Teu­re Asyl-Un­ter­kunft

Ge­bühr Ei­ne Flücht­lings­fa­mi­lie zahlt 642 Eu­ro für 20 Qua­drat­me­ter

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Bayern - VON BAS­TI­AN SÜNKEL

Neu­burg an der Do­nau Es traf die Fa­mi­lie wie ein Schlag aus dem Nichts. Es war je­ner Mo­ment, als der aser­bai­dscha­ni­sche Fa­mi­li­en­va­ter, Herr M., den Brief vom Staat öff­net, den er Mo­nat für Mo­nat in sein 20-Qua­drat­me­ter-Zim­mer in der Neu­bur­ger Ge­mein­schafts­un­ter­kunft ge­schickt be­kommt. Er lebt dort mit sei­ner Fa­mi­lie – sei­ner Frau und den zwei Kin­dern.

Seit sie aus ih­rem Hei­mat­land vor mehr als drei Jah­ren ge­flüch­tet sind, hat es das Le­ben in Deutsch­land ver­gleichs­wei­se gut mit ih­nen ge­meint. Sie füh­len sich si­cher, und er war glück­lich dar­über, dass er ei­ne Ar­beits­er­laub­nis be­kom­men und ei­nen an­stän­dig be­zahl­ten Job ge­fun­den hat. M. ar­bei­tet für ei­ne Si­cher­heits­fir­ma. Weil sein Ge­halt jen­seits des Frei­be­trags liegt, er­hält er den Brief, der ihn auf­for­dert, für Un­ter­kunft und Energie zu be­zah­len. Bis Sep­tem­ber er­stat­te­te Herr M. dem Frei­staat Bay­ern 387,67 Eu­ro im Mo­nat. Dann kam die Er­hö­hung: Sat­te 65,6 Pro­zent zahlt die Flücht­lings­fa­mi­lie nun zu­sätz­lich, ins­ge­samt 642 Eu­ro. Die Ge­bühr ist in der „Ver­ord­nung zur Durch­füh­rung des Asyl­ge­set­zes“fest­ge­schrie­ben. Für „al­lein­ste­hen­de oder ei­nem Haus­halt vor­ste­hen­de Per­so­nen mo­nat­lich 278 Eu­ro“. Für die Haus­halts­an­ge­hö­ri­gen je­weils 97 Eu­ro im Mo­nat. Hin­zu kommt ei­ne ge­rin­ge­re Ge­bühr für Energie. Un­term Strich sind das 642 Eu­ro.

Am Raum hat sich hin­ge­gen nichts ge­än­dert. Der bie­tet je­dem Be­woh­ner wei­ter­hin fünf Qua­drat­me­ter Platz. Das ent­spricht ei­nem Qua­drat­me­ter­preis von rund 32 Eu­ro. Zum Ver­gleich: Die Durch­schnitts­mie­te in Mün­chen liegt bei et­wa 20 Eu­ro für ver­gleich­bar über­schau­ba­ren Wohn­raum. Zu­stän­dig für die Ge­büh­ren ist seit 2015 die Re­gie­rung von Un­ter­fran­ken. Von dort aus ver­schickt die Ge­büh­ren­ab­rech­nungs­stel­le je­ne Brie­fe quer durch Bay­ern, die auch die Fa­mi­lie aus Aser­bai­dschan er­hält. Von der Pres­se­stel­le heißt es, dass man die Ge­bühr nicht mit Mie­te ver­glei­chen kön­ne, weil sie pro Kopf be­rech­net wird, und eben nicht nach Qua­drat­me­tern und Strom­kos­ten. Wür­de das Zim­mer in der Ge­mein­schafts­un­ter­kunft 150 Qua­drat­me­ter groß sein, zahlt Fa­mi­lie M. im­mer noch 642 Eu­ro. Das ist es aber nicht.

Pres­se­spre­cher Jo­han­nes Har­de­na­cke spricht von ei­ner An­pas­sung der Ge­büh­ren, die der Staat zum ers­ten Mal seit 1998 durch­ge­führt hat. „Die Be­trof­fe­nen könn­ten auf­grund des Ge­hal­tes auch ei­nen Aus­zugs­an­trag stel­len“, sagt der Pres­se­spre­cher. Doch das dürf­te für ei­ne Fa­mi­lie, die mit­ten im Asyl­ver­fah­ren steckt, schwie­rig wer­den.

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