Wie wird sich Ber­nie ent­schei­den?

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Sport - VON FRANZ NEUHÄUSER fhn@augs­bur­ger-all­ge­mei­ne.de

Die wah­ren Ken­ner des au­to­mo­bi­len Un­ter­hal­tungs­be­trie­bes na­mens For­mel 1 wis­sen ja schon lan­ge, wie das Ge­schäft läuft.

Ber­nie Eccles­to­ne, die er­grau­te Emi­nenz der PS-Fa­mi­lie, sitzt am Ran­de der Stre­cke in ei­nem Wohn­mo­bil, das ein biss­chen grö­ßer ist als ei­ne mit­tel­al­ter­li­che Kö­nigs­burg. Da drin hat er ne­ben der Ma­xi-Bar ei­ne rie­si­ge Car­rer­aRenn­bahn auf­ge­baut. Und auf der spielt er die Ren­nen schon mal vor­ab durch. Ke­gelt den ei­nen raus, lässt den an­de­ren vor­fah­ren, bremst den drit­ten aus. Auf noch un­er­forsch­ten We­gen ge­langt sein „Dreh­buch“an die Renn­stäl­le. Und die spu­ren dann. Denn Ber­nie, der Pa­te, macht Vor­schlä­ge, die man nicht ab­leh­nen kann.

In Wirk­lich­keit läuft es in der For­mel 1 na­tür­lich ganz an­ders. Ber­nie Eccles­to­ne be­sitzt kei­ne an­ti­ke Car­re­ra-Bahn. Er plant al­les am Com­pu­ter durch.

Okay, al­les nur Spaß. Ber­nie Eccles­to­ne ist zwar seit Jahr­zehn­ten der Den­ker hin­ter der For­mel 1, als Len­ker kann er aber nicht ak­tiv wer­den.

Wo­bei man manch­mal durch­aus ver­sucht ist, ge­nau das zu glau­ben. Vor ei­ni­gen Wo­chen noch lief es gar nicht nach dem Ge­schmack des al­ten Man­nes. Ros­berg, der blas­se, bra­ve Deut­sche, weit vor­aus. Ha­mil­ton, der fe­sche, for­sche En­g­län­der, weit hin­ten. Nicht gut für das Ge­schäft, hat Ber­nie ge­klagt. Und of­fen ge­plau­dert, dass ihm und sei­ner Kas­se Ha­mil­ton als Welt­meis­ter lie­ber sei als Ros­berg.

Und jetzt könn­te Ber­nies Fa­vo­rit al­so tat­säch­lich noch das Ren­nen ma­chen. Die fi­na­len Run­den der Sai­son in zwei Wo­chen ver­spre­chen Span­nung und Spek­ta­kel. Et­was, was die For­mel 1 zu­letzt oft nur noch ho­möo­pa­thisch do­siert lie­fern konn­te.

Die Ent­schei­dung über die WM ist vor al­lem zu ei­ner Fra­ge der Ner­ven ge­wor­den. In der kom­for­ta­ble­ren Aus­gangs­po­si­ti­on dürf­te sich Le­wis Ha­mil­ton be­fin­den. Der Ver­fol­ger hat nichts mehr zu ver­lie­ren. Der WM-Ti­tel, den er ver­tei­di­gen will? War ja ei­gent­lich vor ein paar Wo­chen schon weg. Ha­mil­ton wird auch als WM-Zwei­ter ein klein we­nig Ge­win­ner sein. Im­mer­hin ist er noch mal un­ver­mu­tet nah im Rück­spie­gel sei­nes Ri­va­len auf­ge­taucht, hat ihm noch ei­nen ge­hö­ri­gen Schre­cken ein­ge­jagt.

Für Ros­berg da­ge­gen gä­be es im Fal­le des Rück­falls auf Platz zwei kein Trost­pflas­ter. Der Deut­sche hät­te dann in drei Ren­nen sei­nen „Match­ball“nicht nut­zen kön­nen. Er stün­de als der be­dröp­pel­te Ver­lie­rer da, dem kurz vor dem Ziel der Sprit aus­ge­gan­gen ist.

Es kann nur ei­nen Welt­meis­ter ge­ben. Wie­der Ha­mil­ton? Tat­säch­lich Ros­berg? Wir sind ge­spannt, wie Ber­nie ent­schei­den wird.

Fo­to: dpa

Ber­nie Eccles­to­ne

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