Olym­pia im Blick – mit 44

Por­trät Als die Eis­schnell­läu­fe­rin Clau­dia Pech­stein im Welt­cup de­bü­tier­te, wa­ren ei­ni­ge ih­rer Kon­kur­ren­tin­nen noch gar nicht ge­bo­ren. Was mo­ti­viert die Sport­le­rin?

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Meinung & Dialog - Jan-Mir­co Lin­se

44 Jah­re ist Clau­dia Pech­stein alt. Doch das hin­dert das deut­sche Eisschnelllauf-Ass nicht dar­an, die Olym­pi­schen Spie­le 2018 in Pyeong­chang ins Vi­sier zu neh­men. Pech­stein wür­de in Süd­ko­rea ih­ren 46. Ge­burts­tag fei­ern – wenn sie die Qua­li­fi­ka­ti­on schafft.

Die Ber­li­ne­rin star­te­te am Wo­che­n­en­de in ih­re 25. Welt­cup-Sai­son. Ei­ni­ge ih­rer Kon­tra­hen­tin­nen wa­ren noch gar nicht ge­bo­ren, als Pech­stein erst­mals bei ei­nem Welt­cup­ren­nen an­trat. Zum Auf­takt muss­te sie sich zwar aus der zweit­klas­si­gen B-Di­vi­si­on zu­rück in die Spit­zen­grup­pe ar­bei­ten. Schon im ja­pa­ni­schen Na­ga­no am kom­men­den Wo­che­n­en­de darf sie sich aber wie­der mit den Bes­ten mes­sen.

Mit fünf Olym­pia­sie­gen so­wie je zwei Sil­ber- und Bron­ze­me­dail­len ist sie die er­folg­reichs­te Deut­sche al­ler Zei­ten bei Win­ter­spie­len. 30-mal lief Pech­stein, die sich vor al­lem über die 3000- und die 5000-Me­terDis­tanz wohl­fühlt, bei Welt­meis­ter­schaf­ten aufs Po­dest. Doch wo­her nimmt Pech­stein den Ehr­geiz, auch in ih­rem Al­ter noch mit der Welt­spit­ze mit­zu­hal­ten? Ei­ne zwei­jäh­ri­ge Do­ping­sper­re aus dem Jahr 2009 mo­ti­viert sie bis heu­te. Pech­stein war an­hand von In­di­zi­en ver­ur­teilt wor­den: Ih­re Pro­ben wie­sen auf­fäl­li­ge Blut­wer­te auf, tat­säch­lich po­si­tiv ge­tes­tet wur­de sie aber nicht. Zahl­rei­che Spe­zia­lis­ten be­schei­nig­ten ihr, dass die Wer­te nicht auf Do­ping, son­dern ei­ne ver­erb­te Bluta­no­ma­lie zu­rück­zu­füh­ren sei­en. Pech­steins Ruf litt den­noch, sie ver­lor Spon­so­ren, konn­te bei Wett­kämp­fen nicht star­ten. Die Sport­le­rin, von Be­ruf Po­li­zis­tin, ließ Gut­ach­ten er­stel­len und kämpf­te sich vor Ge­richt durch die In­stan­zen. Doch die Sper­re, die An­walts- und Ge­richts­kos­ten so­wie die teu­ren Ex­per­ten fra­ßen Pech­steins fi­nan­zi­el­le Rück­la­gen kom­plett auf. „Mir ist al­les ge­nom­men wor­den“, sag­te sie 2015. Trotz der Gut­ach­ten schei­ter­te sie so­wohl vor al­len Sport­ge­rich­ten, die die Sper­re da­mals nicht auf­ho­ben, als auch mit ei­ner Scha­dens­er­satz­kla­ge vor zi­vi­len Ge­rich­ten. Auf­ge­ben will sie aber nicht. Sie­ben Jah­re zieht sich der Rechts­streit nun schon hin. Seit­dem will es Pech­stein erst recht al­len zei­gen. „Ich ster­be oder sie­ge. Da­zwi­schen gibt es nichts“, sag­te sie der Welt.

Mit­ten hin­ein in die Do­ping­sper­re fiel Pech­steins Tren­nung von ih­rem Ehe­mann (2010), den sie 1998 ge­hei­ra­tet hat­te. Ihr neu­er Le­bens­ge­fähr­te, der Im­mo­bi­li­en-Un­ter­neh­mer Mat­thi­as Gro­ße, ist gleich­zei­tig ihr Ma­na­ger. Er un­ter­stützt sie nach wie vor bei ih­rem per­sön­li­chen Ra­che-Feld­zug ge­gen den Eis­lauf-Welt­ver­band ISU. Pech­stein sagt, dass sie oh­ne Gro­ße wohl nicht mehr auf dem Eis ste­hen wür­de – und auch den ge­richt­li­chen Kampf nicht mehr durch­hal­ten könn­te.

Fo­to: Soe­ren St­a­che, dpa

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.