Für und ge­gen die Klei­nen

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Sport - VON AN­TON SCHWANKHART as@augs­bur­ger-all­ge­mei­ne.de

Zu den vie­len dis­kri­mi­nie­ren­den Din­gen, die über Klei­ne ver­brei­tet wer­den, ge­hört auch je­ner Satz von Ber­ti Vogts, dem­zu­fol­ge es kei­ne Klei­nen mehr gibt. Da­bei war Ber­ti mit sei­nen 1,68 m und der schwe­ren Ju­gend in Klei­nen­broich ein gro­ßer Ex­per­te für Klei­ne. Zu sei­ner Ent­las­tung sei ge­sagt, dass er das Ver­schwin­den der Klei­nen nicht als Er­den­phä­no­men ver­stan­den wis­sen woll­te, son­dern als Ent­wick­lung im Welt­fuß­ball. Spä­ter ha­ben auch an­de­re Trai­ner den Ge­dan­ken auf­ge­nom­men und ver­brei­tet. Vor al­lem sol­che, die als Übungs­lei­ter ei­ner Fuß­bal­lGroß­macht gera­de mit ei­nem 0:0 aus Al­ba­ni­en heim­ge­kehrt wa­ren. Da­mit ist die Be­haup­tung, es ge­be kei­ne Klei­nen mehr, als Aus­re­de ent­larvt.

Es gibt sie noch. Oft ver­steckt und um­schlos­sen von Gro­ßen. Da­bei sind ei­ni­ge der Klei­nen so klein, dass man im Spiel die Sor­ge ha­ben muss, der Ball kön­ne als Fol­ge ei­nes Be­frei­ungs­schla­ges das Land ver­las­sen. San Ma­ri­no zum Bei­spiel. Sie­ben Qua­drat­ki­lo­me­ter. 30 000 Ein­woh­ner, Platz 201 der Fuß­bal­lWelt­rang­lis­te. An sei­nen schmals­ten Stel­len nä­hert sich ein ver­sem­mel­ter Ball schnell der Gren­ze zu Ita­li­en. Wer hier an­tritt, hat so gut wie ge­won­nen.

Das ist den Klei­nen nicht vor­zu­wer­fen. Im Ge­gen­teil: Wer klein ist, hat die Sym­pa­thi­en al­ler, die sich durchs Le­ben schla­gen müs­sen. Nur ist es manch­mal eben furcht­bar lang­wei­lig mit an­zu­se­hen, wenn ein Über­mäch­ti­ger wie der deut­sche Welt­meis­ter auf ei­nen hoff­nungs­los un­ter­le­ge­nen Geg­ner wie San Ma­ri­no trifft. 40:0 Tor­schüs­se, 8:0 Tref­fer. Da ist die Fra­ge be­rech­tigt: Braucht die Welt sol­che Spie­le? Wie wä­re es mit ei­ner VorQua­li­fi­ka­ti­on, an de­ren En­de der Größ­te der Klei­nen sich un­ter die Platz­hir­sche mi­schen darf?

Ab­ge­se­hen vom Sport­li­chen ist San Ma­ri­no na­tür­lich ei­ne Län­der­spiel­rei­se wert – und zwar we­gen sei­ner Nä­he zu Ita­li­en. Das hat auch der Deut­sche Fuß­ball-Bund (DFB) er­kannt und für Di­ens­tag ein Tref­fen mit der Squa­dra Az­zur­ra ver­ein­bart. Ganz of­fen­bar hat der Kul­tur­stab des DFB recht­zei­tig er­kannt, dass vie­le Mit­glie­der ih­rer Sü­d­eu­ro­pa-Ex­pe­di­ti­on kul­tu­rell nicht auf Ball­hö­he sind und für Rom ein Be­su­cher­pro­gramm or­ga­ni­siert.

Der Bun­des­trai­ner hat ge­sagt, es ge­be da viel zu se­hen. Al­so hat der DFB ei­ne Bus-Tour ge­char­tert. Und heu­te geht es zum Papst. Fran­zis­kus ist der Mann der Klei­nen. Zu­dem hat er Ah­nung vom Fuß­ball. Kom­me ihm al­so kei­ner mit dem Vor­schlag, die Klei­nen drau­ßen zu las­sen und we­he ei­ner be­haup­tet, es ge­be sie über­haupt nicht mehr.

Ex­per­te für die Klei­nen: Ber­ti Vogts

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