Ga­b­ri­el bremst Par­tei­freun­din aus

Ko­ali­ti­on SPD-Chef blo­ckiert den Kli­ma­schutz­plan der Um­welt­mi­nis­te­rin Hend­ricks. Bei der Ren­ten­re­form kom­men sich die Vor­sit­zen­den von CDU, CSU und SPD et­was nä­her

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Politik - VON MAR­TIN FERBER

Ber­lin Sig­mar Ga­b­ri­el zog die Not­brem­se – und ließ da­mit sei­ne ei­ge­ne Um­welt­mi­nis­te­rin im Re­gen ste­hen. Weil der SPD-Chef, Vi­ze­kanz­ler und Wirt­schafts­mi­nis­ter sein Ve­to ein­leg­te, muss Bar­ba­ra Hend­ricks (SPD) nun doch in den nächs­ten Ta­gen mit lee­ren Hän­den zur Welt­kli­ma­kon­fe­renz ins ma­rok­ka­ni­sche Marrakesch rei­sen. Ein ab­ge­stimm­tes Kon­zept der Bun­des­re­gie­rung, wie Deutsch­land sei­ne ein­ge­gan­ge­nen Ver­pflich­tun­gen ein­lö­sen will, den Koh­len­di­oxid­aus­stoß bis 2050 um 80 bis 85 Pro­zent im Ver­gleich zu 1990 zu sen­ken, gibt es wei­ter­hin nicht. Und vor ih­rer Rei­se nach Ma­rok­ko wird es auch kei­nen Ka­bi­netts­be­schluss mehr ge­ben.

Ob­wohl die Staats­se­kre­tä­re aus fünf Mi­nis­te­ri­en mit Kanz­ler­amts­mi­nis­ter Pe­ter Alt­mai­er (CDU) im Lau­fe des Diens­tags die letz­ten noch strit­ti­gen Fra­gen klä­ren konn­ten, kam es am Abend beim Tref­fen der Par­tei­vor­sit­zen­den von CDU, CSU und SPD, An­ge­la Mer­kel, Horst See­ho­fer und Sig­mar Ga­b­ri­el, zu ei­ner über­ra­schen­den Wen­de. Der SPD-Chef ver­wei­ger­te der vor­ge­leg­ten Fas­sung sei­ne Zu­stim­mung. Gleich­wohl zeig­te sich Hend­ricks zu­ver­sicht­lich, dass sich die Re­gie­rung bis En­de der Wo­che noch ei­ni­gen kön­ne und die noch of­fe­nen Fra­gen vor ih­rer Rei­se nach Marrakesch ge­klärt wer­den.

In der Uni­on hielt sich die Ent­täu­schung über das vor­läu­fi­ge Schei­tern in Gren­zen. „Wenn der Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter den Kli­ma­schutz­plan sei­ner Par­tei­freun­din Hend­ricks vor­erst kas­siert, dann kön­nen wir von der Uni­on mit un­se­rer Kri­tik nicht ganz falsch­ge­le­gen ha­ben“, sag­te der stell­ver­tre­ten­de Frak­ti­ons­chef der CDU/CSU-Bun­des­tags­frak­ti­on, Ge­org Nüß­lein (CSU), ge­gen­über un­se­rer Zei­tung. Kli­ma­schutz sei wich­tig – „aber darf und Wohl­stand nicht ge­fähr­den“. Ga­b­ri­el ha­be of­fen­sicht­lich die Reiß­lei­ne ge­zo­gen, „nach­dem sein ei­ge­ner grü­ner Staats­se­kre­tär in den Ver­hand­lun­gen für nicht trag­ba­re Ver­schär­fun­gen für die Ener­gie­wirt­schaft und die In­dus­trie ge­sorgt hat, wäh­rend er selbst in Chi­na war“, schob Nüß­lein dem be­am­te­ten Staats­se­kre­tär Rai­ner Baa­ke von den Grü­nen, der schon von 1998 bis 2005 Um­welt­mi­nis­ter Jür­gen Trit­tin als Staats­se­kre­tär ge­dient hat, den Schwar­zen Pe­ter zu. „Es ist Zeit, dass sich un­ser Ko­ali­ti­ons­part­ner sor­tiert.“

