Ge­richt: An­lie­ger müs­sen zah­len

Ur­teil Städ­te und Ge­mein­den ha­ben auch dann die Pflicht, Stra­ßen­aus­bau-Bei­trä­ge zu er­he­ben, wenn es ih­nen fi­nan­zi­ell gut geht. Streit gibt es nur noch um die Aus­nah­me­re­ge­lung für Mün­chen

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Bayern - VON ULI BACH­MEI­ER »Kom­men­tar

Mün­chen Im Dau­er­streit über die Er­he­bung von Stra­ßen­aus­bau­bei­trä­gen in Städ­ten und Ge­mein­den zeich­net sich ein En­de ab. Der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof ur­teil­te ges­tern, dass die ober­baye­ri­sche Ge­mein­de Ho­hen­brunn trotz gu­ter Fi­nanz­la­ge Bei­trä­ge für die Sa­nie­rung ei­ner Sied­lungs­stra­ße von den an­lie­gen­den Haus- und Grund­stücks­ei­gen­tü­mern er­he­ben muss. Fol­gen wird die­ses Ur­teil vor al­lem für je­ne Kom­mu­nen ha­ben, die bis­her dar­auf ver­zich­ten, von An­lie­gern Bei­trä­ge für die Sa­nie­rung von Orts­stra­ßen zu er­he­ben. In­nen­mi­nis­ter Joa­chim Herr­mann (CSU) kün­dig­te im Ge­spräch mit un­se­rer Zei­tung an, dass sich die staat­li­che Rechts­auf­sicht an die­sem Ur­teil ori­en­tie­ren wer­de. „Der Re­gel­fall muss über­all sein, dass Stra­ßen­aus­bau­bei­trä­ge er­ho­ben wer­den“, sag­te der Mi­nis­ter.

Bis­her herrscht in Bay­ern, wie mehr­fach be­rich­tet, ei­ni­ges Durch­ein­an­der im Ge­set­zes­voll­zug. Das führ­te vie­ler­orts zu hef­ti­gen Be­schwer­den über ei­ne Un­gleich­be­hand­lung der Bür­ger – zum Bei­spiel in ei­ner Ge­mein­de Bei­trä­ge er­ho­ben wer­den, in der Nach­bar­ge­mein­de aber nicht. Gut ein Vier­tel der baye­ri­schen Kom­mu­nen ver­zich­tet bis­her ge­ne­rell dar­auf, die An­lie­ger zur Kas­se zu bit­ten, wenn ei­ne Stra­ße sa­niert wer­den muss. In die­sen Kom­mu­nen gibt es noch nicht ein­mal ei­ne ent­spre­chen­de Sat­zung. An­de­re Kom­mu­nen ha­ben zwar ei­ne Sat­zung, scheu­en sich aber, Bei­trä­ge zu er­he­ben. Als schließ­lich die Stadt Mün­chen ih­re Sat­zung mit Zu­stim­mung der Re­gie­rung von Ober­bay­ern wie­der auf­ge­ho­ben hat­te, wur­den die Stra­ßen­aus­bau­bei­trä­ge end­gül­tig zum Po­li­ti­kum. Der Streit spitz­te sich zu auf die Fra­ge, ob es ge­recht sei, dass der Ei­gen­tü­mer ei­nes Miets­hau­ses in Mün­chen ver­schont wer­den dür­fe, ei­ne Rent­ne­rin mit ei­nem Häu­schen auf dem Land aber tau­sen­de von Eu­ro be­zah­len müs­se.

Nach lan­gen De­bat­ten ver­stän­dig­ten sich CSU, SPD, Freie Wäh­ler und Grü­ne im Land­tag dar­auf, den Kom­mu­nen mehr Mög­lich­kei­ten zu ge­ben, den Voll­zug so­zi­al ver­träg­li­cher zu ge­stal­ten – et­wa durch die Ein­füh­rung wie­der­keh­ren­der Bei­trä­ge. Am Grund­satz, dass im Prin- zip je­de Kom­mu­ne Stra­ßen­aus­bau­bei­trä­ge er­he­ben soll, aber hiel­ten sie fest, weil an­dern­falls die Sa­nie­rung vie­ler Wohn­stra­ßen, die vor 30, 40 oder 50 Jah­ren ge­baut wur­den, nicht fi­nan­zier­bar sei. Und al­le Frak­tio­nen be­ton­ten, dass „Sol­len“recht­lich fast gleich­be­deu­tend sei mit „Müs­sen“. Der Ver­zicht auf Bei­trä­ge soll­te die ab­so­lu­te Aus­nah­me blei­ben – et­wa in Mün­chen, wo de Ho­hen­brunn auf Bei­trä­ge ver­zich­ten, wür­den die Kos­ten auf die All­ge­mein­heit ab­ge­wälzt.

Im Land­tag wur­de das Ur­teil ges­tern be­grüßt. Franz Schind­ler (SPD) nann­te es ei­ne „hilf­rei­che Klar­stel­lung“. Joa­chim Ha­nisch (Freie Wäh­ler) sag­te: „Das ist ge­nau das, was wir im­mer ge­wollt ha­ben.“Jür­gen Mis­tol (Grü­ne) ver­wies dar­auf, dass nun die Gleich­be­hand­lung mög­lich wer­de, die sich der Ge­setz­ge­ber ge­wünscht ha­be. Auch der Städ­te­tag zeig­te sich er­freut über das Ur­teil. „Die Stra­ßen­aus­bau­bei­trä­ge sind ein un­ver­zicht­ba­res Fi­nan­zie­rungs­mit­tel“, er­klär­te Ge­schäfts­füh­rer Bernd Bu­cken­ho­fer.

In­nen­mi­nis­ter Herr­mann will nun über die Be­zirks­re­gie­run­gen dar­auf hin­wir­ken, dass al­le Ge­mein­den Stra­ßen­aus­bau­bei­trä­ge er­las­sen, um ei­nen mög­lichst ein­heit­li­chen Voll­zug zu er­rei­chen. Er set­ze aber da­bei zu­nächst auf die „kom­mu­na­le Ei­gen­ver­ant­wor­tung“. Noch nicht zu­frie­den ist Ge­mein­de­tags­prä­si­dent Uwe Brandl. Er stört sich wei­ter­hin an der Aus­nah­me­re­ge­lung für Mün­chen: „Die Klei­nen gei­ßelt man, über den Gro­ßen lacht der weiß-blaue Him­mel.“

Fo­to: Alex­an­der Ka­ya

Wenn Stra­ßen er­neu­ert wer­den müs­sen, dann wer­den vie­ler­orts – aber bis­lang nicht über­all – die An­lie­ger mit zur Kas­se ge­be­ten.

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