Ru­he sanft, Neu­schwan­stein

Per­so­na­lie Jah­re­lang ru­mor­te es ge­wal­tig hin­ter den Ku­lis­sen des Mär­chen­schlos­ses. Nun be­kommt Bay­erns Vor­zei­ge-Im­mo­bi­lie ei­nen neu­en Ver­wal­ter. Er soll die Wo­gen glät­ten

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Bayern - VON MAR­KUS RAFFLER

Schwan­gau

Mob­bing, Macht­spie­le und schwar­ze Kas­sen: Seit Jah­ren ru­mort es hef­tig auf Schloss Neu­schwan­stein. Zu­letzt war in an­ony­men Schrei­ben von ei­nem Ra­che­feld­zug ge­gen ein­zel­ne Be­schäf­tig­te die Re­de. Selbst der ex­ter­ne Si­cher­heits­dienst, der im Schloss ein­ge­setzt wird, stand in der Kri­tik. Die­se Que­re­len konn­ten bis­lang we­der Per­so­nal­wech­sel noch Ge­richts­ter­mi­ne völ­lig ab­stel­len. Nun aber soll in Bay­erns Vor­zei­ge-Im­mo­bi­lie end­lich Ru­he ein­keh­ren. Am 15. No­vem­ber tritt mit Jo­hann Hen­sel aber­mals ein neu­er Schloss­ver­wal­ter sei­nen Di­enst an. Er soll Wo­gen glät­ten und Grä­ben schlie­ßen – kurz­um: Auf Neu­schwan­stein soll ei­ne neue Ära be­gin­nen.

Jähr­lich be­su­chen et­wa 1,5 Mil­lio­nen Men­schen aus al­ler Her­ren Län­der das Flagg­schiff des baye­ri­schen Tou­ris­mus. Doch was seit 2012 im Schloss ge­schieht, steht im kras­sen Ge­gen­satz zum mär­chen­haf­ten Ruf des Schlos­ses. Vie­les wa­ber­te nur in Form von Ge­rüch­ten um die mäch­ti­gen Mau­ern. Doch man­che Vor­komm­nis­se be­schäf­tig­ten auch die Ge­rich­te. So wur­de 2014 ein frü­he­rer Schloss­ver­wal­ter des Füh­rens ei­ner schwar­zen Kas­se zu ei­ner Geld­auf­la­ge von 8000 Eu­ro ver­ur­teilt. Er hat­te sich nicht per­sön­lich be­rei­chert, je­doch – ge­mäß der lang­jäh­ri­gen Ge­pflo­gen­hei­ten im Schloss – mit Ein­nah­men aus Son­der­füh­run­gen Fei­ern der Schloss­mit­ar­bei­ter fi­nan­ziert.

Auch die per­sön­li­chen Que­re­len un­ter ei­ni­gen Mit­ar­bei­tern lan­de­ten vor dem Ka­di. Erst im Ju­li 2016 wehr­te sich ein lei­ten­der An­ge­stell­ter vor dem Ar­beits­ge­richt er­folg­reich ge­gen zwei Ab­mah­nun­gen. In dem Ver­fah­ren war im­mer wie­der von ge­ziel­tem Mob­bing und Schi­ka­nen durch Vor­ge­setz­te die Re­de. Zwei Schloss­ver­wal­ter ver­lo­ren in den ver­gan­ge­nen drei Jah­ren ih­re Pos­ten. Die zu­letzt am­tie­ren­de Che­fin wur­de En­de Ok­to­ber ab­be­ru­fen. Sie soll ei­ne neue Auf­ga­be bei der Baye­ri­schen Schlös­ser­ver­wal­tung wahr­neh­men.

Der künf­ti­ge Schloss­vor­stand Jo­hann Hen­sel ste­he für ei­ne „neue, sta­bi­le Ära auf Neu­schwan­stein“, sagt Ca­ro­lin Mayr, Spre­che­rin des baye­ri­schen Fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums. „Das ist ei­ne sehr gu­te Lö­sung im In­ter­es­se der Mit­ar­bei­ter, aber auch im Sin­ne die­ses be­son­de­ren Denk­mals.“Der 60-Jäh­ri­ge ist ein al­ter Fah­rens­mann in Di­ens­ten der Baye- ri­schen Schlös­ser­ver­wal­tung und wech­selt von de­ren Au­ßen­stel­le am Am­mer­see ins Ost­all­gäu. Mayr: „Er ist mit sei­ner lang­jäh­ri­gen Er­fah­rung in der Ver­wal­tung ge­nau der Rich­ti­ge für die­se Auf­ga­be.“

Dass Hen­sel bis­lang für Ge­wäs­ser (dar­un­ter üb­ri­gens auch Alp­see und Schwan­see zu Fü­ßen von Neu­schwan­stein) zu­stän­dig war, sei kein Ma­kel. Das be­stä­tigt auch Dr. Cor­du­la Mauß, Spre­che­rin der Schlös­we­gen ser­ver­wal­tung. „Bei die­ser Auf­ga­be geht es vor al­lem um Mit­ar­bei­ter­füh­rung und Fi­nan­zen.“Für The­men wie Denk­mal­pfle­ge, Mu­se­ums­we­sen und Re­stau­rie­rung sei vor­ran­gig die Haupt­ver­wal­tung in Mün­chen zu­stän­dig.

Die Per­so­na­lie hat Fi­nanz­mi­nis­ter Mar­kus Sö­der laut Mayr per­sön­lich mit dem Per­so­nal­rat be­spro­chen. Nun fol­ge ei­ne Per­so­nal­ver­samm­lung im Schloss. Dort wer­de man Jo­hann Hen­sel ge­spannt, aber in je­dem Fall mit of­fe­nen Ar­men be­grü­ßen, sagt ei­ner der Schloss­mit­ar­bei­ter. „Die Stim­mung bei uns ist seit ei­ni­gen Wo­chen ge­löst, wir se­hen das Gan­ze sehr po­si­tiv.“Dass der neue Ver­wal­ter mit sei­ner Auf­ga­be nicht klar­kom­me, glaubt dort nie­mand. Im­mer­hin ge­hö­re Hen­sel seit 1981 zur Schlös­ser­ver­wal­tung und ken­ne sich vor Ort aus. Auch SPD-Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter Paul Wen­gert, der mehr­fach we­gen der Vor­komm­nis­se auf Neu­schwan­stein in Mün­chen pro­tes­tiert hat­te, be­grüßt die Per­so­na­lie. „Ent­schei­dend sind nun Füh­rungs­qua­li­tä­ten und So­zi­al­kom­pe­tenz.“Bei­des schei­ne der Neue zu be­sit­zen. Ge­he die Be­set­zung je­doch er­neut schief, stel­le sich die Fra­ge, ob der Schlös­ser­ver­wal­tung der Rich­ti­ge vor­sit­ze.

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