Wem die­ser Markt fehlt

Ad­vent We­gen des Brand­schut­zes ist der Markt in der Schmut­ter­talhal­le ein­ge­stellt wor­den. Das är­gert die Ver­an­stal­ter

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Erste Seite - VON JUT­TA KAI­SER-WIATREK

Seit fünf Jah­ren gibt es in Die­dorf kei­nen Weih­nachts­markt mehr. Die Ge­mein­de hat jetzt ei­ne neue Idee. Doch die ehe­ma­li­gen Ver­an­stal­ter sind sau­er.

Die­dorf

Für die Elf­jäh­ri­ge aus Die­dorf ist es jetzt schon ei­ne Er­in­ne­rung aus frü­her Kind­heit, die der Ver­gan­gen­heit an­ge­hört: Für Fran­ka ge­hör­te der Be­such des Kin­der­thea­ters beim Die­dor­fer Weih­nachts­markt in der Schmut­ter­talhal­le fest in die Vor­weih­nachts­zeit. Auch an die Stän­de er­in­nert sie sich gern. „Das war der schöns­te Weih­nachts­markt über­haupt“, sagt sie.

War­um gibt es ei­gent­lich in Die­dorf kei­nen Weih­nachts­markt mehr? In der Markt­ge­mein­de, mit 10000 Ein­woh­nern im­mer­hin ei­ne recht gro­ße, blei­ben Ker­zen­schein und Man­del­duft seit ei­ni­gen Jah­ren ver­schwun­den, und die Die­dor­fer müs­sen sich wo­an­ders um­schau­en, um in den Ge­nuss ei­nes vor­weih­nacht­li­chen Bum­mels zu kom­men. Al­lein im Orts­teil An­hau­sen winkt noch je­des Jahr ein klei­ner Markt am ers­ten Ad­vents­wo­chen­en­de, der von den ört­li­chen Ver­ei­nen und dem Pfarr­ge­mein­de­rat or­ga­ni­siert wird.

Lan­ge Jah­re hat­te der Ver­ein Kreis krea­ti­ver El­tern (KkE) in der Schmut­ter­talhal­le ei­nen Weih­nachts­markt or­ga­ni­siert. Der Schwer­punkt lag da­mals auf dem Kunst­hand­werk mit aus­ge­fal­le­nen Ge­schen­ken für je­den Ge­schmack. Da­zu gab es stets ein stim­mungs­vol­les Kul­tur­pro­gramm mit Mu­sik und Kin­der­kunst­ak­tio­nen. 2012 war da­mit aber be­reits Schluss.

Zwar sei der Markt sehr schön ge­we­sen, und die Ver­an­stal­ter hät­ten das Kon­zept im­mer wei­ter aus­ge­baut. Al­ler­dings, so er­klärt Rat­haus­chef Pe­ter Högg, hät­ten sich 2011 die Auf­la­gen für die Hal­le ver­än­dert. Zu­dem war die Hal­le vie­le Jah­re lang für den Schul­sport des Schmut­ter­tal-Gym­na­si­ums ge­nutzt wor­den, als die­ses noch kei­ne ei­ge­ne Turn­hal­le hat­te. Vor al­lem der Brand­schutz sei laut Högg ein wich­ti­ges The­ma ge­we­sen, kurz: Das Kon­zept des Weih­nachts­markts und die neue Ver­samm­lungs­stät­ten­ver­ord­nung sei­en nicht mehr ver­ein­bar ge­we­sen. Zu­dem hät­te auch der Be­such des Weih­nachts­markts in der letz­ten Zeit nach­ge­las­sen.

