Und was heißt das für uns?

Au­ßen­po­li­tik Schock­star­re in Ber­lin: Wie die Bun­des­re­gie­rung auf das Er­geb­nis der Wahl re­agiert und wel­che Be­fürch­tun­gen es gibt

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Politik - VON RUDI WAIS

Ber­lin

Do­nald Trump ist ein Mann mit deut­schen Wur­zeln – aber ei­ner mit we­nig Freun­den in der Hei­mat sei­nes Groß­va­ters. Au­ßen­mi­nis­ter Frank-Wal­ter St­ein­mei­er hat ihn im Som­mer ei­nen „Hass­pre­di­ger“ge­nannt. Der CDU-Mann Nor­bert Rött­gen hielt ihn noch ei­nen Tag vor der Wahl für „völ­lig un­ge­eig­net“. Nun al­ler­dings muss Deutsch­land se­hen, wie es mit dem neu­en US-Prä­si­den­ten zu­recht­kommt.

Ber­lin am Tag da­nach. „Das war schon ein schwe­rer Schock“, sagt Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin Ur­su­la von der Ley­en. Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel bie­tet Trump zwar we­nig spä­ter ei­ne en­ge Zu­sam­men­ar­beit an, klingt da­bei aber, als müs­se sie dem Nach­fol­ger von Ba­rack Oba­ma erst ein­mal ei­ne Vor­le­sung über west­li­che Wer­te hal­ten: De­mo­kra­tie, Frei­heit, der Re­spekt vor dem Recht und der Wür­de des Men­schen un­ab­hän­gig von Her­kunft, Haut­far­be, Re­li­gi­on, Ge­schlecht oder se­xu­el­ler Ori­en­tie­rung. St­ein­mei­er gra­tu­liert dem Wahl­sie­ger nicht ein­mal, wie es an­sons­ten un­ter be­freun­de­ten Staa­ten gut ge­üb­te Pra­xis ist. „Nichts wird ein­fa­cher“, pro­phe­zeit er. „Vie­les schwie­ri­ger.“

Clau­dia Roth, die Vi­ze­prä­si­den­tin des Bun­des­ta­ges, trägt an die­sem Vor­mit­tag Schwarz – aber das ist ver­mut­lich nur Zu­fall. „Ich ma­che mir gro­ße Sor­gen, wie es jetzt wei­ter­geht“, sagt die Grü­ne im Ge­spräch mit un­se­rer Zei­tung. „Ich fra­ge mich, was es für die Welt be­deu­tet, wenn man be­fürch­ten muss, dass der künf­ti­ge US-Prä­si­dent Wla­di­mir Pu­tin freie Hand gibt, das Ab­kom­men mit dem Iran auf­kün­digt und die Kli­ma­ver­pflich­tun­gen der USA auf­kün­digt.“Sie ahnt: „Es wür­de die Welt un­si­che­rer ma­chen.“Trumps nach­sich­ti­ge Art im Um­gang mit Russ­land, sei­ne schar­fe Kri­tik an An­ge­la Mer­kels Flücht­lings­po­li­tik und sei­ne aus­ge­präg­te Nei­gung zum Pro­tek­tio­nis­mus sind seit lan­gem be­kannt – nun aber, da er tat­säch­lich ge­wählt ist, wird all das po­li­ti­sche Rea­li­tät. „Uns ste­hen wil­de Zei­ten be­vor“, unkt SPDFrak­ti­ons­chef Was treibt ihn an? Wie stellt er sich das künf­ti­ge Mit­ein­an­der vor? „Ich hof­fe, dass ihn die Ad­mi­nis­tra­ti­on ein we­nig ein­he­gen wird“, sagt ein SPD-Mi­nis­ter. „Und ich fürch­te, dass wir al­les, was wir jetzt in den USA er­le­ben, in zehn Jah­ren auch in Deutsch­land er­le­ben.“

Ei­ner der we­ni­gen, die nicht so pes­si­mis­tisch ar­gu­men­tie­ren, ist aus­ge­rech­net der Ko­or­di­na­tor der Bun­des­re­gie­rung für die deut­schame­ri­ka­ni­schen Be­zie­hun­gen, der CDU-Ab­ge­ord­ne­te Jür­gen Hardt. „Wir soll­ten dem ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­den­ten die Hand rei­chen“, emp­fiehlt er. „Das Rü­pel­haf­te war sein Mit­tel, um an die Macht zu kom­men.“Hardt ist sich si­cher: Trump wer­de nicht al­les über Bord wer­fen, was frü­he­re Prä­si­den­ten über Jahr­zehn­te auf­ge­baut hät­ten.

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