Fit­ness­trai­ning zwi­schen den Bäu­men

Frei­zeit An ei­ner ver­steck­ten Stel­le im Wald bei In­nin­gen ist ein un­ge­wöhn­li­cher Sport-Par­cours ent­stan­den. Dort wird in ei­ner Hin­der­nis­stre­cke ge­klet­tert und ge­rannt. Macht das Spaß? Ein Selbst­ver­such

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Augsburg - VON CHRIS­TI­AN MÜHLHAUSE

Al­les be­ginnt mit ei­nem Rou­ti­ne­ter­min: Tho­mas Rhee, stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der des TSV In­nin­gen be­rich­tet über den Neu­bau der Turn­hal­le. Dann er­zählt er von sin­ken­den Mit­glie­der­zah­len und neu­en An­ge­bo­ten. Ei­nes: „Sur­vi­val Run­ning“. Lau­fen und Klet­tern in ei­nem Hin­der­nis­par­cours in der Na­tur. Das klingt span­nend, das will ich aus­pro­bie­ren.

Auf die Idee brach­te den Ver­ein der 29-jäh­ri­ge Nie­der­län­der Flo­ri­an de Vries: „Ich be­trei­be den Sport schon seit 2008. In mei­ner Hei­mat gibt es et­wa 8000 Ak­ti­ve.“Er glaubt, dass der TSV In­nin­gen der ers­te Ver­ein in Deutsch­land ist, der den Sport an­bie­tet. We­gen sei­ner Freun­din Jea­ni­na Lück, die er im Kroa­ti­en-Ur­laub ken­nen­lern­te, zog er nach Augs­burg. Ein­ein­halb Jah­re such­te er nach ei­nem Ver­ein, der ihm ein ge­eig­ne­tes Are­al zur Ver­fü­gung stellt. Bis er beim TSV auf of­fe­ne Oh­ren stieß. „Wir ha­ben ei­nen Bau­ern und den Förs­ter über­zeugt, uns ein Stück Wald zur Ver­fü­gung zu stel­len“, sagt Tho­mas Rhee. Wo ge­nau sich das Are­al be­fin­det, ver­rät de Vries nur nach vor­he­ri­gem Kon­takt. Es soll nicht un­be­fugt be­tre­ten wer­den. „Wenn je­man­dem da et­was pas­siert, dann liegt der da un­ter Um­stän­den drei Ta­ge, oh­ne dass ihn je­mand fin­det“, be­grün­det der Nie­der­län­der. Die An­la­ge hat er groß­teils sel­ber auf­ge­baut, ein paar Hel­fer gin­gen ihm zur Hand.

Als ich am Treff­punkt an­kom­me, war­ten be­reits meh­re­re Sport­ler. Dar­un­ter sind auch drei 13-jäh­ri­ge Mä­dels und ein äl­te­rer Mann. Mein ers­ter Ge­dan­ke: Scheint doch nicht so schwie­rig zu sein. Im­mer­hin ha­be ich 16 Jah­re Leicht­ath­le­tik ge­macht. Gut, das ist ein paar Jah­re her und ich wie­ge jetzt mehr, aber das geht sich schon aus. Von we­gen.

Erst mal geht es ent­spannt los. Ei­nen Ki­lo­me­ter lau­fen zum Warm­wer­den, an­schlie­ßend Deh­nungs­übun­gen. Da­nach geht es zum Par­cours. Wir sol­len uns an den auf­ge­häng­ten Sei­len fest­hal­ten und die Bei­ne ab­wech­selnd nach oben zie­hen. Das Gan­ze mög­lichst oh­ne den Bo­den zu be­rüh­ren. An der Stel­le, wo ich ste­he, scheint die Erd­an­zie­hungs­kraft be­son­ders stark zu sein, die an­de­ren mü­hen sich zwar auch, es ge­lingt ih­nen aber bes­ser.

