Ha­mil­ton macht Ros­berg nass

For­mel 1 Der Bri­te ge­winnt in Bra­si­li­en in ei­nem chao­ti­schen Ren­nen vor dem Deut­schen. Die Ent­schei­dung in der WM ist da­mit auf das letz­te Ren­nen in Abu Dha­bi ver­tagt. Schon ein drit­ter Platz könn­te Ros­berg dort ge­nü­gen

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Sport -

Im Re­gen-Cha­os von Bra­si­li­en hat Le­wis Ha­mil­ton er­neut die vor­zei­ti­ge WM-Par­ty von Ni­co Ros­berg ver­dor­ben und die For­mel1-Ti­te­l­ent­schei­dung auf das Sai­son­fi­na­le in vier­zehn Ta­gen in Abu Dha­bi ver­tagt.

Nach fünf Sa­fe­ty-Car-Pha­sen und zwei Renn-Un­ter­bre­chun­gen hol­te sich Welt­meis­ter Ha­mil­ton am Sonn­tag in São Paulo vor Mer­ce­des­Team­kol­le­ge Ros­berg ganz cool sei­nen neun­ten Sai­son­sieg. Der deut­sche WM-Spit­zen­rei­ter ver­pass­te da­mit wie schon zu­letzt in Me­xi­ko die Ent­schei­dung im Ti­tel-Zwei­kampf, geht aber mit zwölf Punk­ten Vor­sprung auf sei­nen bri­ti­schen Team­kol­le­gen in den Schluss­akt in zwei Wo­chen. Schon ein drit­ter Platz wür­de ihm dann zu sei­nem ers­ten WM-Tri­umph ge­nü­gen, selbst wenn Ha­mil­ton auch in Abu Dha­bi ge­winnt.

„Es war ein ein­fa­ches Ren­nen für mich, ich bin sehr glück­lich“, sag­te Ha­mil­ton nach sei­nem ers­ten Er­folg in Bra­si­li­en. „Ich hät­te lie­ber ge­won­nen, aber Le­wis hat ei­nen Su­per­job ge­macht, des­halb kann ich mit dem zwei­ten Platz le­ben“, mein­te Ros­berg.

Für den ge­bür­ti­gen Wies­ba­de­ner war das Gast­spiel auf dem Au­tódro­mo Jo­sé Car­los Pace ei­ne ech­te Zit­ter­par­tie. Wäh­rend Ha­mil­ton von der Po­le-Po­si­ti­on je­der­zeit Herr der La­ge schien und trotz al­ler Wid­rig­kei­ten sei­nen drit­ten Sieg in Se­rie fei­er­te, ret­te­te sein Stall­ri­va­le nur mit Glück Platz zwei ins Ziel. Re­dBull-Jüng­ling Max Ver­stap­pen hat­te Ros­berg zwi­schen­durch schon über­holt, doch die letz­te Sa­fe­ty­Car-Pha­se ver­half dem WM-Füh­ren­den doch noch zu 18 Punk­ten.

Der bril­lant fah­ren­de Ver­stap­pen si­cher­te sich mit tol­len Ma­nö­vern auf den Schluss­run­den noch Rang drei. Se­bas­ti­an Vet­tel be­leg­te im Fer­ra­ri Rang fünf, Force-In­dia-Pi­lot Ni­co Hül­ken­berg wur­de Sieb­ter. Pas­cal Wehr­lein kam in sei­nem Ma­nor nicht über Rang 15 hin­aus.

Nach ei­nem Un­fall von Haas-Pi­lot Ro­main Gros­jean auf dem Weg in die Start­auf­stel­lung war der Be­ginn des Ren­nens zu­nächst um zehn Mi­nu­ten ver­scho­ben wor­den, dann ent­schied sich die Renn­lei­tung we­gen des an­hal­ten­den Re­gens für ei­nen Start hin­ter dem Sa­fe­ty Car. Ros­berg war da­mit die Chan­ce ge­nom­men, auf den ers­ten Me­tern an Ha­mil­ton vor­bei­zu­zie­hen. Der Bri­te hat­te sich am Sams­tag mit knap­pem Vor­sprung die 60. Po­le-Po­si­ti­on sei­ner Kar­rie­re ge­si­chert und ging da­her di­rekt hin­ter dem Sa­fe­ty Car in die ers­ten Run­den.

Nach ei­nem wei­te­ren In­ter­mez­zo des Sa­fe­ty Cars wä­re es in der 19. Run­de fast zum Mas­sen­crash ge­kom­men. Ki­mi Räik­kö­nen dreh­te sich in sei­nem Fer­ra­ri auf der Ge­ra­den, schoss quer über die Stre­cke. Nur mit viel Glück konn­ten ihm die nach­fol­gen­den Fah­rer aus­wei­chen. „Das Ren­nen muss ab­ge­bro­chen wer­den. Wie vie­le Fah­rer sol­len hier noch ver­un­glü­cken?“, schimpf­te Räik­kö­nens Team­kol­le­ge Vet­tel via Bo­xen­funk. Die Renn­lei­tung be­fahl al­le Au­tos zu­rück in die Bo­xen­gas­se. Nach 35 Mi­nu­ten durf­ten die Pi­lo­ten wie­der auf die Pis­te, aber nur für ei­ni­ge Run­den. Wie­der park­ten die Fah­rer 27 Mi­nu­ten vor den Ga­ra­gen, ehe es er­neut hin­aus in Gischt und Re­gen ging.

Nun ent­wi­ckel­te sich ein pa­cken­des Ren­nen mit vie­len Über­hol­ma­nö­vern. Vet­tel, der ins hin­te­re Mit­tel­feld zu­rück­ge­fal­len war, kämpf­te sich wei­ter nach vorn. Da­ge­gen konn­te Ros­berg gera­de noch ei­nen Dre­her und ein mög­li­ches Aus ver­hin­dern. Doch der Kri­mi wur­de wie­der durch ein Sa­fe­ty Car un­ter­bro­chen, weil Fe­li­pe Mas­sa in sei­nem letz­ten Heim­ren­nen im Wil­li­ams in die Stre­cken­be­gren­zung ge­kracht war. Schluch­zend trot­te­te der Rou­ti­nier zu­rück zur Box. In der Bo­xen­gas­se stan­den die Mecha­ni­ker der Teams Spa­lier, um Mas­sa, dem Fast-Welt­meis­ter von 2008, noch ein­mal zu ap­plau­die­ren.

Als das Ren­nen dann ein letz­tes Mal frei­ge­ge­ben wur­de, la­gen wie­der die bei­den Mer­ce­des vorn. Ha­mil­ton fuhr si­cher sei­nen 52. Kar­rie­re­sieg ein. Ros­berg, der nach ei­nem Rei­fen­wech­sel von Ver­stap­pen wie­der Zwei­ter war, be­trieb Scha­dens­be­gren­zung. In Abu Dha­bi hat er nun al­les selbst in der Hand.

Fo­to: imago

Le­wis Ha­mil­ton (links) vor Ni­co Ros­berg – so sah es ges­tern auf dem re­gen­nas­sen Kurs von In­ter­la­gos aus.

Fo­to: Mi­guel Schin­ca­ri­ol, afp

Le­wis Ha­mil­ton und Ni­co Ros­berg bei der Sie­ger­eh­rung, die wie das Ren­nen zu ei­ner sehr feuch­ten An­ge­le­gen­heit wur­de.

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