Ur­laub am Höl­len­schlund

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Reise & Urlaub - VON JÜR­GEN BÄTZ Die Da­na­kil-Sen­ke in Äthio­pi­en schenkt Aben­teu­rern un­ver­gess­li­che An­bli­cke

Die Da­na­kil-Wüs­te in Nor­dä­thio­pi­en ist ei­ner der hei­ßes­ten Or­te der Welt. Doch das Ge­biet be­lohnt aben­teu­er­lus­ti­ge Rei­sen­de mit fas­zi­nie­ren­den Land­schaf­ten, die nicht von die­ser Welt zu sein schei­nen: Ur­laub zwi­schen un­glaub­li­chen Far­ben, bro­deln­den Schwe­fel­lö­chern und ei­nem ak­ti­ven Vul­kan. Und ge­nau die­sen Vul­kan gilt es zu er­klim­men. Nach An­bruch der Dun­kel­heit be­ginnt bei „nur“35 Grad Cel­si­us und hei­ßen Wind­bö­en für die Tou­ris­ten der Auf­stieg zum Er­ta Ale. Im Schein der Ta­schen­lam­pen bahnt sich der ein­hei­mi­sche Füh­rer ei­nen Weg über das La­va­ge­stein. Nach rund vier St­un­den ist der Kra­ter­rand er­reicht: Zum ers­ten Mal schweift der Blick über die bro­deln­de La­va. „Ei­nen ak­ti­ven Vul­kan zu se­hen, ist ein­fach fas­zi­nie­rend“, sagt die Schwei­ze­rin Fa­bi­en­ne Mar­ba­cher. Der Er­ta Ale ist ei­ner der we­ni­gen Vul­ka­ne mit ei­nem per­ma­nen­ten La­va­see. Die Mü­hen des schweiß­trei­ben­den Auf­stiegs auf den gut 600 Me­ter ho­hen Gip­fel sind schnell ver­ges­sen. „Es ist un­glaub­lich: Man sitzt so na­he am Kra­ter und sieht den Erup­tio­nen zu“, sagt die 26-jäh­ri­ge Kran­ken­schwes­ter.

Aben­teu­er statt Kom­fort

Vom La­ger am Kra­ter­rand des Er­ta Ale führt ein Weg hin­ab ins Kra­ter­in­ne­re. Rund um den La­va­see ist Vor­sicht ge­bo­ten: Es gibt kei­nen mar­kier­ten Weg oder Si­cher­heits­vor­keh­run­gen. Die orts­kun­di­gen Füh­rer nut­zen Er­fah­rungs­wer­te, um nicht auf fri­sches, brü­chi­ges La­va­ge­stein zu tre­ten. An vie­len Stel­len ist die grau-schwar­ze Mas­se zum Lie­gen ge­kom­men. Durch Lü­cken ist noch glü­hen­de La­va zu se­hen. Nach Mit­ter­nacht ha­ben sich al­le erst­mal satt­ge­se­hen. Ge­schla­fen wird un­ter ei­nem be­ein­dru­cken­den Ster­nen­him­mel. Die all­rad­ge­trie­be­nen Ge­län­de­wa­gen der Tour­grup­pen klet­tern am nächs­ten Tag über das La­va­ge­stein. Ei­ne Stre­cke von zehn Ki­lo­me­tern zu­rück­zu­le­gen, dau­ert rund zwei St­un­den. Die Pas­sa­gie­re wer­den durch­ge­schüt­telt. Kom­fort geht an­ders. Und doch will man aus dem kli­ma­ti­sier­ten Fahr­zeug kaum aus­stei­gen: Drau­ßen hat es 51 Grad Cel­si­us. Ei­ne Rei­se in die Da­na­kilWüs­te ist kein Spa­zier­gang. Die An­for­de­run­gen für ei­ne sol­che Tour um­fas­sen „Te­am­geist und Be­reit­schaft zum Kom­fort­ver­zicht, gu­te Aus­dau­er und Kon­di­ti­on so­wie Hit­ze­ver­träg­lich­keit“, heißt es in der Be­schrei­bung ei­nes Rei­se­an­bie­ters.

Far­ben aus ei­ner an­de­ren Welt

Die Fahrt vom Vul­kan zur Dal­lol-Sen­ke be­an­sprucht fast ei­nen gan­zen Tag. Lan­ge geht es durch die Ein­öde, bis der As­sa­le-Salz­see am Ho­ri­zont sicht­bar wird. Das Was­ser steht knö­chel­tief auf den Salz­plat­ten. Der Him­mel strahlt blau, die Salz­krus­te leuch­tet weiß. Die Re­fle­xi­on des Son­nen­lichts ist so stark, dass man es oh­ne Son­nen­bril­le kaum aus­hält. Die in­ten­si­ven Far­ben las­sen die Sze­ne­rie er­schei­nen wie für ein Com­pu­ter­spiel ani­miert. Für die Afar, die ein­hei­mi­schen No­ma­den, ist die Land­schaft All­tag. Der Salz­see ist die wich­tigs­te Ein­kom­mens­quel­le der Re­gi­on. Seit Jahr­hun­der­ten baut das Volk hier Salz ab, das täg­lich von Ka­mel­ka­ra­wa­nen ab­trans­por­tiert wird. Die Jeeps der Tour­grup­pen brau­sen über die Salz­pfan­ne nach Os­ten. Dort war­ten die Schwe­fel­fel­der der Dal­lol-Sen­ke. Der Schwe­fel schim­mert in al­len Gelb­schat­tie­run­gen, aus Salz­tür­men bro­delt Was­ser her­vor. Ei­sen­ab­la­ge­run­gen zau­bern Rot­tö­ne. An meh­re­ren Or­ten ha­ben sich klei­ne Pools mit grün­li­chem Was­ser ge­bil­det, um­ran­det von Salz­krus­ten. Lin Wai Yee aus Hong­kong be­wegt sich hier nur vor­sich­tig, schließ­lich könn­te man ein­bre­chen. „Die Far­ben und For­men sind wun­der­schön“, sagt die 23-Jäh­ri­ge. „Man hat das Ge­fühl, auf ei­nem an­de­ren Pla­ne­ten zu sein.“

Fo­tos (2): Jür­gen Bätz

(Fast) mit­ten­drin statt nur da­bei: Die glü­hen­de La­va des Er­ta Ale ist ex­trem ge­fähr­lich – aber auch wun­der­schön an­zu­se­hen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.