren­nen um das Wei­ße Haus in Wa­shing­ton hat ei­ne sen­sa­tio­nel­le Wen­de ge­nom­men. Das Oval Of­fice über­nimmt nicht die ers­te Frau in der US-Ge­schich­te, son­dern ein Im­mo­bi­li­en­mo­gul und Fern­seh­star

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Politik - VON JENS SCHMITZ

Wa­shing­ton Do­nald Trumps Bio­gra­fen er­zäh­len we­nig Gu­tes über den de­si­gnier­ten 45. US-Prä­si­den­ten. To­ny Schwartz, im­mer­hin Co-Au­tor von Trumps Au­to­bio­gra­fie „The Art of the De­al“, be­kann­te un­längst tie­fe Reue, ein „Schwein mit Lip­pen­stift“auf­ge­hüb­scht zu ha­ben. Ei­tel, un­kon­trol­liert, ge­stört: An har­ten Ur­tei­len herrscht kein Man­gel. „Du bist ein Kil­ler! Du bist ein Kö­nig!“, soll Va­ter Fred sei­nem Nach­wuchs ge­ra­de­zu ma­nisch ein­ge­flüs­tert ha­ben. Beim Zweit­jüngs­ten schlug die Bot­schaft an: „Do­nald war das Kind, das bei der Ge­burts­tags­par­ty mit Ku­chen wirft“, hat sein Bru­der Ro­bert er­zählt. Mit 13 schlug der Jun­ge ei­nen Leh­rer, an der Uni­ver­si­ty of Penn­syl­va­nia führ­te er sich als künf­ti­ger „Kö­nig des New Yor­ker Im­mo­bi­li­en­we­sens“ein.

In sei­ner Sie­ges­an­spra­che hat Trump sich nun als Ver­söh­ner ge­ge­ben. Doch die Au­ra der Ge­walt­tä­tig­keit hat ihn nie ganz ver­las­sen. „Weißt du was, Lieb­ling?“, er­klär­te er im ver­gan­ge­nen De­zem­ber ei­ner be­sorg­ten Zwölf­jäh­ri­gen. „Du wirst kei­ne Angst mehr ha­ben. Die an­de­ren wer­den Angst ha­ben.“

Mehr als zwölf Frau­en ha­ben Trump im Ver­lauf des Wahl­kampfs be­zich­tigt, in frü­he­ren Jah­ren se­xu­ell über­grif­fig ge­wor­den zu sein. Schon bei sei­ner ers­ten Schei­dung im Jahr 1990 stand zeit­wei­se ein Ver­ge­wal­ti­gungs­vor­wurf im Raum. Ge­walt bei sei­nen Wahl­ver­an­stal­tun­gen sta­chel­te den Kan­di­da­ten eher an. Was er wie ernst meint, lässt sich häu­fig nicht sa­gen: Trump in­sze­niert gro­ße Tei­le sei­ner Iden­ti­tät.

Schon vor den Zei­ten von Reich­tum und Pro­mi­nenz schmück­te er sich mit Chauf­feur und ei­nem be­waff­ne­ten Leib­wäch­ter. „Ich be­die­ne die Fan­ta­si­en der Leu­te“, schrieb er in ei­nem sei­ner Bü­cher. „Ein biss­chen Über­trei­bung scha­det nie.“Ei­ner sei­ner An­wäl­te drück­te das 1990 an­ders aus: „Do­nald glaubt an die Theo­rie der gro­ßen Lü­ge: Wenn man et­was wie­der und wie­der sagt, glau­ben ei­nem die Leu­te.“

