Zwei Sie­ger

Motorsport Wer Welt­meis­ter wird, ma­chen Ni­co Ros­berg und Le­wis Ha­mil­ton im letz­ten Ren­nen der Sai­son un­ter­ein­an­der aus. Der Deut­sche hat zwölf Punk­te Vor­sprung. Sein Geg­ner hat die Psy­cho­spiel­chen schon be­gon­nen

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Sport - VON KA­RIN STURM

São Paulo

Ber­nie Eccles­to­ne be­kam sei­nen Wunsch ei­nes ech­ten WMFi­na­les im letz­ten Ren­nen er­füllt. Max Ver­stap­pen be­geis­ter­te wie­der ein­mal Fans und Ex­per­ten und ge­wann er­neut die Wahl zum „Fah­rer des Ta­ges“. Am Ta­bel­len­en­de durf­te Sau­ber ju­beln. Die drei wich­tigs­ten Fra­gen zum Bra­si­li­en-GP: ● Er stand zwar nur als Zwei­ter auf dem Po­di­um, konn­te im Re­gen bei wei­tem nicht so glän­zen wie sein sieg­rei­cher Team­kol­le­ge Le­wis Ha­mil­ton oder Max Ver­stap­pen. Doch ein Sie­ger war Ni­co Ros­berg nach dem Bra­si­li­en-GP trotz­dem. Und so trat er auch auf: nicht wie ein im Ren­nen Ge­schla­ge­ner, son­dern wie ein an­ge­hen­der Welt­meis­ter. Denn Ros­berg weiß: Mit dem Re­gen­ren­nen und dem Cha­os in In­ter­la­gos hat er ei­ne wich­ti­ge Hür­de ge­nom­men, oh­ne all­zu viel Bo­den auf Ha­mil­ton zu ver­lie­ren.

„Am An­fang ha­be ich schon ver­sucht zu ge­win­nen, als ich merk­te, dass das kaum mög­lich ist, ha­be ich eben Platz zwei mit­ge­nom­men. Und

Wie ist die La­ge im WM-Du­ell?

am En­de so­gar den Mo­tor run­ter­ge­dreht. Das hilft mir in Abu Dha­bi.“Dort reicht ihm mit jetzt 12 Punk­ten Vor­sprung bei ei­nem Ha­mil­ton-Sieg so­gar ein drit­ter Platz. Und in der Wüs­te ist we­der Wet­ter­cha­os noch ex­tre­me Kon­kur­renz zu er­war­ten. Jac­ques Vil­le­neuve kon­sta­tier­te: „Ni­co hat al­les rich­tig ge­macht. Er fährt wie Alain Prost: Im­mer ge­nau das op­ti­mal Mög­li­che mit­neh­men, oh­ne zu gro­ßes Ri­si­ko. Im­mer­hin ist Prost so vier­mal Welt­meis­ter ge­wor­den.“

Aber auch Le­wis Ha­mil­ton scheint der­zeit mit sich im Rei­nen: „Na­tür­lich wer­de ich wei­ter kämp­fen. Aber ich kann nicht mehr tun, als im­mer mei­ne Top-Leis­tung ab­zu­ru­fen. So­lan­ge mir das ge­lingt, bin ich zu­frie­den.“Die klei­nen Spit­zen ge­gen Ros­berg kann er sich na­tür­lich trotz­dem nicht ver­knei­fen: den Hin­weis et­wa, es sei ei­ner „mei­ner ein­fachs­ten Sie­ge“ge­we­sen. Oder die Fra­ge, „wie lan­ge Ni­co ei­gent­lich noch so viel Glück hat?“Weil oh­ne die Stra­te­gie­feh­ler bei Red Bull Ver­stap­pen wohl si­cher und vi­el­leicht auch noch Ric­ci­ar­do vor Ros­berg ge­lan­det wä­ren. ● Der Hol­län­der ist fah­re­risch ein Su­per-Ta­lent und das kommt im Re­gen be­son­ders zur Gel­tung – wie sich ja schon frü­her bei Su­per­stars

