Na­sen­spit­ze im Streit ab­ge­ris­sen

Ge­richt Was ei­ne Hit­ler­büs­te mit der Schlä­ge­rei auf ei­nem Ge­burts­tag zu tun hat

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Nachbarschaft - VON WOLF­GANG KAHLER

Günz­burg

Ei­ne zehn­mo­na­ti­ge Frei­heits­stra­fe auf Be­wäh­rung ist die Quit­tung für ei­nen 26-jäh­ri­gen Neu-Ul­mer, der bei der Ge­burts­tags­par­ty ei­nes Be­kann­ten völ­lig aus der Rol­le ge­fal­len war. Da­bei büß­te das Op­fer sei­ne Na­sen­spit­ze ein und lei­det noch heu­te un­ter den Fol­gen. Der Fall wur­de im Günz­bur­ger Amts­ge­richt ver­han­delt.

Zu den Vor­komm­nis­sen war es im März ge­kom­men. Zur Par­ty hat­te ein heu­te 30-Jäh­ri­ger ge­la­den, der in den Ge­burts­tag hin­ein fei­ern woll­te. Meh­re­re Gäs­te, dar­un­ter auch der An­ge­klag­te und des­sen Freun­din, sa­ßen dort, tran­ken und tanz­ten. Nach 23 Uhr nah­men die Din­ge ei­nen ver­häng­nis­vol­len Ver­lauf. „Die Stim­mung schlug um“, stell­te Fran­zis­ka Braun, Vor­sit­zen­de des Schöf­fen­ge­richts, in der Ur­teils­be­grün­dung fest. Der An­ge­klag­te är­ger­te sich, da sei­ne Freun­din mit dem Ju­bi­lar tanz­te. Es kam zum Streit zwi­schen dem 26-Jäh­ri­gen und dem Woh­nungs­ei­gen­tü­mer. Der 30-Jäh­ri­ge ver­lang­te vom re­ni­ten­ten Gast, dass er die Woh­nung ver­las­sen soll. Als der sich wei­ger­te, ver­pass­te ihm der Gast­ge­ber ei­ne Ohr­fei­ge und schon war ei­ne wüs­te Kei­le­rei im Gan­ge.

In de­ren Ver­lauf griff der 30-Jäh­ri­ge zu ei­ner un­ge­wöhn­li­chen Waf­fe: Ei­ner Büs­te von Adolf Hit­ler. Das Op­fer schlug aber nicht zu, wie die Ver­hand­lung er­gab. Meh­re­re Gäs­te grif­fen ein und trenn­ten die Kon­tra­hen­ten. Da erst zeig­ten sich die blu­ti­gen Fol­gen des Streits. Die Na­sen­spit­ze des 30-Jäh­ri­gen lag auf dem Bo­den. Zwei Gäs­te der Par­ty, dar­un­ter die Freun­din des Op­fers, kühl­ten die Na­sen­spit­ze mit Eis, der hef­tig Blu­ten­de wur­de ins Kran­ken­haus ge­bracht. Der An­ge­klag­te woll­te da­zu nichts sa­gen.

Was ge­nau pas­siert ist, ist we­gen Al­ko­hol­kon­sums un­klar

Le­dig­lich den Haus­frie­dens­bruch räum­te sein Ver­tei­di­ger Al­f­red Nüb­ling in ei­ner Er­klä­rung ein. Das Op­fer konn­te die Er­eig­nis­se wäh­rend der Par­ty auch auf­grund des Al­ko­hol­kon­sums nur ein­ge­schränkt wie­der­ge­ben. Als er mit der Freun­din des An­ge­klag­ten tanz­te, sei es zum Streit ge­kom­men. Als die­ser trotz War­nung, er wer­de die Po­li­zei ru­fen, nicht ge­hen woll­te, ha­be er ihm ei­ne Ohr­fei­ge ver­passt. Dann sei es zur Ran­ge­lei ge­kom­men. Wie die ver­lau­fen sei, wis­se er nicht mehr, weil er zeit­wei­lig das Be­wusst­sein ver­lo­ren ha­be, sag­te der Zeu­ge. Mit der Hit­ler­büs­te ha­be er nur ge­droht, „weil ich in Ra­ge war“. Die Na­sen­spit­ze wur­de an­ge­näht, aber we­gen ei­nes feh­len­den Knor­pels müs­se ei­ne wei­te­re OP fol­gen, da er schlecht Luft be­kom­me.

Ein wei­te­rer Zeu­ge, der eben­falls Gast war, sag­te, er ha­be ge­se­hen, wie der An­ge­klag­te mit der Faust ins Ge­sicht des Op­fers ge­schla­gen ha­be, das sich kaum ge­wehrt ha­be. Ein Po­li­zist be­rich­te­te über den Ein­satz, dass die Na­sen­spit­ze des Op­fers ge­fehlt ha­be. Ei­ne ge­fun­de­ne Rohr­zan­ge sei nicht als Tat­werk­zeug in­fra­ge ge­kom­men.

Beim Tä­ter konn­ten kei­ne Blut­spu­ren an den Hän­den fest­ge­stellt wer­den, weil der sich im Bad auf­ge­hal­ten hat­te, als die Po­li­zei in die Woh­nung kam. Die Büs­te wur­de si­cher­ge­stellt. Ob sie dem Op­fer wie­der aus­ge­hän­digt wird, ent­schei­det die Staats­an­walt­schaft. Der Be­sitz al­lein sei nicht straf­bar, so die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin Braun.

Mit ei­nem Faust­schlag al­lein hät­te die Na­sen­spit­ze wohl kaum ab­ge­trennt wer­den kön­nen, mein­te Ge­richts­me­di­zi­ner Dr. Horst Bock als Sach­ver­stän­di­ger. Aber mit den von Zeu­gen be­schrie­be­nen län­ge­ren und schar­fen Fin­ger­nä­geln des An­ge­klag­ten wä­re der Ab­riss mög­lich. Ein ex­ak­te­res Gut­ach­ten schei­ter­te dar­an, dass dem Ge­richts­me­di­zi­ner kei­ne Fo­tos vom Op­fer di­rekt nach der Tat vor­la­gen.

Die Staats­an­wäl­tin for­der­te we­gen des Haus­frie­dens­bruchs und der schwe­ren Kör­per­ver­let­zung ei­ne Frei­heits­stra­fe von ei­nem Jahr und acht Mo­na­ten und ei­ne Geld­auf­la­ge in Hö­he von 2000 Eu­ro. Die­ses Straf­maß war dem An­walt zu hoch. Er hielt die schwe­re Kör­per­ver­let­zung für nicht er­wie­sen, der Ab­riss der Na­sen­spit­ze sei ein tra­gi­scher Aus­gang der Aus­ein­an­der­set­zung.

Für den Haus­frie­dens­bruch und ei­ne ein­fa­che Kör­per­ver­let­zung rei­che ei­ne Geld­stra­fe von 600 Eu­ro. Die­sem Plä­doy­er folg­te das Schöf­fen­ge­richt nicht. We­gen der Schwe­re der Ver­let­zung hielt sie ei­ne Frei­heits­stra­fe von zehn Mo­na­ten mit drei­jäh­ri­ger Be­wäh­rung für an­ge­mes­sen. Zu­dem muss der An­ge­klag­te ei­ne Geld­auf­la­ge von 2000 Eu­ro zah­len.

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