Kampf um die Ren­te

So­zia­les Der DGB Bay­ern legt ei­ne neue Stu­die vor und for­dert ei­nen po­li­ti­schen Kurs­wech­sel. Die Ge­werk­schafts­ver­tre­ter wol­len, dass die Ren­ten­bei­trä­ge der Ar­beit­neh­mer schnell an­stei­gen

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Wirtschaft - VON ULI BACHMEIER

Mün­chen

Für im­mer mehr Men­schen in Bay­ern reicht die ge­setz­li­che Ren­te al­lein nicht mehr zum Le­ben. Mehr als drei Vier­tel al­ler Frau­en und et­wa ein Drit­tel al­ler Män­ner, die ver­gan­ge­nes Jahr in Bay­ern in Ru­he­stand ge­gan­gen sind, er­hal­ten ei­ne ge­setz­li­che Al­ters­ren­te un­ter­halb der Ar­muts­ge­fähr­dungs­schwel­le von ak­tu­ell 1025 Eu­ro. Dies geht aus dem neu­en Ren­ten­re­port her­vor, den der DGB Bay­ern ges­tern in Mün­chen vor­ge­legt hat. Um wach­sen­der Al­ters­ar­mut ent­ge­gen­zu­wir­ken, sei es des­halb „höchs­te Zeit für ei­nen Kurs­wech­sel in der Ren­ten­po­li­tik“, sag­te Ge­werk­schafts­chef Mat­thi­as Je­na.

Die Be­haup­tung, dass Ren­ten nicht sin­ken, son­dern nur lang­sa­mer stei­gen, nann­te Je­na „ei­ne glat­te Lü­ge“. Dies zei­ge sich be­son­ders an der durch­schnitt­li­chen ge­setz­li­chen Ren­te für Män­ner. Sie be­kom­men, wenn sie 2015 in Bay­ern in Ren­te ge­gan­gen sind, im Schnitt 1049 Eu­ro pro Mo­nat und da­mit 29 Eu­ro we­ni­ger als je­ne Män­ner, die vor 2015 in Ren­te ge­gan­gen sind. Die durch­schnitt­li­che ge­setz­li­che Al­ters­ren­te bei 1078 Eu­ro pro Mo­nat. Auch auf län­ge­re Sicht lässt sich nach den Be­rech­nun­gen des DGB, die sich auf An­ga­ben der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung stüt­zen, der Rück­gang der Ren­ten be­le­gen. Zwar lag die durch­schnitt­li­che Be­stands­ren­te für Män­ner im Jahr 2000 noch bei 952 Eu­ro, al­so um 126 Eu­ro nied­ri­ger als heu­te. Rech­ne man aber den Kauf­kraft­ver­lust seit die­ser Zeit ein, dann hat der Durch­schnitts­rent­ner re­al 87 Eu­ro we­ni­ger in der Ta­sche.

Bei Frau­en er­gibt sich ein an­de­res Bild. Sie be­kom­men viel we­ni­ger Ren­te als Män­ner, aber ih­re Durch­schnitts­ren­te steigt, weil in der Ver­gan­gen­heit auch die Er­werbs­be­tei­li­gung der Frau­en ge­stie­gen ist. Frau­en, die 2015 in Ren­te ge­gan­gen sind, be­kom­men im Schnitt 616 Eu­ro pro Mo­nat und da­mit sechs Eu­ro mehr als Frau­en, die vor 2015 ih­ren Ru­he­stand an­ge­tre­ten ha­ben. Im Ver­gleich zum Jahr 2000 er­gibt sich für Frau­en ein kauf­kraft­be­rei­nig­ter Zu­wachs von 24 Eu­ro.

Der durch­schnitt­li­che Zu­wachs wür­de so­gar noch deut­li­cher aus­fal­len, wä­re da nicht der sta­tis­ti­sche Son­der­ef­fekt durch die neue „Müt- ter­ren­te“. Mehr als 15 000 Frau­en in Bay­ern, die vor­her kei­ne Ren­te be­ka­men, hat­ten in den Jah­ren 2014 und 2015 erst­mals An­spruch auf die­se Leis­tung. Das zieht die Durch­schnitts­ren­te nach un­ten, weil die­se Frau­en sehr we­nig Geld be­kom­men, sich aber gleich­zei­tig die Ge­samt­zahl der Rent­ne­rin­nen er­höht. Oh­ne die­sen Son­der­ef­fekt lä­ge die Durch­schnitts­ren­te noch et­was hö­her.

Rück­läu­fig sind bei Män­nern wie bei Frau­en laut DGB da­ge­gen auch die Ren­ten we­gen Er­werbs­min­de­rung. Neue Rent­ner be­ka­men 2015 nur mehr 751 Eu­ro, neue Rent­ne­lie­ge rin­nen nur 664 Eu­ro. Das ist im Ver­gleich zum Be­stand ein Mi­nus von 26 be­zie­hungs­wei­se 70 Eu­ro.

All die­se Zah­len, so be­ton­ten der baye­ri­sche DGB-Chef und sei­ne Stell­ver­tre­te­rin Ve­re­na Di Pas­qua­le, sei­en rei­ne Durch­schnitts­wer­te und klam­mern an­de­re Qu­el­len zum Le­bens­un­ter­halt wie ei­ge­nes Ver­mö­gen oder pri­va­te Vor­sor­ge aus. Den­noch sei die Ent­wick­lung alar­mie­rend, weil ins­be­son­de­re Men­schen, die für we­nig Lohn ge­ar­bei­tet ha­ben, meist gar kei­ne Mög­lich­keit hat­ten, fi­nan­zi­ell vor­zu­sor­gen. Gera­de für sie stel­le die ge­setz­li­che Al­ters­ren­te die wich­tigs­te und oft ein­zi­ge Ab­si­che­rung im Al­ter dar.

„Wenn nichts pas­siert, wenn der Sink­flug der Ren­te nicht ge­stoppt wird, wird Al­ters­ar­mut künf­tig zum Mas­sen­phä­no­men“, sag­te Di Pas­qua­le. Statt das Ren­ten­ni­veau, wie ge­plant, wei­ter ab­zu­sen­ken, kom­me es dar­auf an, es zu sta­bi­li­sie­ren. Ein Weg sei, die Bei­trä­ge frü­her und schnel­ler an­zu­he­ben, um für die Zu­kunft ei­ne „De­mo­gra­fie­re­ser­ve“auf­zu­bau­en. Au­ßer­dem soll­ten „ver­si­che­rungs­frem­de Leis­tun­gen“wie die Müt­ter­ren­te aus Steu­er­gel­dern fi­nan­ziert wer­den. On­line-Ab­ruf www.augs­bur­ger-all­ge­mei­ne.de

Fo­to: dpa

Rent­ner sind zu­neh­mend von Ar­mut be­droht, sagt der DGB.

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