Im Wahl­kampf war kaum ei­ne Stra­te­gie öf­ter zu er­le­ben als die­se. Höchs­tens noch fol­gen­de aus dem Jahr 1987: „Wenn man ein biss­chen an­ders auf­tritt, oder ein biss­chen skan­da­lös, wenn man dreis­te oder um­strit­te­ne Din­ge tut, dann schreibt die Pres­se über ei­nen“, er­klär­te Trump da­mals sei­ne Me­dienstra­te­gie. Bis ver­gan­ge­nen Som­mer de­mons­trier­te er in der Bu­si­nes­sTa­l­ent­show „The App­ren­ti­ce“sein Ta­lent für gro­be Schmä­hun­gen, dann trug er es in den Prä­si­dent­schafts­wahl­kampf. Me­xi­ka­ner sei­en Ver­ge­wal­ti­ger, Kriegs­ge­fan­ge­ne Ver­lie­rer, Ju­den reich und Schwar­ze ge­walt­tä­tig, tön­te er. Mus­li­me ge­hö­ren ver­bannt, Ter­ror­ver­däch­ti­ge ge­fol­tert, ih­re Ver­wand­ten ge­tö­tet – mit je­dem Auf­re­ger hat­te Trump ta­ge­lang die Sen­de­zei­ten für sich. Was er nicht lie­fer­te, wa­ren Fak­ten: Bis heu­te gibt es kein be­last­ba­res Wahl­pro­gramm. Als ers­ter Kan­di­dat der mo­der­nen US-Ge­schich­te ver­wei­ger­te Trump die Ver­öf­fent­li­chung sei­ner Steu­er­un­ter­la­gen. Da­bei hat­te er sie ver­spro­chen.

Do­nald John Trump wur­de 1946 in New York als vier­tes von fünf Kin­dern ge­bo­ren; sein Va­ter war ein deutsch­stäm­mi­ger Pro­jekt­ent­wick­ler. Mil­lio­nen­dar­le­hen des Se­ni­ors er­mög­lich­ten ihm schon zu Uni­zei­ten ers­te Im­mo­bi­li­en­ge­schäf­te. Der Wan­del des über­schau­ba­ren Fa­mi­li­en­be­triebs zum Welt­kon­zern „Trump Or­ga­niza­t­i­on“geht aber auf das Kon­to des Soh­nes. Zu sei­nen Pro­jek­ten ge­hö­ren Fi­let­stü­cke wie das Grand Hyatt und der Trump To­wer in Man­hat­tan.

Die „Schei­dung des Jahr­hun­derts“von sei­ner ers­ten Frau Iva­na pflas­ter­te mo­na­te­lang die Bou­le­vard­pres­se – der Mil­li­ar­där hat­te das Mo­del mit ei­ner ehe­ma­li­gen Schön­heits­kö­ni­gin ge­de­mü­tigt. Auch von Schau­spie­le­rin Mar­la Ma­p­les trenn­te sich Trump wie­der. Heu­te ist er mit dem Mo­del Me­la­nia Kn­auss ver­hei­ra­tet. Der Pres­by­te­ria­ner hat fünf Kin­der und sie­ben En­kel.

Die Ge­schäfts­bi­lanz ist nicht ma­kel­los: Von Trump ge­grün­de­te Un­ter­neh­men ha­ben ins­ge­samt fünf­mal Bank­rott an­ge­mel­det. Für die ehe­ma­li­ge „Trump Uni­ver­si­ty“ist ein Be­trugs­ver­fah­ren an­hän­gig. Die Kam­pa­gne des Kan­di­da­ten hat sei­nen Ge­samt­wert auf mehr als zehn Mil­li­ar­den Dol­lar be­zif­fert, Wirt­schafts­ex­per­ten tip­pen auf we­ni­ger als die Hälf­te. Wäh­rend sei­ner Prä­si­dent­schaft sol­len die drei äl­tes­ten Kin­der Do­nald Ju­ni­or, 38, Ivan­ka, 35, und Eric, 32, den Kon­zern als Blind Trust füh­ren. Kri­ti­ker mo­nie­ren, dass die Struk­tur von Trumps Im­pe­ri­um un­zäh­li­ge In­ter­es­sen­kon­flik­te rund um den Glo­bus ber­ge.

Trump hat­te sich 2000 schon ein­mal an ei­ner Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­tur für die Re­form Par­ty ver­sucht. Die meis­te Zeit sei­nes Le­bens hat der New Yor­ker pro­gres­si­ve Po­si­tio­nen ver­tre­ten; man­che sei­ner Auf­fas­sun­gen sind für Kon­ser­va­ti­ve bis heu­te nicht leicht zu ver­dau­en.

Die Ge­schäfts­bi­lanz ist kei­nes­falls ma­kel­los

Fo­to: Ima­go

Wäh­rend Do­nald Trump zu­frie­den in die Hän­de klatscht, sind sei­ne Geg­ner fas­sungs­los.

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