Hei­ßes Ren­nen um Os­ram

Licht-Un­ter­neh­men Chi­ne­si­sche In­ves­to­ren fah­ren auf den baye­ri­schen High­tech-Kon­zern ab. Ob und wann ei­ner von ih­nen das Lenk­rad über­neh­men darf, hängt von zwei mäch­ti­gen Män­nern ab

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Wirtschaft - VON STE­FAN STAHL

Mün­chen

Im Nor­den des Münch­ner Stadt­vier­tels Schwa­bing spielt sich vor dem Hoch­haus des Os­ram-Kon­zerns ei­ne Sze­ne mit Sym­bol­kraft ab. Dort steht ein neu­er Au­di-TTS­port­wa­gen. Aus­nahms­wei­se geht es nicht um den Die­sel-Skan­dal, der auch den In­gol­städ­ter Her­stel­ler voll er­fasst hat. Am Tag der Os­ram-Bi­lanz­pres­se­kon­fe­renz ha­ben viel­mehr Ver­ant­wort­li­che der Fir­ma den Wa­gen be­wusst vor den Ein­gang ge­stellt, um Jour­na­lis­ten auf die neu­ar­ti­gen, von dem Licht­kon­zern stam­men­den Rück­leuch­ten auf­merk­sam zu ma­chen. Hier wur­den or­ga­ni­sche Leucht­di­oden ein­ge­baut, die ein flä­chi­ges Licht ver­brei­ten und schick aus­se­hen.

Doch um die von der Wei­te un­schein­bar wir­ken­den Rück­leuch­ten ver­sam­meln sich kei­ne Re­por­ter, son­dern meh­re­re Asia­ten, die auf­ge­kratzt mit ih­ren Smart­pho­nes Bil­der von der Licht-In­no­va­ti­on ma­chen. Ist das ei­ne Grup­pe chi­ne­si­scher In­ves­to­ren, die nun auch noch die Hoch­tech­no­lo­gie-Per­le Os­ram schlu­cken wol­len? Der Augs­bur­ger Ro­bo­ter­her­stel­ler Ku­ka be­fin­det sich schon in den Fän­gen des chi­ne­si­schen Haus­halts­ge­rä­te-Kon­zerns Mi­dea. Und Os­ram hat ja be­reits sein klas­si­sches Lam­pen­ge­schäft un­ter dem Na­men „Led­van­ce“samt des Stand­or­tes in Augs­burg mit noch 900 Be­schäf­tig­ten ab­ge­spal­ten. Die Spar­te soll an ein chi­ne­si­sches Kon­sor­ti­um um den Leucht­di­oden­Her­stel­ler MLS ver­kauft wer­den.

In den ver­gan­ge­nen Wo­chen ver­dich­te­ten sich zu­dem Hin­wei­se, dass auch Os­ram selbst in asia­ti­sche Hän­de ge­ra­ten könn­te. Nach In­for­ma­tio­nen un­se­rer Zei­tung ha­ben so­wohl der chi­ne­si­sche Halb­lei­ter­her­stel­ler San’an Op­to­elec­tro­nics als auch der mit den kom­mu­nis­ti­schen Macht­ha­bern in Pe­king bes­tens ver­drah­te­te Fi­nanz­in­ves­tor GSR Go Sca­le Ca­pi­tal In­ter­es­se, sich Os­ram und da­mit auch das Werk in Schwab­mün­chen mit noch mehr als 300 Be­schäf­tig­ten ein­zu­ver­lei­ben.

