Baut der neue Prä­si­dent jetzt wirk­lich ei­ne Mau­er?

Hin­ter­grund Im Wahl­kampf hat Do­nald Trump ei­ne Men­ge ver­spro­chen. Doch nicht al­les wird er so ein­fach um­set­zen kön­nen

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Politik -

Wa­shing­ton Am 20. Ja­nu­ar 2017 wird Do­nald J. Trump auf den Stu­fen des Ka­pi­tols sei­nen Amts­eid als US-Prä­si­dent ab­le­gen. Fünf Mo­na­te vor sei­nem 71. Ge­burts­tag wird er der bei Amts­an­tritt äl­tes­te US-Prä­si­dent, sie­ben Mo­na­te äl­ter als da­mals Ro­nald Rea­gan. Im Wahl­kampf hat er viel ver­spro­chen, nur was kann und wird er da­von hal­ten?

Was wird Trump au­ßen­po­li­tisch tun?

Er wird sich an sei­nem Mot­to „Ame­ri­ka zu­erst“ori­en­tie­ren. So will Trump bei­spiels­wei­se den Sinn der Na­to und den Schutz des Bünd­nis­ses neu de­fi­nie­ren. Län­der wie Deutsch­land, Süd­ko­rea oder Ja­pan will er für den „Schutz“der USA und ih­res Mi­li­tärs zur Kas­se bit­ten. „Das hat was von Ma­fio­so-Schutz­geld-Prin­zip“, sagt Marc Red­lich, Di­rek­tor des „Bos­ton War­burg Ch­ap­ter of the Ame­ri­can Coun­cil of Ger­ma­ny“in Har­vard. Tem­pe­ra­ment und Reiz­bar­keit des Re­pu­bli­ka­ners sprä­chen für ei­ne Än­de­rung des Tons zwi­schen den USA und dem Rest der Welt.

Wird er beim The­ma il­le­ga­le Ein­wan­de­rung durch­zie­hen?

Ja – ein här­te­rer Um­gang mit Ein­wan­de­rung war ein ro­ter Fa­den des Wahl­kampfs. Das Pro­jekt ei­ner Mau­er zu Me­xi­ko hat er si­cher hun­dert­fach an­ge­kün­digt. Auf den kom­plet­ten 3000 Ki­lo­me­tern Gren­ze soll sie ste­hen, zwi­schen gut zehn und 15 Me­tern hoch sein, mas­siv aus Stahl und „wun­der­schö­nem“Be­ton. Un­ab­hän­gi­ge Ana­ly­sen schät­zen die Kos­ten auf 25 Mil­li­ar­den US-Dol­lar und die Bau­zeit auf vier Jah­re. Bei­des macht es laut US-Me­di­en eher wahr­schein­lich, dass am En­de le­dig­lich ei­ne mehr oder we­ni­ger sym­bo­li­sche Er­wei­te­rung des be­ste­hen­den Zauns er­folgt. Wie am Mitt­woch­abend be­kannt wur­de, wol­len Me­xi­kos Staats­chef En­ri­que Pe­ña Nieto und Trump zu­dem bei ei­nem Tref­fen über die Be­zie­hun­gen bei­der Län­der be­ra­ten. Ein ers­tes Te­le­font sei „freund­lich“ge­we­sen, so Nieto.

Und Trumps Plä­ne zur De­por­ta­ti­on il­le­gal ein­ge­reis­ter Mi­gran­ten?

Da­für wä­ren mas­si­ve Raz­zi­en nö­tig, in Re­stau­rants und auf Far­men, in Fa­b­ri­ken und auf Bau­stel­len. Au­ßer­dem ei­ne im­men­se per­so­nel­le Auf­sto­ckung bei Po­li­zei und Be­hör­den und nicht zu­letzt Be­för­de­rungs­mög­lich­kei­ten für et­wa elf Mil­lio­nen Men­schen. Das Ame­ri­can Ac­tion Fo­rum, ein kon­ser­va­ti­ver Wa­shing­to­ner Think Tank, schätzt die Ge­samt­sum­me auf 600 Mil­li­ar­den USDol­lar. Des­we­gen wirkt ei­ne Um­set­zung nicht sehr wahr­schein­lich.

