Gott­schalk legt wie­der auf

Me­di­en Vor fast 40 Jah­ren be­gann die Kar­rie­re des En­ter­tai­ners im Ra­dio. Für sein Come­back braucht so­gar der Baye­ri­sche Rund­funk ei­nen Spon­sor

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Bayern - VON DA­NI­EL WIRSCHING

Mün­chen

Der „aus­ge­zehr­te Tat­te­rich“ist wie­der da, wo al­les be­gann. Mün­chen, Baye­ri­scher Rund­funk. Nicht aus­ge­zehrt oder tat­te­rig. Da­für er­graut, herbst­blond nennt er es, mit Drei­ta­ge­bart und arm­kett­chen­be­reift. Bes­tens auf­ge­legt bei die­sem „Pres­se­ge­spräch“von Bay­ern 1.

Erst vor­ges­tern ha­be er mit sei­ner Frau Thea in New York 40. Hoch­zeits­tag ge­fei­ert, sagt Tho­mas Gott­schalk ges­tern al­so vor Jour­na­lis­ten. Als ihn ei­ner nach dem künf­ti­gen US-Prä­si­den­ten Do­nald Trump fragt, ant­wor­tet er: „Blon­de Män­ner mit Scheiß-Fri­su­ren müs­sen nicht im­mer das En­de be­deu­ten.“

Der frü­he­re „Wet­ten, dass..?“Mo­de­ra­tor steht vor ei­nem Neu­an­fang. Seit sei­nem Rück­zug von der ZDF-Un­ter­hal­tungs-Show En­de 2011 muss sich Gott­schalk mit dem ei­nen oder an­de­ren Flop be­gnü­gen. So­wie mit schlech­ter Pres­se her­um­schla­gen. Die Kri­tik setzt ihm zu: „Ich wer­de ge­se­hen als Un­to­ter, der es nicht schafft, auf­zu­hö­ren. Das är­gert mich.“Er är­gert sich auch über so man­ches, das im deut­schen Fern­se­hen oder Ra­dio läuft.

Des­halb ist er hier. „Bei al­ler De­mut, das kannst du bes­ser“, sa­ge er zu sich. Sagt er. Gott­schalk spricht von Ra­dio­sen­dern, die sich zum Ver­wech­seln äh­nel­ten, und von Ra­dio­mo­de­ra­to­ren, die „freund­li­che Ani­ma­teu­re sei­en“. Man hat das Ge­fühl, dass er sich et­was be­wei­sen will. Um­rahmt ist er von Ver­ant­wort­li­chen des öf­fent­lich-recht­li­chen Hör­funk­sen­ders Bay­ern 1, die sich über ih­ren Coup freu­en. Sie spre­chen von ei­nem „Volltreffer“.

Bay­ern 1 soll die „neue Hei­mat der Ba­by­boo­mer-Ge­ne­ra­ti­on“wer­den. Des­halb wur­de die Volks­mu­sik in die Di­gi­tal­wel­le BR Hei­mat ver­la­gert und Fritz Eg­ner von Bay­ern 3 ge­holt. Das soll jün­ger wer­den, pop­pi­ger, wäh­rend die mit Bay­ern 3 äl­ter ge­wor­de­nen Hö­rer „um die 50“fort­an auf Bay­ern 1 ih­re Mu­sik, „Clas­sic Rock“, fin­den.

Gott­schalk, der Ra­dio-Re­vo­luz­zer der 70er und 80er Jah­re, der auf Bay­ern 3 einst „Pop nach acht“oder die „B3 Ra­dio­show“für die da­ma­li­ge Zeit fast schon auf an­ar­chi­sche Art mo­de­rier­te, fügt sich wun­der­bar in die­se Stra­te­gie. Es sei mäch­tig was los in den so­zia­len Netz­wer­ken, seit be­kannt sei, dass er im Jahr 2017 ein­mal im Mo­nat auf Bay­ern 1 ei­ne Sen­dung ha­ben wer­de, sagt ein Pro­gramm­ver­ant­wort­li­cher.

Am Sonn­tag, 8. Ja­nu­ar, wird Gott­schalk zum ers­ten Mal sei­ne Lieb­lings-Hits prä­sen­tie­ren. Vi­el­leicht Songs von Sting, Phil Col­lins, Eric Clap­ton. Si­cher „Back Ho­me“von Gol­den Ear­ring. „Wie­der zu­hau­se“. Wel­che Ti­tel er spie­len wer­de? Er weiß es nicht. Ob er Stu­dio­gäs­te ha­ben wer­de? Vi­el­leicht; wenn dann eher deutsch­spra­chi­ge.

Die Sen­dung hat noch kei­nen Na­men, da­für ein Pro­gramm: Gott­schalk. Und das im­mer am ers­ten Sonn­tag im Mo­nat von 19 Uhr bis 22 Uhr. Gott­schalk ge­gen den „Tat­ort“. Die Pro­gramm­ver­ant­wort­li­chen wis­sen eben­falls nicht ge­nau, was auf sie zu­kommt, sie wür­den Gott­schalk völ­lig freie Hand las­sen, be­teu­ern sie.

„Das wird Schlag­zei­len ge­ben“, raunt ei­ner von ih­nen ge­gen Mit­te des „Pres­se­ge­sprächs“, nach­dem Gott­schalk über Pop­star Mi­ley Cy­rus ge­sagt hat­te, de­ren Hun­de sei­en hüb­scher als sie. Cy­rus ist Gott­schalks Nach­ba­rin im ka­li­for­ni­schen Ma­li­bu, wo er seit Jahr­zehn­ten lebt.

Er wird für sei­ne Bay­ern 1-Sen­dung je­des Mal aus den USA nach Deutsch­land rei­sen. Weil die Pro­gramm­ver­ant­wort­li­chen wis­sen, dass das nach üb­ler Ver­schwen­dung von Rund­funk­ge­büh­ren klingt, ma­chen sie es selbst zum The­ma. Ein „mit­tel­stän­di­sches baye­ri­sches Un­ter­neh­men“wer­de die Sen­dung spon­sern, der Ver­trag sei al­ler­dings bis­lang nicht un­ter­schrie­ben, da­her kön­ne we­der der Na­me des Un­ter­neh­mens mit­ge­teilt wer­den noch die Sum­me, die es zahlt. Ei­ne Grö­ßen­ord­nung? Schwei­gen. Auf Nach­fra­ge er­klärt Hör­funk­di­rek­tor Mar­tin Wa­gner: „Es wer­den kei­ne Ge­büh­ren­gel­der auf­ge­wen­det.“Vor und am En­de der Sen­dung wer­de wohl der Spon­sor ge­nannt.

Gott­schalk freut sich sicht­lich auf den 8. Ja­nu­ar. Er wer­de nicht nur für den BR ar­bei­ten, kün­digt er an. Ei­ne neue TV-Sen­dung? Da schweigt er nun, der „aus­ge­zehr­te Tat­te­rich“. So nann­te er sich üb­ri­gens in sei­ner letz­ten „Pop nach acht“-Sen­dung. Vor mehr als 35 Jah­ren.

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