„Kein Er­folg oh­ne kla­re Zie­le“

Por­trät Tho­mas Lurz ist zwölf­fa­cher Welt­meis­ter im Frei­was­ser­schwim­men. In­zwi­schen ar­bei­tet er in der frei­en Wirt­schaft und gibt Tipps für be­ruf­li­che Spit­zen­leis­tun­gen. Auch Haie hät­ten ihn nicht von der Ziel­ge­ra­den ab­ge­bracht

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Wirtschaft - VON ANDREAS SCHNURRENBERGER

Augs­burg

„Ich bin kein Su­per­ta­lent“, be­haup­tet der ehe­ma­li­ge Pro­fi­sport­ler Tho­mas Lurz von sich selbst. Ei­gent­lich ha­be der zwölf­fa­che deut­sche Welt­meis­ter im Frei­schwim­men nie die kör­per­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne er­folg­rei­che Kar­rie­re im Schwimm­sport ge­habt. „Ich war zu klein und zu schwach“, sagt der 36-Jäh­ri­ge, der 2015 sei­ne ak­ti­ve Lauf­bahn be­en­de­te. Trotz­dem hat sich Lurz – ge­mes­sen an sei­nen Er­fol­gen bei Olym­pi­schen Spie­len so­wie Welt- und Eu­ro­pa­meis­ter­schaf­ten – zum bes­ten deut­schen Schwim­mer und in­ter­na­tio­nal er­folg­reichs­ten Ath­le­ten sei­ner Dis­zi­plin ge­mau­sert. Er ge­wann mehr als 30 Me­dail­len, die Mehr­zahl da­von in Gold.

In­zwi­schen ist der ge­bür­ti­ge Würz­bur­ger und Trä­ger zahl­rei­cher Aus­zeich­nun­gen in der Per­so­nal­ent­wick­lung des Klei­dungs­her­stel­lers s.Oli­ver tä­tig. Dar­über hin­aus hält er Vor­trä­ge dar­über, wie er es trotz sei­ner Kör­per­grö­ße bis an die Spit­ze Schwim­mer ge­schafft hat und was man fürs Be­rufs­le­ben vom Leis­tungs­sport ler­nen kann. Im Som­mer 2012 ver­öf­fent­lich­te der ver­hei­ra­te­te Fa­mi­li­en­va­ter, der noch im­mer im Kreis Würz­burg wohnt, sein ers­tes Buch mit dem Ti­tel „Auf der Er­folgs­wel­le schwim­men“.

Nun ist Lurz in Augs­burg auf­ge­tre­ten. In sei­ner Re­de „Gren­zen spren­gen – Mo­ti­va­ti­on für Top­leis­tun­gen“ver­rät er vor mehr als 300 Zu­hö­rern sein per­sön­li­ches Er­folgs­re­zept und zieht da­bei Par­al­le­len zwi­schen Sport und Ar­beits­welt. Ge­la­den zu dem Ge­sprächs­abend hat die Ver­ei­ni­gung der Baye­ri­schen Wirt­schaft.

Wie al­so ge­lingt es, an die Spit­ze zu kom­men? „Oh­ne mei­nen Trai­ner und mein per­sön­li­ches Um­feld wä­re ich nie so er­folg­reich ge­wor­den“, sagt Lurz. Für sport­li­chen wie be­ruf­li­chen Er­folg braucht man ne­ben ei­nem gu­ten Team sei­ner Mei­nung nach aber auch fol­gen­de Ei­gen­schaf­ten: Man muss stets an sich selbst glau­ben, sei­ne Zie­le kon­se­quent ver­fol­gen, nie­mals auf­ge­ben und dis­zi­pli­niert sein. „Je­der, der Spit­zen­leis­tun­gen er­zie­len und ei­ne er­folg­rei­che Kar­rie­re rea­li­sie­ren möch­te, muss kla­re Zie­le vor Au­gen ha­ben.“

Be­quem­lich­keit, zu ge­rin­ges Selbst­ver­trau­en, Un­kennt­nis der ei­ge­nen Stär­ken und Un­klar­heit der per­sön­li­chen Zie­le sei­en da­ge­gen „ty­pi­sche Er­folgs­kil­ler“. Wer er­folg­reich sein will, müs­se „wenn“und „aber“aus sei­nem Wort­schatz strei­chen. „Man fin­det sonst im­mer ei­ne Aus­re­de.“Es gel­te da­her, den in­ne­ren Schwei­ne­hund zu über­win- den. Auch müs­se man fle­xi­bel sein und dür­fe sich nicht von äu­ße­ren Um­stän­den ab­hal­ten las­sen. Lurz er­zählt, dass er sich bei sei­nen Wett­kämp­fen in of­fe­nen Ge­wäs­sern nicht von zer­ris­se­nen Schwimm­an­zü­gen oder ei­nem Schwarm Ti­ger­haie von der Ziel­ge­ra­den ha­be ab­brin­gen las­sen. „Man muss die Din­ge so hin­neh­men, wie sie sind, denn man kann sie so­wie­so nicht än­dern.“

„Auch Nie­der­la­gen ge­hö­ren da­zu und sind wich­tig“, be­tont Lurz, „wenn man da­nach wie­der auf­steht, wei­ter­kämpft und aus sei­nen Feh­der lern lernt.“Wä­re er bei den Olym­pi­schen Som­mer­spie­len in At­hen im Jahr 2004 nicht ge­schei­tert, hät­te er spä­ter in Pe­king und Lon­don kei­ne Me­dail­len ge­won­nen, ist sich der Sport­ler si­cher. In At­hen be­leg­te er Platz 22.

Sein ein­zi­ges wah­res Ta­lent sei im­mer ge­we­sen, dass er in 20 Jah­ren – au­ßer bei Krank­heit – kein ein­zi­ges Trai­ning ha­be aus­fal­len las­sen. „Aber ich muss­te mich täg­lich aufs Neue mo­ti­vie­ren, ins Schwimm­bad zu ge­hen, wenn der We­cker um 5.30 läu­te­te.“Die schöns­ten Trai­nings­ein­hei­ten sei­en für ihn üb­ri­gens an Weih­nach­ten ge­we­sen. „Denn ich wuss­te in die­sem Mo­ment: Ir­gend­wo auf der Welt gibt es ge­ra­de Kon­kur­ren­ten, die nicht trai­nie­ren. Das gab mir men­ta­le Stär­ke.“

Bei al­lem Ehr­ge­zei gibt es aber ei­nen wei­te­ren wich­ti­gen Fak­tor für den Er­folg, wie Lurz sagt: „Man muss sich aus­rei­chend re­ge­ne­rie­ren.“Er selbst schöp­fe neue Kraft beim An­geln. Die­sem Hob­by sei er auch als ak­ti­ver Pro­fi re­gel­mä­ßig nach­ge­gan­gen – im­mer sonn­tags.

Fo­to: Micha­el Kap­peler, dpa

Tho­mas Lurz hat in sei­ner Kar­rie­re als Pro­fi­schwim­mer vie­le Ti­tel ab­ge­räumt. Jetzt gibt er Tipps, was man für ein er­folg­rei­ches Be­rufs­le­ben vom Leis­tungs­sport ler­nen kann.

Fo­to: Fred Schöll­horn

Heu­te spricht er über sei­ne Er­fah­rung als Leis­tungs­sport­ler.

Fo­to: dpa

Als Pro­fi­schwim­mer kämpf­te sich Lurz durch of­fe­nes Ge­wäs­ser.

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