Das will die Vor­sit­zen­de des ver­an­stal­ten­den Ver­eins, KkE, Ma­ri­aThe­re­sia Ku­gel­mann-Schmid, so nicht ste­hen las­sen. Sie ist über das Vor­ge­hen der Markt­ge­mein­de sehr er­zürnt. „Wir ha­ben in den zwei bis zu 6000 Be­su­cher an­ge­zo­gen. Hob­by­schnit­zer, Glas­schlei­fer, Ker­zen­zie­her, Korb­flech­ter und Ke­ra­mi­ker bo­ten lie­be­voll ge­stal­te­te Ge­schen­ke und Weih­nachts­schmuck. Zu­dem stell­ten wir im­mer ein kul­tu­rel­les Rah­men­pro­gramm zu­sam­men, das bes­tens an­ge­nom­men wur­de.“Vie­le Frau­en ar­bei­te­ten eh­ren­amt­lich wo­chen­lang auf den Weih­nachts­markt hin, nah­men so­gar Ur­laub. Man ha­be so­gar ver­sucht, den neu­en Auf­la­gen des Brand­schut­zes ge­recht zu wer­den. „2011 ha­ben wir je­den Zweig und Stroh­bal­len mit ei­ner nicht brenn­ba­ren Sub­stanz be­sprüht. Das war ei­ne Hei­den­ar­beit“, er­in­nert sich die Vor­sit­zen­de.

Der Er­lös des Weih­nachts­mark­tes sei an­schlie­ßend in den Um­bau der Kunst­schu­le, im­mer­hin ein kom­mu­na­les Ge­bäu­de, ge­steckt wor­den. Da­für ge­be es kei­ne öf­fent­li­chen Zu­schüs­se. „Es hat uns 2012 sehr ge­trof­fen, dass et­was, das von Eh­ren­amt­li­chen mit so ho­her Energie ge­schaf­fen wur­de, ein­fach ab­ge­stellt wur­de“, sieht Ku­gel­man­nSchmid die Ab­schaf­fung des Weih­nachts­markts an­ders.

Was wie­der­um der Bür­ger­meis­ter an­ders sieht: „Die Markt­ge­mein­de hat das Un­ter­neh­men stets wohlTa­gen wol­lend un­ter­stützt, vor al­lem mit Man­power aus dem Bau­hof. Vier, fünf Män­ner wa­ren im­mer ei­ne Wo­che mit dem Auf­bau be­schäf­tigt“, er­klärt Högg. Dies ver­ur­sach­te für die Markt­ge­mein­de er­heb­li­che Kos­ten, was von den Ge­mein­de­rä­ten eben­falls kri­tisch hin­ter­fragt wor­den war. Schließ­lich hät­te sich der Markt­ge­mein­de­rat da­zu ent­schlos­sen, die Hal­le nicht mehr zur Ver­fü­gung zu stel­len.

Für die Zu­kunft könn­ten sich die Markt­ge­mein­de­rä­te ei­nen Weih­nachts­markt im Hof des Um­welt­zen­trums vor­stel­len. „Hier wä­re es auch schö­ner und mit mehr Flair als in der Hal­le“, so der Bür­ger­meis­ter. Wie sich aber erst kürz­lich beim Rüben­fest her­aus­stell­te, ste­hen hier für grö­ße­re Ver­an­stal­tun­gen bei Wei­tem nicht ge­nug Park­plät­ze zur Ver­fü­gung. Högg über­legt, ob das Park­platz­pro­blem even­tu­ell mit­tels Ein­satz ei­nes Shut­tle­bus­ses vom Bi­bur­ger Sport­platz aus ge­löst wer­den könn­te. Der wür­de dann aber si­cher oh­ne den Ver­ein KkE statt­fin­den, macht Ku­gel­mann-Schmid ka­te­go­risch klar: „Es kann nicht sein, dass man ein Pro­jekt zer­legt und ein an­de­res auf­baut, das ist we­der nach­hal­tig noch nach­voll­zieh­bar.“(mit

»Kom­men­tar

Fo­to: Mar­cus Merk

Wie könn­te wie­der mehr weih­nacht­li­che Stim­mung in Die­dorf auf­kom­men? Dar­auf gibt es ver­schie­de­ne Ant­wor­ten. Frü­her gab es in der ver­gleichs­wei­se gro­ßen Markt­ge­mein­de ei­nen ei­ge­nen Weih­nachts­markt.

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