Au­to­bah­nen bald in pri­va­ter Hand?

Hin­ter­grund Plä­ne des Fi­nanz­mi­nis­ters se­hen ei­ne Be­tei­li­gung von Fi­nanz­in­ves­to­ren vor

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Wirtschaft -

Berlin Fast 13000 Ki­lo­me­ter Au­to­bahn zie­hen sich durch Deutsch­land. Sie sind die Ver­kehrs­schlag­adern Eu­ro­pas. Wem die­se Au­to­bah­nen in Zu­kunft ge­hö­ren, dar­über ist über das Wo­che­n­en­de ein hef­ti­ger Streit ent­brannt. Grund war die Nach­richt, Fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le wol­le das Au­to­bahn­netz in Deutsch­land teil­wei­se pri­va­ti­sie­ren. Was steckt hin­ter den Plä­nen ge­nau?

Be­rich­ten zu­fol­ge will der CDUFi­nanz­mi­nis­ter ei­ne ge­plan­te Ver­kehrs­in­fra­struk­tur­ge­sell­schaft zum Bau und Be­trieb der Au­to­bah­nen bis zu 49,9 Pro­zent an pri­va­te In­ves­to­ren ver­äu­ßern. Nur ei­ne knap­pe Mehr­heit der Ge­sell­schaft will Schäu­b­le beim Bund be­las­sen.

Der­zeit gibt der Bund das Geld für Au­to­bah­nen und Bun­des­stra­ßen, wäh­rend die Län­der fürs Pla­nen und Bau­en zu­stän­dig sind. Die Län­der hat­ten sich Mit­te Ok­to­ber aber be­reit er­klärt, dass ei­ne zen­tra­le Ge­sell­schaft künf­tig Deutsch­lands Fern­stra­ßen fi­nan­zie­ren, pla­nen und bau­en soll. Da­für muss Ar­ti­kel 90 des Grund­ge­set­zes ge­än­dert wer­den. Oh­ne die SPD be­kommt Schäu­b­le die­se Grund­ge­setz­än­de­rung nicht hin.

Doch die SPD ist von den Plä­nen Schäu­bles nicht be­geis­tert: Die Spre­che­rin des Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums, Bea­te Ba­ron, sag­te, die Po­si­ti­on von SPD-Wirt­schafts­mi­nis­ter Sig­mar Ga­b­ri­el sei ganz klar: „Es wird we­der ei­ne Pri­va­ti­sie­rung von Stra­ßen noch der Bun­des­fern­stra­ßen­ge­sell­schaft ge­ben.“Der Plan des Fi­nanz­mi­nis­ters nüt­ze al­lein Ver­si­che­run­gen und Ban­ken und be­sche­re Ak­tio­nä­ren saf­ti­ge Ren­di­ten, kri­ti­sier­te in Frankfurt der Vi­ze der Ge­werk­schaft IG Bau, Diet­mar Schä­fers. We­gen der nied­ri­gen Zin­sen sucht die Fi­nanz­bran­che lang­fris­ti­ge An­la­ge­for­men mit si­che­rer Ren­di­te. Das von CSU-Mi­nis­ter Alex­an­der Do­brindt ge­führ­te Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um er­klär­te mit Blick auf die Vor­wür­fe, die In­hal­te zu der Au­to­bahn- be­zie­hungs­wei­se In­fra­struk­tur­ge­sell­schaft wür­den erst noch er­ar­bei­tet. Mit ei­nem Ent­wurf kön­ne bald ge­rech­net wer­den.

Der Neu­bau und die In­stand­hal­tung der Au­to­bah­nen ob­liegt der­zeit zwar dem Staat. Er kann aber so­ge­nann­te Öf­fent­lich-Pri­va­te Part­ner­schaf­ten (ÖPP) ein­ge­hen. Da­bei über­neh­men pri­va­te Fir­men den Bau oder Aus­bau. An­schlie­ßend be­trei­ben sie die Teil­stre­cken für üb­li­cher­wei­se 30 Jah­re. Der Staat will so Geld ein­spa­ren.

Bei­spie­le für ÖPP-Au­to­bah­nen sind die A 8 zwi­schen Augs­burg und Ulm so­wie Mün­chen und die A 1 zwi­schen Bre­men und Ham­burg. Ob staat­lich oder pri­vat: Die Aus­ga­ben für die Au­to­bah­nen wer­den un­ter an­de­rem durch die Lkw-Maut wie­der ein­ge­spielt. Im Jahr 2015 nahm der Staat der Re­gie­rung zu­fol­ge net­to 3,3 Mil­li­ar­den Eu­ro ein. Ein neu­er Ki­lo­me­ter Au­to­bahn kos­tet zwi­schen 5,8 und 20 Mil­lio­nen Eu­ro, bei Stadt­au­to­bah­nen so­gar mehr als 100 Mil­lio­nen Eu­ro.

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