Ich ha­be nicht gera­de die idea­le Fi­gur für den Sport, er­fah­re ich von Flo­ri­an. „Wer leicht ist, hat ei­nen Vor­teil. Es geht vor al­lem um Technik und Aus­dau­er. Vie­le Mus­keln brin­gen nichts. Bei den Wett­kämp­fen in den Nie­der­lan­den las­sen gut trai­nier­te Zehn­jäh­ri­ge gro­ße Tei­le der er­wach­se­nen Teil­neh­mer hin­ter sich.“Er selbst ge­hört zu den bes­ten Ath­le­ten und fährt mehr­fach im Jahr die 700 bis 900 Ki­lo­me­ter zu Wett­kämp­fen in der al­ten Hei­mat. Et­wa ein­ein­halb St­un­den dau­ern die Wett­be­wer­be, an de­nen Flo­ri­an de Vries teil­nimmt. Er star­tet meist bei Ren­nen mit ei­ner Län­ge zwi­schen 11 und 14 Ki­lo­me­tern. In Deutsch­land ge­be es noch kei­ne Wett­kämp­fe, über­haupt ge­be es au­ßer­halb der Nie­der­lan­de nur in Bel­gi­en noch ei­ne nen­nens­wer­te Zahl an Ak­ti­ven.

Dass mein Ge­wicht ein Nach­teil ist, mer­ke ich auch bei der nächs­ten Übung. Die Auf­ga­be: In zwei, drei Me­ter Hö­he an ei­nem ge­spann­ten Seil von der ei­nen Sei­te zur an­de­ren kom­men. Das Rauf­klet­tern geht pro­blem­los, auch das Drauf­le­gen auf das Seil klappt halb­wegs gut, aber dann soll ich um­schwin­gen, so­dass mein Kör­per un­ter­halb des Seils ist und an­schlie­ßend wei­ter­han­geln. Die Erd­an­zie­hung ist stär­ker. Es wird noch de­pri­mie­ren­der, wenn man sieht, mit wel­chem Tem­po und wel­cher Leich­tig­keit Flo­ri­an die Übun­gen vor­macht.

Auch die 13-jäh­ri­gen Mä­dels be­wäl­ti­gen die Auf­ga­be ver­gleichs­wei­se gut. Sie sind auch erst zum zwei­ten Mal da­bei. „Klappt viel bes­ser als beim letz­ten Mal“, sagt Leo­nie. Sie und ih­re Freun­din­nen hät­ten nach ei­nem Sport ge­sucht, der al­len Drei­en Spaß macht und sei­en auf das An­ge­bot des TSV ge­sto­ßen. Über ei­nen Freund hat Pe­ter Wehr­mann aus Fried­berg von dem neu­en An­ge­bot er­fah­ren. „Ich ha­be ge­spürt, dass mei­ne Kon­di­ti­on nach­lässt und die­ser Sport trai­niert den gan­zen Kör­per.“Auf die Fra­ge, wel­cher an­de­re Sport hilf­reich sei, um auch beim Sur­vi­val Run­ning gut zu sein, muss Flo­ri­an ei­ne gan­ze Wei­le über­le­gen. „Am ehes­ten noch Klet­tern. Da­für braucht man auch ei­ne gu­te Technik und Kör­per­ge­fühl.“

Auch wenn vie­les schief ging: Es hat Spaß ge­macht. Jea­ni­na Lück macht mir zum Ab­schluss zu­dem Hoff­nung. „Wir hat­ten auch schon ei­nen An­fän­ger da, bei de­nen wir skep­tisch wa­ren, ob das funk­tio­niert. Heu­te trai­niert er mit den Fort­ge­schrit­te­nen.“O

In­fos Wer sich zum Pro­be­trai­ning an­mel­den will, kann über die In­ter­net­sei­te: www.tsv-in­nin­gen.de/sur­vi­valrun­ning Kon­takt auf­neh­men. In­ter­es­sen­ten kön­nen beim Sur­vi­val Run­ning drei Pro­be­ein­hei­ten ab­sol­vie­ren, dann müs­sen sie Mit­glied beim TSV In­nin­gen wer­den.

Fo­tos: Pe­ter Fastl

Sie ha­ben „Sur­vi­val Run­ning“nach Augs­burg ge­bracht: Flo­ri­an de Vries ver­lieb­te sich in Jea­ni­na Lück und zog aus den Nie­der­lan­den nach Augs­burg. Sei­nen Sport brach­te er mit.

Re­por­ter Chris­ti­an Mühlhause im Selbst­ver­such: Am Seil von ei­ner Sei­te zur an­de­ren han­geln.

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