Wenn aus der Va­se Ri­han­na dröhnt...

Woh­nen Der Trend geht zu hy­bri­den Mö­beln

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Immo-börse -

Nor­ma­ler­wei­se ha­ben un­se­re Mö­bel fes­te Funk­tio­nen. Das So­fa ist zum Sit­zen da, die Lam­pe leuch­tet, das Bett dient der Nacht­ru­he. Aber vie­le De­si­gner fin­den es reiz­voll, die­se kon­ven­tio­nel­len Fest­schrei­bun­gen auf­zu­bre­chen. „Mö­bel kann ich so um­deu­ten, dass sie sich in voll­kom­men neue Pro­duk­te ver­wan­deln“, sagt der Ka­na­di­er Phil­ip­pe Ma­lou­in.

Der in Lon­don le­ben­de De­si­gner hat an ei­nem Aus­stel­lungs­pro­jekt teil­ge­nom­men, wo er auf der Grund­la­ge be­ste­hen­der Mö­bel­ka­te­go­ri­en neue Pro­dukt­ide­en ent­wi­ckelt hat. Da­bei ist mit dem Han­ger Chair ein se­ri­en­rei­fes Pro­dukt für die Mar­ke Um­bra Shift aus To­ron­to ent­stan­den. Es ver­bin­det die Funk­tio­nen Klapp­stuhl und Klei­der­bü­gel mit­ein­an­der.

„Klapp­stüh­le sind meis­tens ir­gend­wo nutz­los in ei­ner Ecke ver­staut und be­an­spru­chen wert­vol­len Platz“, er­klärt Ma­lou­in. „Der Han­ger Chair hat ei­ne Funk­ti­on, auch wenn er nicht als Stuhl ge­braucht wird. Wir kön­nen da­mit un­se­re Klei­dung auf­hän­gen.“„Ge­le­gen­heits­mö­bel“nennt der De­si­gner sei­nen so ent­stan­de­nen Hy­bri­den.

Auch Bil­ge Nur Sal­tik mischt in ih­ren Loud Ob­jects ver­schie­de­ne Funk­tio­nen. Die tür­ki­sche De­si­gne- ent­wirft Woh­nac­ces­soires wie Va­sen, Ser­vier­plat­ten oder Ker­zen­stän­der – al­le aus ed­lem Mar­mor, das ei­ne hoch­wer­ti­ge An­mu­tung ver­leiht. Die Loud Ob­jekts die­nen aber nicht nur der De­ko­ra­ti­on, die Mar­mor­wer­ke wur­den zu­sätz­lich mit Blue­tooth-Laut­spre­chern aus­ge­stat­tet. So tönt aus der Blu­men­va­se per Smart­pho­ne-App ein ak­tu­el­ler Hit von Ri­han­na oder Frank Oce­an.

Das mag ku­ri­os wir­ken. Bil­ge Nur Sal­tik hat aber ei­ne kla­re Ab­sicht: „Elek­tro­nik­pro­duk­te, die wir zu Hau­se be­nut­zen, ha­ben ei­ne sehr glat­te An­mu­tung“, er­klärt sie. „Sie pas­sen oft nicht rich­tig in ein wohn­li­ches Am­bi­en­te und wir­ken wie Fremd­kör­per. Ich woll­te mich dem Be­reich Kon­su­mer­elek­tro­nik aus ei­ner neu­en Per­spek­ti­ve nä­hern und die Pro­duk­te mehr in die Welt der Woh­nac­ces­soires in­te­grie­ren.“

Die De­si­gne­rin ent­wirft al­so Elek­tro­ge­rä­te, die nicht da­nach aus­se­hen. Sie lässt die oft küh­le, nicht wirk­lich äs­the­ti­sche An­mu­tung ver­schwin­den und steckt die Tech­no­lo­gie lie­ber in ein Ob­jekt aus Na­tur­stein. Aus dem glei­chen Ma­te­ri­al ha­ben in der Re­nais­sance Künst­ler wert­vol­le Sta­tu­en mo­del­liert. So ver­schwin­det die abs­trak­te, nicht greif­ba­re Tech­nik hin­ter ei­ner sinn­li­chen Ver­pa­ckung.

Der ja­pa­ni­sche De­si­gner Oki Sa­to vom De­sign­stu­dio Nen­do hat bei sei­ner Lamp Show­er für die Mar­ke Axor des deut­schen Her­stel­lers Hans­gro­he nicht nur Funk­tio­nen mit­ein­an­der ver­mischt. Sa­tos Idee geht wei­ter: Sein Ziel war es, „zwei der we­sent­li­che Ele­men­te beim Woh­nen mit­ein­an­der zu ver­schmel­zen: das Licht und das Was­ser“.

Aus dem Brau­se­kopf, der aus­sieht wie das un­be­spann­te Ge­rüst ei­nes Lam­pen­schirms, kommt das Was­ser wie bei ei­nem Re­gen­guss und ver­ei­nigt sich mit ei­nem Licht­strahl. Auch hier ver­wan­delt der De­si­gner die Tech­nik, das elek­tri­sche Licht, und die stäh­ler­ne Sa­ni­tär­ar­ma­tur in ein sinn­li­ches Er­leb­nis. „Das Re­sul­tat ist et­was, dass mehr ist als nur ei­ne Du­sche oder Leuch­te“, fin­det Oki Sa­to. „Es ent­steht ein Hy­brid, ein ma­gi­scher Trick mit Was­ser und Licht, der je­den Tag ab­ruf­bar ist.“

Auch das Stu­dio Chen Karls­son mit Sitz in Stock­holm hat sich mit ei­ner Pen­del­leuch­te na­mens Fa­vo­ri­te Things Lamp dem Licht im Wohn­raum ge­wid­met. Der Leucht­rin kör­per ist aus trans­pa­ren­tem Plas­tik ge­fer­tigt und ver­fügt über ei­ne kreis­run­de Öff­nung. So kann man in den bau­chi­gen Leuch­ten­kör­per klei­ne Ge­gen­stän­de ge­ben. Kin­der prä­sen­tie­ren dort ih­re Lieb­lings-Di­no­sau­ri­er, Sou­ve­nirs von den Fa­mi­li­en­ur­lau­ben fin­den dort ge­nau­so ei­ne be­leuch­te­te Büh­ne wie die Samm­lung sel­te­ner Star-Wars-Fi­gu­ren. Die Lam­pe sorgt da­mit nicht nur für Licht über dem Ess­tisch. Sie ist auch Dis­play für die vie­len klei­nen Schät­ze, die man ger­ne auf­be­wahrt und ins rech­te Licht rü­cken möch­te.

Fo­tos: Na­ta­liia Pyz­ho­va , Fo­to­lia.com; Mat­thi­as En­ter, Fo­to­lia.com

Es gibt mo­der­ne Va­sen, die mit Laut­spre­chern aus­ge­stat­tet sind. Die­se ha­ben we­nig mit den klas­si­schen Mo­del­len ge­mein­sam.

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