Kann Trump ei­ne Art Al­lein­herr­scher wer­den?

Nicht ganz. Für ei­ni­ge Än­de­run­gen wird Trump den Kon­gress brau­chen: In die Ge­sund­heits­ver­sor­gung „Oba­ma­ca­re“kann er eben­so we­nig al­lei­ne ein­grei­fen wie in die Steu­er­ge­setz­ge­bung. Trump hat als Prä­si­dent die Macht, den Atom-De­al mit dem Iran neu zu ver­han­deln. Eben­so kann er ei­nen Ein­rei­se­bann für Mus­li­me ver­hän­gen. Auch wenn die­ser so­fort un­ter Ver­weis auf Kern­be­stän­de der US-Ver­fas­sung ju­ris­tisch an­ge­grif­fen wer­den wür­de, mit be­trächt­li­cher Aus­sicht auf Er­folg – erst ein­mal wä­ren Fak­ten ge­schaf­fen.

Was ist mit dem um­kämpf­ten Su­pre­me Court, dem Obers­ten Ge­richt?

Sei­ne Be­set­zung wird zu den gra­vie­rends­ten Än­de­run­gen un­ter ei­nem Prä­si­den­ten Trump ge­hö­ren. Ein Sitz ist nach dem Tod ei­nes Rich­ters va­kant, an­de­re Wech­sel ste­hen aus Al­ters­grün­den an. Das Ge­richt hat ei­ne Gestal­tungs­macht, die es in Deutsch­land so nicht gibt. Ab­trei­bung, Waf­fen, Gleich­be­rech­ti­gung, Ein­wan­de­rung: Was der Su­pre­me Court ver­han­delt, hat sehr oft mit der DNA der USA zu tun. Trump hat al­les ver­sucht, rech­te Zweif­ler da­von zu über­zeu­gen, dass er als Prä­si­dent aus­schließ­lich Rich­ter mit ei­ner ul­tra­kon­ser­va­ti­ven Agen­da er­nen­nen wür­de. Das The­ma war im US-Wahl­kampf un­gleich ge­wich­ti­ger, als es in Eu­ro­pa durch­drang.

Wenn man in die USA selbst schaut, was ist dort zu er­war­ten?

Trump prä­sen­tier­te kürz­lich ei­nen „Ver­trag zwi­schen mir (al­so ihm) und dem ame­ri­ka­ni­schen Wäh­ler“, der im Kern ein po­pu­lis­ti­scher Sechs-Punk­te-Plan ist. Er reicht von ei­ner Be­gren­zung der Amts­zeit von Kon­gress-Ab­ge­ord­ne­ten bis zu neu­en Re­ge­lun­gen für po­li­ti­sche Lob­by­is­ten.

Wird Trump für Über­ra­schun­gen gut sein?

Ei­ner­seits ja, er ist un­be­re­chen­bar. An­de­rer­seits hat er im­mer sehr klar­ge­macht, was er will. „Um sich die Plä­ne ei­ner Prä­si­dent­schaft Trumps aus­zu­ma­len, muss­te man nie die ei­ge­ne Vor­stel­lungs­kraft be­mü­hen“, schrieb der New Yor­ker. „Stolz hat er sei­ne Prio­ri­tä­ten aus­ge­brei­tet, sei­ne his­to­ri­schen Be­zü­ge, man hat sei­ne In­stink­te un­ter Druck ken­nen­ge­lernt und kennt sei­ne Ein­schät­zung der­je­ni­gen, die sei­ne Ide­en in Po­li­tik um­set­zen wür­den.“

Was er­war­ten Trump-Ken­ner?

Die Wa­shing­ton Post hat al­le Bio­gra­fen Trumps be­fragt. Ant­wort, uni­so­no: Ein Prä­si­dent Trump wird tun, was der Kan­di­dat Trump ver­sprach. Es ge­be nur die­sen ei­nen Trump. Ei­ne ver­bes­ser­te oder er­wei­ter­te Aus­ga­be wer­de es nicht ge­ben. Nie.

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