Al­les ist bes­ser, als nichts zu tun

Ge­sund­heit In der Ärzt­li­chen Vor­trags­rei­he will Kli­ni­kums-Arzt Dr. Mar­kus Weh­ler da­zu er­mu­ti­gen, im Not­fall schnell zu hel­fen. Denn: Je­de Se­kun­de kann kost­bar sein

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Region Augsburg - VON ANDRE­AS ALT

Stadtbergen

Ein Mann bricht im Au­to­ma­ten­raum ei­ner Bank zu­sam­men. An­de­re Leu­te, die kurz nach ihm den Raum be­tre­ten, igno­rie­ren ihn. Erst nach 20 Mi­nu­ten wird er ins Kran­ken­haus ge­bracht, wo er schließ­lich stirbt. So ge­sche­hen kürz­lich in Essen. Mit Ers­ter Hil­fe hät­te der Mann mög­li­cher­wei­se ge­ret­tet wer­den kön­nen. Vi­el­leicht ist es Gleich­gül­tig­keit, aber vie­le trau­en sich of­fen­bar auch nicht zu hel­fen. Das The­ma greift der Lei­ter der Zen­tra­len Not­auf­nah­me und Di­rek­tor der IV. Me­di­zi­ni­schen Kli­nik des Kli­ni­kums, Dr. Mar­kus Weh­ler, auf.

Nor­ma­ler­wei­se wird zu­min­dest recht­zei­tig der No­t­ruf ge­wählt – ein Han­dy hat in­zwi­schen fast je­der in der Ta­sche. Aber bis der Arzt oder Sa­ni­tä­ter ein­tref­fen, dau­ert es in Deutsch­land im Durch­schnitt sie­ben Mi­nu­ten. Vie­le schre­cken da­vor zu­rück, in die­ser Zeit an ei­nen Be­wusst­lo­sen Hand an­zu­le­gen.

Die­se we­ni­gen Mi­nu­ten ent­schei­den al­ler­dings in vie­len Fäl­len, ob der Pa­ti­ent ge­ret­tet wer­den kann und wie gut er sich von dem Not­fall – et­wa ei­nem Herz­in­farkt oder Schlag­an­fall – er­holt. Des­halb soll­ten Lai­en dann nicht ta­ten­los zu­se­hen. Weh­ler will da­für wer­ben, die im ob­li­ga­to­ri­schen Ers­te-Hil­feKurs vi­el­leicht vor Jahr­zehn­ten er­wor­be­nen Kennt­nis­se re­gel­mä­ßig auf­zu­fri­schen und nicht ta­ten­los zu­zu­se­hen.

Si­cher­lich ha­ben die meis­ten die im Ers­te-Hil­fe-Kurs er­lern­ten Hand­grif­fe und Ver­hal­tens­hin­wei­se ver­ges­sen, ins­be­son­de­re wenn man sie nie an­wen­den muss­te. Weh­ler will aber sei­ne Zu­hö­rer er­mu­ti­gen: Selbst wenn man sich an nicht viel er­in­nert, was man über Ers­te Hil­fe ge­hört hat, kann man als Hel­fer ei­gent­lich nichts falsch ma­chen – al­les ist bes­ser, als nichts zu tun.

Ins­be­son­de­re im Fall ei­nes Schlag­an­falls ist prak­tisch je­de Se­kun­de kost­bar. Ge­fahr droht durch die Un­ter­ver­sor­gung des Ge­hirns mit Sau­er­stoff. Da­mit wer­den Ge­hirn­re­gio­nen un­wi­der­ruf­lich ge­schä­digt. Selbst wenn der Pa­ti­ent über­lebt, kann er ei­ne schwe­re Be­hin­de­rung zu­rück­be­hal­ten – wo­mög­lich wird er zum Pfle­ge­fall. Das könn­te ein An­we­sen­der ver­hin­dern, der Ers­te Hil­fe leis­tet. Im Fall des Herz­in­farkts steigt die Über­le­bens­chan­ce, je eher mit der Wie­der­be­le­bung be­gon­nen und ver­sucht wird, das Herz wie­der in Gang zu brin­gen. O

Vor­trag Die Ver­an­stal­tung fin­det am Mon­tag, 14. No­vem­ber, um 19.30 Uhr im Bür­ger­saal Stadtbergen statt, Ein­tritt: 5 Eu­ro.

Archivfoto: Sil­vio Wy­szen­grad

Jut­ta Gleich (von links) und Bri­git­te Manz zei­gen, wie Wie­der­be­le­bung funk­tio­niert.

Mar­kus Weh­ler

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