Ost­eu­ro­pa zieht es zu Pu­tin hin

In Eu­ro­pa sie­gen im­mer mehr Kreml-na­he Po­li­ti­ker bei Wah­len

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Politik -

Bu­ka­rest/Bel­grad

In Mos­kau dürf­ten die Sekt­kor­ken ge­knallt ha­ben. Bul­ga­ri­en hat sich ent­ge­gen al­len Pro­gno­sen für den frü­he­ren Luft­waf­fen­ge­ne­ral Ru­men Ra­dev als neu­en Staats­prä­si­den­ten ent­schie­den. Der will das ärms­te EU-Land wie­der en­ger mit Russ­land ver­zah­nen. Sicht­ba­res Zei­chen soll der Aus­bau der Atom­kraft mit­hil­fe des eins­ti­gen kom­mu­nis­ti­schen Bru­der­lan­des wer­den. Da­mals wa­ren die Be­zie­hun­gen zwi­schen bei­den Staa­ten so eng, dass die bul­ga­ri­sche Par­tei­zei­tung eins zu eins den In­halt des rus­si­schen KP-Blatts über­nahm. Das ärms­te EU-Land steu­ert nach dem Rück­tritt der Re­gie­rung nun auf Neu­wah­len im Früh­jahr zu.

Auch an der Spit­ze der frü­he­ren So­wjet­re­pu­blik Mol­dau wird nach der ge­won­ne­nen Wahl am Sonn­tag ein Russ­land­freund ste­hen: Der So­zia­list Igor Dodon baut in Zu­kunft wie­der auf den eins­ti­gen gro­ßen Bru­der. Er hat­te sich dem Kampf ge­gen die gras­sie­ren­de Kor­rup­ti­on in der pro­west­li­chen Füh­rung ver­schrie­ben und da­mit punk­ten kön­nen. Dass Mol­dau Mit­glied des EUPro­gramms der Ost­part­ner­schaft ist und die Vi­sums­pflicht vor zwei Jah­ren auf­ge­ho­ben wur­de, konn­te das Blatt nicht mehr wen­den.

Die bei­den Staa­ten sind kein Ein­zel­fall. Der Re­gie­rungs­chef des EUMit­glieds Un­garn, Vik­tor Or­bán, be­ruft sich bei sei­nem Kon­zept der il­li­be­ra­len De­mo­kra­tie aus­drück­lich auf den rus­si­schen Prä­si­den­ten Wla­di­mir Pu­tin. Dass des­sen Land das aus so­wje­ti­scher Fer­ti­gung stam­men­de Kern­kraft­werk Paks süd­lich von Bu­da­pest um zwei Blö­cke er­wei­tern und da­für zehn Mil­li­ar­den Eu­ro Kre­di­te lo­cker­ma­chen will, ist da nur fol­ge­rich­tig.

Beim EU-Bei­tritts­kan­di­da­ten Ma­ze­do­ni­en ist der im­mer au­to­ri­tä­re­re Lang­zeit-Re­gie­rungs­chef Ni­ko­la Gruev­ski be­ken­nen­der Pu­tinFan. Im Ge­gen­zug nahm ihn das rus­si­sche Au­ßen­mi­nis­te­ri­um ge­gen De­mons­tra­tio­nen sei­ner Kri­ti­ker in Schutz. Der Prä­si­dent der ser­bi­schen Lan­des­hälf­te in Bos­ni­en-Her­ze­go­wi­na, Mil­o­rad Do­dik, kann nur des­halb seit Jah­ren of­fen ge­gen die EU und die USA Po­li­tik ma­chen, weil er von Mos­kau ge­stützt wird. Nach­dem er zum Dank die Erd­öl­in­dus­trie an Russ­land ver­hö­kert hat­te, hofft er jetzt auf Kre­di­te, um ei­ne Staats­plei­te ab­zu­wen­den.

Der his­to­risch ver­läss­lichs­te Freund ist aber Ser­bi­en. Das zen­tra­le Land auf der west­li­chen Bal­kan­halb­in­sel, das mit Brüs­sel über ei­ne schnel­le Mit­glied­schaft ver­han­delt, hat in der letz­ten Wo­che erst mit Russ­land und Weiß­russ­land auf sei­nen Flug­hä­fen die Mi­li­tär­übung „Sla­wi­sche Bru­der­schaft“be­en­det. Mit al­len Mit­teln wehrt sich Bel­grad seit Jah­ren, wie die EU Sank­tio­nen ge­gen Mos­kau ein­zu­füh­ren.

Die An­kün­di­gung des zu­künf­ti­gen US-Prä­si­den­ten Do­nald Trump, mit sei­nem rus­si­schen Amts­koll­gen Pu­tin zu­sam­men­zu­ar­bei­ten, hat in Süd­ost­eu­ro­pa teils zu re­gel­rech­ten Trump-Hul­di­gun­gen ge­führt. Or­bán zeig­te sich als ei­ner der ers­ten eu­ro­päi­schen Gra­tu­lan­ten ge­ra­de­zu be­geis­tert über Trump als ei­ne Art Bru­der im Geis­te.

Fo­to: dpa

Ex-Ge­ne­ral Ru­men Ra­dev, 53, ge­wann die Prä­si­den­ten­wahl in Bul­ga­ri­en.

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