Zwi­schen Ge­füh­len und Gro­tes­ke

Kon­zert Su­san­ne Raith und An­di Blai­mer be­geis­tern in Gerst­ho­fen. War­um zu dem ge­lun­ge­nen Abend nur ei­ne Schwes­ter kam

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Nördlicher Landkreis - VON THO­MAS HACK

Gerst­ho­fen Ur­sprüng­lich soll­ten sie als Ge­s­angs­trio in der Gerst­ho­fer Stadt­hal­le ihr mu­si­ka­li­sches Un­we­sen trei­ben. Doch aus den „Rait­hSchwes­tern & Da Blai­mer“wur­de auf­grund ei­nes krank­heits­be­ding­ten Aus­falls von Tan­ja Raith un­ver­hofft ein Duo, wel­ches je­doch dann ein wirk­lich re­spek­ta­bles Pro­gramm auf die Bei­ne stell­te.

„I mog’s bunt“lau­te­te das Mot­to des Abends, und dies war auch op­tisch kaum zu über­se­hen: Der ex­zen­tri­sche Sän­ger und Gi­tar­rist An­di Blai­mer prä­sen­tier­te sich dies­mal im nicht gera­de de­zen­ten Hip­pie-Look: Grell ge­ba­tik­tes T-Shirt, flot­ter Fünf­ta­ge­bart, weiß ge­tünch­te Haa­re, die mitt­ler­wei­le ge­fühl­te drei Me­ter lang sind.

Doch der Auf­takt­song war dann schließ­lich ganz und gar nicht von ver­klä­ren­der Blu­men­kin­der­ro­man­tik ge­prägt: Mit ei­nem ro­cki­gen Ska-Rhyth­mus zeig­ten die Band­mit­glie­der von An­fang an, dass erst ein­mal Schluss ist mit be­schau­li­cher Wirts­haus­mu­sik und die Rait­hSchwes­tern mit dem ak­tu­el­len Pro­gramm ganz neue We­ge be­schrei­ten wür­den.

Was Su­san­ne Raith mit ori­gi­nel­len Ge­s­angs­bei­trä­gen schließ­lich auch von der ers­ten Mi­nu­te an deut­lich mach­te, denn mit ei­ner ein­zig­ar­ti­gen Stim­me und den flin­ken Hän­den an den Gi­tar­ren­sai­ten zog sie nicht nur ih­re Fans in den Bann. Doch trotz ge­sang­li­cher Per­fek­ti­on kam frei­lich auch der Hu­mor nicht zu kurz: Über­zo­ge­ne Per­si­fla­gen auf die Flip­pers oder der­be Mun­dart­stü­cke über Bi­o­schnaps und Man­nes­lust mach­ten eben­so viel Spaß wie Blai­mers So­lo­ein­la­gen an Gi­tar­re oder Uku­le­le. In die­sen ging es wi­der Er­war­ten oft um ver­gan­ge­ne Wer­te, weh­mü­ti­ge Kind­heits­er­in­ne­run­gen und das un­auf­halt­sa­me Äl­ter­wer­den. Und wohl nie­mand schafft es so meis­ter­haft wie er, al­lein mit den Lip­pen den un­ver­kenn­ba­ren Klang ei­ner Jazz­trom­pe­te zu si­mu­lie­ren.

Über­haupt zeich­ne­te sich das En­sem­ble durch un­ge­wöhn­li­che Ver­mi­schung von Sti­len und Tex­ten aus, die man üb­li­cher­wei­se nicht in sol­chen Kom­bi­na­tio­nen zu hö­ren be­kommt. Man­che Songs ver­ein­ten Coun­try­mu­sik und ha­waii­ani­sche Klän­ge, an­de­re un­ter­mal­ten ur­baye­ri­sche Jo­del­frag­men­te mit dem wim­mern­den Mu­sik­stil der spä­ten 60er-Jah­re. Und Bei­trä­ge über den hei­mat­li­chen Flie­der wur­den prompt in das Ge­wand ei­nes ja­mai­ka­ni­schen Reg­gae-Rhyth­mus ge­packt.

Den­noch zeich­ne­te sich ins­ge­samt ei­ne gro­ße Lie­der­kunst ab, die das En­sem­ble hier zum Bes­ten gab: Die wun­der­schön ar­ran­gier­ten Rock­bal­la­den, die Su­san­ne Raith mit kraft­vol­ler Mo­du­la­ti­on in der Stim­me dar­ge­bo­ten hat­te, be­geis­ter­ten das Pu­bli­kum im­mer wie­der.

Au­to­bio­gra­fi­sche An­ek­do­ten, spa­ßi­ge In­ter­ak­tio­nen mit den Gäs­ten und pi­kant ge­würz­tes En­ter­tain­ment mach­ten die­sen mu­si­ka­li­schen Rund­um­schlag zwi­schen Ge­füh­len und Gro­tes­ke schließ­lich durch­aus per­fekt. Si­cher­lich hät­ten vie­le Be­su­cher ger­ne mit­er­lebt, wie das Kon­zert zu­sam­men mit Tan­ja Raith aus­ge­se­hen hät­te, doch dass die Band trotz de­ren plötz­li­chen Aus­falls zwei St­un­den lang oh­ne Atem­pau­se bes­tens das Pu­bli­kum un­ter­hal­ten hat­te, hat­te ge­hö­ri­gen Re­spekt ver­dient.

Fo­to: Tho­mas Hack

Aus­nahms­wei­se nur ei­ne Raith-Schwes­ter war in Gerst­ho­fen. Su­san­ne Raith und Er­satz Da Blai­mer glänz­ten aber durch per­fek­tes Zu­sam­men­spiel.

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