Der po­pu­lärs­te Po­li­ti­ker wird Bun­des­prä­si­dent

Per­so­na­lie Frank-Wal­ter St­ein­mei­er tritt die Nach­fol­ge von Joa­chim Gauck an. CDU und CSU ver­zich­ten auf ei­nen Ge­gen­kan­di­da­ten

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Erste Seite - VON MICHA­EL STIFTER UND ULI BACHMEIER

Augs­burg Der Po­ker ist be­en­det und der Sie­ger heißt Frank-Wal­ter St­ein­mei­er. Der Bun­des­au­ßen­mi­nis­ter kan­di­diert im Fe­bru­ar für das Amt des Bun­des­prä­si­den­ten. Weil die Uni­on ih­ren Wi­der­stand ge­gen den SPD-Po­li­ti­ker auf­ge­ge­ben hat, gilt sei­ne Wahl als si­cher. St­ein­mei­er ist ei­ner der be­lieb­tes­ten Po­li­ti­ker des Lan­des und gilt vie­len als Ide­al­be­set­zung für das Amt des Staats­ober­haup­tes. Dass CDU und CSU auf ei­nen Ge­gen­kan­di­da­ten ver­zich­ten, liegt aber vor al­lem dar­an, dass sie kei­nen kon­kur­renz­fä­hi­gen Be­wer­ber ge­fun­den ha­ben. Mit der Kür sei­nes Par­tei­freun­des ge­lang Sig­mar Ga­b­ri­el ein über­ra­schen­der Er­folg. Der SPD-Chef hat­te al­les auf ei­ne Kar­te ge­setzt – und die Bun­des­kanz­le­rin über­rum­pelt.

Ges­tern Früh lenk­ten An­ge­la Mer­kel und Horst See­ho­fer ein. St­ein­mei­er sei ein Mann der po­li­ti­schen Mit­te, ge­ach­tet in Wirt­schaft und Ge­sell­schaft, im In- und Aus­land, sag­te die CDU-Vor­sit­zen­de. Sie ha­be ihn als ver­läss­li­chen, auf Aus­gleich und Lö­sun­gen aus­ge­rich­te­ten Po­li­ti­ker er­lebt. An­ge­sichts welt­wei­ter Un­ru­he sei ein Bun­des­prä­si­dent St­ein­mei­er ein Si­gnal der Sta­bi­li­tät. In­tern soll Mer­kel von ei­ner „Ent­schei­dung der Ver­nunft“ge­spro­chen ha­ben. Auch CSU-Chef Horst See­ho­fer lob­te den SPD-Po­li­ti­ker – in Er­man­ge­lung ei­ner Al­ter­na­ti­ve – so gut er konn­te. Er mach­te al­ler­dings kei­nen Hehl dar­aus, dass er lie­ber ei­nen ei­ge­nen Be­wer­ber der Uni­on ge­se­hen hät­te. Als Ver­lie­rer in der Prä­si­den­ten­fra­ge sieht See­ho­fer CSU und CDU trotz­dem nicht – im Ge­gen­satz zu Wolf­gang Schäu­b­le. Der Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter be­wer­te­te die Per­so­na­lie sehr wohl als „Nie­der­la­ge“. Er galt selbst als mög­li­cher An­wär­ter auf die Nach­fol­ge von Joa­chim Gauck.

St­ein­mei­er zeig­te sich ges­tern „dank­bar für die gro­ße Un­ter­stüt­zung und Er­mu­ti­gung, die von Men­schen au­ßer­halb und in­ner­halb der Po­li­tik ge­kom­men ist – und das quer über die Par­tei­en hin­weg“. Der 60-Jäh­ri­ge füg­te hin­zu: „Aber die­ses Ver­trau­en schafft Ver­ant­wor­tung. Dar­über bin ich mir sehr be­wusst.“

Kaum war der Kan­di­dat ge­kürt, ging es schon um sei­ne Nach­fol­ge im Au­ßen­mi­nis­te­ri­um. Zu ei­ner Ka­bi­netts­um­bil­dung woll­te sich See­ho­fer ges­tern nicht äu­ßern: Das sei „ge­nau das Ge­scha­che­re, das die Men­schen nicht wol­len“. Zu­letzt hat­te er mehr­fach deut­lich ge­macht, dass der CSU-Chef künf­tig in Berlin am Ka­bi­netts­tisch sit­zen sol­le, und so­gar an­ge­bo­ten, sein Amt als Par­tei­vor­sit­zen­der da­für zur Ver­fü­gung zu stel­len. Nun al­ler­dings be­ton­te er, es sei im Mo­ment nicht die Zeit, „ir­gend­wel­che De­als zu ma­chen“.

Wenn es nach dem Do­nau­wör­ther Land­rat Ste­fan Röß­le ge­gan­gen wä­re, hät­te See­ho­fer üb­ri­gens selbst für das Amt des Bun­des­prä­si­den­ten kan­di­die­ren sol­len. Röß­le hat­te, wie Teil­neh­mer be­rich­ten, an die Ver­ant­wor­tung der CSU ap­pel­liert. See­ho­fer lehn­te das An­sin­nen al­ler­dings ab. Bei der an­schlie­ßen­den Ab­stim­mung sprach sich der Par­tei­vor­stand ge­schlos­sen für die Un­ter­stüt­zung St­ein­mei­ers aus. Nur der frü­he­re Wis­sen­schafts­mi­nis­ter Tho­mas Gop­pel ent­hielt sich. »Leit­ar­ti­kel Wal­ter Rol­ler über das Zö­gern der Bun­des­kanz­le­rin »Die Drit­te Sei­te Mar­tin Fer­ber über den künf­ti­gen Prä­si­den­ten »Po­li­tik Micha­el Stifter über Sig­mar Ga­b­ri­els Tri­umph und die Fol­gen

„Die­ses Ver­trau­en schafft Ver­ant­wor­tung. Dar­über bin ich mir sehr be­wusst.“Frank-Wal­ter St­ein­mei­er

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