Um­strit­ten wa­ren vor al­lem die Plä­ne Hend­ricks zum Aus­stieg aus der Koh­le bei der Strom­pro­duk­ti­on. Die Mi­nis­te­rin schlug vor, ei­ne Kom­mis­si­on ein­zu­set­zen, die ein Kon­zept er­ar­bei­ten soll. Dies lehn­te Ga­b­ri­el ab. „Mit mir wird es ei­ne sol­che Koh­le­aus­stiegs­kom­mis­si­on nicht ge­ben“, sag­te er am Mitt­woch. Auch die SPD-Mi­nis­ter­prä­si­den­ten der Koh­le­län­der Nord­rhein-Wes­tWett­be­werbs­fä­hig­keit fa­len und Bran­den­burg, Han­ne­lo­re Kraft und Diet­mar Wo­id­ke, hat­ten mas­si­ve Be­den­ken ge­gen den Koh­le­aus­stieg vor­ge­tra­gen und vor den wirt­schaft­li­chen Fol­gen in ih­ren Län­dern ge­warnt.

Eben­falls kei­ne Ei­ni­gung gab es beim zwei­ten gro­ßen The­ma des Ko­ali­ti­ons­gip­fels, der ge­plan­ten Ren­ten­re­form. Die Par­tei­chefs ka­men sich zwar nä­her, den­noch wur­den die Ver­hand­lun­gen auf den 24. No­vem­ber ver­tagt. Bis da­hin will auch Ar­beits- und So­zi­al­mi­nis­te­rin Andrea Nah­les (SPD) ihr Kon­zept vor­le­gen. Dann soll ent­schie­den wer­den, was in die­ser Le­gis­la­tur­pe­ri­ode noch auf den Weg ge­bracht wer­den kön­ne. So wol­len die Ko­ali­tio­nä­re ei­ne An­glei­chung der Ost­ren­ten an das West­ni­veau, sind aber noch un­ei­nig, wie dies fi­nan­ziert wer­den soll. Auch beim Vor­ha­ben, Ge­ring­ver­die­ner vor Al­ters­ar­mut zu schüt­zen, gab es noch Dis­kus­si­ons­be­darf. Der Ge­ne­ral­se­kre­tär des Wirt­schafts­rats der CDU, Wolf­gang Stei­ger, be­grüß­te ge­gen­über un­se­rer Zei­tung die Ver­ta­gung der Ge­sprä­che. „Gut, dass sich die Ver­tre­ter der Uni­on neu­en, lang­fris­tig nicht fi­nan­zier­ba­ren Ren­ten­plä­nen von Mi­nis­te­rin Nah­les in den Weg ge­stellt ha­ben.“

Schon am Frei­tag wol­len sich die drei Par­tei­chefs wie­der tref­fen, um ein wei­te­res Mal über ei­nen ge­mein­sa­men Kan­di­da­ten für das Amt des Bun­des­prä­si­den­ten zu be­ra­ten. Die CSU-Spit­ze drängt im Vor­feld des Gip­fels dar­auf, dass die Uni­on als größ­te Grup­pe in der Bun­des­ver­samm­lung ei­nen ei­ge­nen Kan­di­da­ten no­mi­nie­re.

„Es ist Zeit, dass sich un­ser Ko­ali­ti­ons­part­ner sor­tiert.“ Uni­ons­frak­ti­ons­vi­ze Ge­org Nüß­lein

Fo­to: Michael Kap­peler, dpa

Das Ve­to des Wirt­schafts­mi­nis­ters Sig­mar Ga­b­ri­el (SPD) dürf­te die Um­welt­mi­nis­te­rin Bar­ba­ra Hend­ricks (SPD) emp­find­lich tref­fen.

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