„Wir muss­ten die­se Tier­hal­tung be­en­den“

Kri­tik Ab­schuss von Ze­bu-Rin­dern durch Ve­te­ri­när­amts-Mit­ar­bei­ter löst Em­pö­rung aus. Land­rats­amt recht­fer­tigt Vor­ge­hen

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Bayern - VON MAR­TIN PE­TER

Halb­lech

Der Fall der auf ei­ner Wei­de bei Trauch­gau (Ost­all­gäu) er­schos­se­nen Rin­der hat vie­ler­orts Em­pö­rung aus­ge­löst: In mit­un­ter emo­tio­na­len Brie­fen an un­se­re Zei­tung regt sich Un­mut vor al­lem ge­gen das Vor­ge­hen des Ve­te­ri­när­am­tes, des­sen Mit­ar­bei­ter nach ei­nem im Ju­li aus­ge­spro­che­nen Tier­hal­te­ver­bot ge­gen den Land­wirt am Frei­tag elf Ze­bus ge­tö­tet hat­te, um sie nach dem Aus­blu­ten zum Schlacht­hof zu brin­gen. In der Wo­che zu­vor hat­te die Be­hör­de be­reits sechs der afri­ka­ni­schen Bu­ckel­rin­der er­legt.

Ein Le­ser emp­fin­det das als Ge­met­zel, ein an­de­rer är­gert sich über das Ab­knal­len in „Wild-West-Ma­nier“. „Ist es das, was ihr woll­tet“, fragt ein Le­ser an Tier­schüt­zer ge­rich­tet. „Na­tür­lich nicht“, sagt Gi­se­la Eg­ner von der „Ar­che Noah Tier­hil­fe“in Seeg. Die Tier­schüt­ze­rin stellt sich aber hin­ter die Be­hör­den und sieht in dem Land­wirt den ein­zig Schul­di­gen. „Er muss sich die­sen Schuh an­zie­hen, denn er hät­te das al­les ver­hin­dern kön­nen, in­dem er sich an die Auf­la­gen ge­hal­ten hät­te“, sagt sie über den Tier­hal­ter, den sie nicht als Land­wirt be­zeich­nen möch­te. Der Mann ha­be sei­ne Tie­re – ne­ben den über 20 Ze­bus auch et­wa 100 Zie­gen – schlecht be­han­delt. Die Lis­te der Ver­stö­ße sei lang: Sie reicht von min­der­wer­ti­gem Fut­ter über un­ter­ernähr­te Tie­re bis hin zu feh­len­den tier­ärzt­li­chen Un­ter­su­chun­gen. Auch ha­be der Mann die Zie­gen nicht wie ge­for­dert nach Ge­schlecht ge­trennt, so­dass sie sich un­kon­trol­liert ver­mehr­ten. „Das Amt war be­müht, im­mer da und hat Auf­la­gen er­teilt: Letzt­lich ist je­doch al­les beim Al­ten ge­blie­ben“, sagt Eg­ner. Die Tier­schüt­ze­rin sieht auch im Ab­schuss auf der Wei­de kei­ne Al­ter­na­ti­ve. „Ze­bus sind sehr scheue Tie­re, sie fol­gen nur ei­nem Men­schen.“Und der ha­be im kon­kre­ten Fall sei­ne Tie­re ein­fach nicht ab­ge­ben wol­len. „Er hät­te sei­ne Rin­der mit dem Ve­te­ri­när­amt ja ge­mein­sam ver­la­den kön­nen, doch er hat sich ge­wei­gert“, kri­ti­siert sie. Ge­gen­über un­se­rer Zei­tung hat­te der Land­wirt ar­gu­men­tiert, ein neu­er Hal­ter wür­de die Tie­re nur schlach­ten. Dem wi­der­spricht Ralf Kin­kel vom Land­rats­amt Ost­all­gäu: „Es hät­te Käu­fer ge­ge­ben“, sagt der Ober­re­gie­rungs­rat, der für das Ve­te­ri­när­amt zu­stän­dig ist. Wie bei den Zie­gen hat­te das Amt ei­nen Stall an­ge­mie­tet, von wo aus die Ze­bus wei­ter­ver­kauft hät­ten wer­den sol­len – das üb­li­che Pro­ze­de­re in sol­chen Fäl­len. Dass es an­ders kam, be­dau­ert Kin­kel, be­zeich­net das Vor­ge­hen sei­ner Be­hör­de aber als al­ter­na­tiv­los.

Auch den Vor­wurf, das Amt ha­be nicht al­les ver­sucht, die Tie­re ab­zu­trans­por­tie­ren, weist Kin­kel zu­rück. „Wir ha­ben er­fah­re­nes Per­so­nal, das so et­was schon häu­fig ge­macht hat. Aber in die­sem Fall war es ein­fach nicht mög­lich.“Die Mit­ar­bei­ter des Ve­te­ri­när­am­tes hat­ten sei­nen An­ga­ben zu­fol­ge meh­re­re Ver­su­che un­ter­nom­men. Sie sei­en vor­sich­tig auf die Tie­re zu­ge­gan­gen, hät­ten ver­sucht, sie mit Fang­git­tern ein­zu­trei­ben und zu ver­la­den. „Die Tie­re sind dar­auf­hin ge­flüch­tet, ha­ben Zäu­ne nie­der­ge­tre­ten und sind ein gan­zes Stück durch­ge­gan­gen“, sagt Kin­kel. Auch der Ver­such, die Rin­der in ih­ren ei­ge­nen Stall an­statt auf ei­nen An­hän­ger zu trei­ben, schei­ter­te. „Am En­de wur­de das Gan­ze zu ge­fähr­lich.“So blieb, nach Rück­spra­che mit Ex­per­ten, die ein Be­täu­ben aus­schlos­sen, nur das Er­schie­ßen. „Wir muss­ten so ent­schei­den, um die Tier­hal­tung des Land­wirts zu be­en­den und ei­nen Schluss­strich zu zie­hen“, sagt Kin­kel.

Ganz sinn­los sei die Ak­ti­on nicht ge­we­sen, zu­mal die Ze­bu-Rin­der ver­wer­tet wür­den. Auch sei ein Er­schie­ßen auf der Wei­de nicht un­üb­lich, so­fern es ums Schlach­ten ge­he. Das be­stä­tigt auch ein Metz­ger, der sei­nen Na­men in die­sem Zu­sam­men­hang nicht in der Zei­tung le­sen will. „Bei Tie­ren, die das gan­ze Jahr über drau­ßen ge­hal­ten wer­den und – vom Hal­ter ab­ge­se­hen – kei­ne Men­schen ge­wohnt sind, ist es ver­nünf­tig, sie auf ih­rer Wei­de zu er­schie­ßen und nach dem Aus­blu­ten zum Schlach­ten zu trans­por­tie­ren.“An­ders sei es bei Tie­ren, die Men­schen ge­wohnt sind. Sie emp­fin­den beim Ver­la­den und Trans­port kei­nen Stress.

Fo­to: Weizenegger

Sol­che Ze­bu-Rin­der wur­den er­schos­sen.

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