Die von den hüb­schen Os­ramRück­lich­tern im Au­di TT be­geis­ter­ten Asia­ten sind je­den­falls nicht Ab­ge­sand­te ei­nes über­nah­me­hung­ri­gen In­ves­tors. Sie ha­ben ein­fach nur ein Fai­b­le für die Tech­nik. Wäh­rend die Asia­ten kaum von den Rück­lich­tern las­sen wol­len, sagt der wie im­mer gut ge­laun­te Os­ram-Chef Olaf Ber­li­en ge­gen­über Jour­na­lis­ten: „Wir freu­en uns auf ei­ne span­nen­de Zu­kunft.“Der Ma­na­ger ist of­fen für asia­ti­sche In­ves­to­ren. Das sei nichts Be­droh­li­ches. Noch liegt Os­ram aber kein kon­kre­tes An­ge­bot von chi­ne­si­scher Sei­te vor. Dass es ein sol­ches nach wie vor nicht gibt, hat viel mit den stra­te­gi­schen Plä­nen zwei­er Män­ner zu tun, die ger­ne Kl­ar­text re­den und von der Na­tur mit über­durch­schnitt­li­chem Selbst­be­wusst­sein aus­ge­stat­tet sind. Die Zie­le der bei­den durch­set­zungs­fä­hi­gen Al­pha-Ty­pen stim­men nicht über­ein, was er­klärt, war­um nach Mo­na­ten der Spe­ku­la­tio­nen im­mer noch nicht fest­steht, wel­cher Groß­ak­tio­när künf­tig die Macht über Os­ram als ei­nes der in­ter­es­san­tes­ten deut­schen Un­ter­neh­men hat. Die Fir­ma weist schließ­lich gu­te Zah­len vor und eilt von ei­nem spek­ta­ku­lä­ren Groß­auf­trag zum nächs­ten.

Ob die Aus­leuch­tung der Er­öff­nungs­und Schluss­fei­er der Olym­pi­schen Spie­le in Bra­si­li­en oder das neue LED-Licht­de­sign des Pe­ters­plat­zes im Va­ti­kan – Os­ram-Tech­nik war ge­fragt. Über sol­che Er­fol­ge freu­en sich si­cher die bei­den Os­ramSchick­sals­män­ner Joe Ka­e­ser und Wirt­schafts­mi­nis­ter Sig­mar Ga­b­ri­el. Ers­te­rer scheint als Chef des Sie­mens-Kon­zerns noch nicht ent­schie­den zu ha­ben, wer das 17,5 Pro­zent schwe­re Os­ram-Ak­ti­en­pa­ket sei­nes Hau­ses be­kommt. Der deut­sche Rei­fen- und Au­to­mo­bil­zu­lie­fer-Rie­se Con­ti­nen­tal hät­te es sich wohl ger­ne ge­schnappt, schließ­lich ist Os­ram stark im Ge­schäft mit Au­to­be­leuch­tung. Doch Ka­e­ser hat, wie es heißt, ab­ge­winkt, weil der Preis mit einst rund 50 Eu­ro nur we- ni­ge Eu­ro über dem Bör­sen­kurs ge­le­gen ha­be. Chi­ne­si­sche In­ves­to­ren schei­nen da­ge­gen ge­willt zu sein, 70 Eu­ro zu be­zah­len. Ges­tern no­tier­te die Ak­tie wie­der bei et­wa 50 Eu­ro.

So soll­te es schwer für Ka­e­ser sein, der asia­ti­schen Ver­su­chung zu wi­der­ste­hen, zu­mal ein Ver­kauf des Sie­mens-Pa­ke­tes an Os­ram sei­nem Kon­zern Tü­ren in Pe­king weit auf­rei­ßen und neue Auf­trä­ge, vi­el­leicht für Kraft­wer­ke, brin­gen könn­te.

Aber da hat der Sie­mens-Chef nicht die Rech­nung mit ChinaSchreck Ga­b­ri­el ge­macht. Der lässt den Ver­kauf der eins­ti­gen Os­ramSpar­te Led­van­ce an die Asia­ten kri­tisch prü­fen und scheint Be­den­ken ge­gen ei­ne Über­nah­me Os­rams durch Chi­ne­sen zu ha­ben. So bleibt das Ren­nen um den Licht-Kon­zern bis auf Wei­te­res heiß. Erst wenn Ga­b­ri­el und Ka­e­ser in ei­ne Rich­tung len­ken, weiß Os­ram, wo­hin es geht.

Fo­to: Os­ram

Ei­ne be­son­de­re Heck­par­tie. In die­sem Au­di TT sind Os­ram-Lam­pen der neu­es­ten Art ver­baut. Mit solch or­ga­ni­schen Leucht­di­oden lässt sich flä­chi­ges Licht er­zeu­gen – ei­ne Tech­no­lo­gie, die ge­ra­de Asia­ten fas­zi­niert.

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