War­um war Ver­stap­pen so stark?

wie Ayr­ton Sen­na und Micha­el Schu­ma­cher, dann spä­ter bei Vet­tel und auch Ha­mil­ton zeig­te. Da­zu kommt, dass der Red Bull im Nas­sen – vor al­lem auf den In­ter­me­dia­te-Rei­fen – das bes­te Au­to im Feld ist und un­glaub­li­che Trak­ti­on auf­baut. Was sich an den vie­len ver­schie­de­nen ex­tre­men Li­ni­en zeig­te, die Ver­stap­pen fah­ren konn­te.

Dass Team­kol­le­ge Ric­ci­ar­do, der nach dem letz­ten Bo­xen­stopp qua­si gleich­auf mit sei­nem Team­kol­le­gen lag, den ex­tre­men Schluss­spurt Ver­stap­pens nicht mit­ge­hen konn­te und als Ach­ter schließ­lich fünf Plät­ze hin­ter dem Youngs­ter lan­de­te, hat­te ei­nen ba­na­len Grund. Der Aus­tra­li­er hat­te das gan­ze Ren­nen über, vor al­lem aber in der Schluss­pha­se, mit ei­nem von in­nen be­schla­ge­nen Vi­sier zu kämp­fen: „Ich ha­be über­haupt nichts mehr ge­se­hen.“●

Lo­kal­ma­to­dor Fe­li­pe Nasr wur­de nach dem Ren­nen ge­fei­ert wie ein Sie­ger: Sein neun­ter Platz nach ei­ner ab­so­lu­ten Glanz­leis­tung im Re­gen be­deu­ten, dass Sau­ber in der Kon­struk­teurs­wer­tung jetzt Ma­nor wie­der über­holt und da­mit den ex­trem

Was be­deu­ten die Sau­ber-Punk­te?

wich­ti­gen zehn­ten Platz er­obert hat. Der bringt für nächs­tes Jahr knapp 15 Mil­lio­nen Eu­ro zu­sätz­lich aus Eccles­to­nes Preis­geld­topf. Dass Ma­nor in Abu Dha­bi, wo nor­ma­ler­wei­se kei­ne chao­ti­schen Be­din­gun­gen herr­schen, zu­rück­schla­gen kann, ist eher un­wahr­schein­lich.

Die Iro­nie der Ge­schich­te: Nasrs Glanz­leis­tung be­deu­tet nicht un­be­dingt, dass der Bra­si­lia­ner da­mit sei­ne Chan­cen, bei den Schwei­zern blei­ben zu kön­nen, er­höht hat. Wer Mo­ni­sha Kal­ten­born kennt, weiß, dass sie ei­ne Ent­schei­dung nor­ma­ler­wei­se nicht auf­grund ei­nes ein­zi­gen Er­eig­nis­ses re­vi­diert. Vor al­lem, weil die Tren­nung von Nasr we­ni­ger mit sei­nen Leis­tun­gen oder dem Geld, son­dern mit grö­ße­ren Pro­ble­men mit sei­nem Um­feld zu tun hat.

Num­mer eins auf der Sau­berWun­sch­lis­te ist der Deut­sche Pas­cal Wehr­lein, auch Rio Ha­ryan­to ließ in Bra­si­li­en durch­bli­cken, dass mit ihm ge­spro­chen wird. Der Be­such von Es­te­ban Gu­tier­rez in der Sau­berHo­s­pi­ta­li­ty am Sonn­tag hat­te eher mit rei­ner Höf­lich­keit von­sei­ten Sau­bers, als mit ech­tem In­ter­es­se zu tun.

»Rand­be­mer­kung

Fo­to: Ste­pha­ne Man­tey, Wit­ters

Ni­co Ros­berg (links) hat das Bes­te aus der Si­tua­ti­on beim Re­gen-Ren­nen in Bra­si­li­en ge­macht: Er wur­de Zwei­ter hin­ter sei­nem Team­kol­le­gen und Ri­va­len Le­wis Ha­mil­ton.

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