„Män­ner rei­ben sich auf“

War­um Andre­as Eick­horst und Ste­fan Be­cker ei­ne Ver­an­stal­tungs­wo­che für Män­ner an­bie­ten

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Augsburg -

War­um braucht es ei­nen Män­ner­tag?

Eick­horst: In der ge­sell­schaft­li­chen Dis­kus­si­on ist das The­ma „Mann“in al­ler Mun­de, aber in der Rea­li­tät gibt es noch viel zu tun. Die prak­ti­schen Mög­lich­kei­ten hin­ken dem hin­ter­her, was der Zeit­geist an­regt. Män­ner müs­sen ganz neue und an­de­re Rol­len über­neh­men als ih­re Vä­ter und Groß­vä­ter und vie­le ha­ben ein Pro­blem da­mit, die ver­schie­de­nen Er­war­tun­gen und An­for­de­run­gen mit­ein­an­der zu ver­ein­ba­ren – als Va­ter, Part­ner, Ar­beit­neh­mer. Laut Stu­di­en wol­len fast al­le Män­ner z. B. mehr Zeit mit ih­ren Kin­dern ver­brin­gen – aber was sie dann tat­säch­lich tun, ist et­was an­de­res.

Wie kann der Män­ner­tag da hel­fen? Eick­horst: In mei­ner Be­ob­ach­tung rei­ben die Män­ner sich zwi­schen den ver­schie­de­nen An­for­de­run­gen auf: Je mehr Druck sie spü­ren, des­to mehr tun sie al­les für Fa­mi­lie und Kar­rie­re – aber nichts für sich selbst. Un­ser Pro­gramm bie­tet ei­ne Ge­le­gen­heit, sich selbst Gu­tes zu tun.

War­um gibt es in Augs­burg gleich ei­ne gan­ze Pro­gramm­wo­che?

Eick­horst: Wir wol­len für al­le Män­ner et­was an­bie­ten, auch für die­je­ni­gen, die sich we­der in den tra­di­tio­nel­len noch in den neu­en Män­ner­rol­len wie­der­fin­den. Man muss kein „mo­der­ner Mann“sein, um da­mit et­was an­fan­gen zu kön­nen. Je­der kann kom­men, schau­en, sich in­for­mie­ren oder mit­ma­chen. Augs­burg wur­de au­ßer­dem vom Men’s He­alt­hMa­ga­zin ,Dad‘ zur vä­ter­freund­lichs­ten Stadt Deutsch­lands ge­kürt und 17 Pro­gramm­punk­te von 14 Ver­an­stal­tern – vom Evan­ge­li­schen Fo­rum An­nahof bis zum Queer­bee­tVer­ein – zei­gen, wie breit Augs­burg für Vä­ter und Män­ner über­haupt auf­ge­stellt ist.

Ver­än­dert die ak­tu­el­le Zu­wan­de­rungs­wel­le aus mus­li­misch ge­präg­ten Län­dern das Män­ner­bild?

Be­cker: Wir müs­sen mit Blick auf die Ent­wick­lung der Gleich­stel­lung bei uns auf­mer­ken, wenn Män­ner sich an pa­tri­ar­cha­lisch ge­präg­ten Rol­len­kon­zep­ten ori­en­tie­ren. Aber es gibt auch zu­ge­wan­der­te Män­ner, die ein mo­der­nes Kon­zept für den Um­gang mit Frau­en ha­ben. Die Viel­falt der­art un­ter­schied­li­cher Männ­lich­keits­kon­struk­te ne­ben­ein­an­der ist manch­mal schwer aus­zu­hal­ten und mit­ein­an­der zu ge­stal­ten.

Eick­horst: Min­des­tens eben­so be­denk­lich ist aber auch die Ve­rän­de­rung des Män­ner­bil­des in un­se­rer Ge­sell­schaft durch Phä­no­me­ne wie Do­nald Trump und die­je­ni­gen, die zu ihm auf­schau­en. Er hat ge­zeigt, dass man nicht sen­si­bel, dif­fe­ren­ziert und in­tel­li­gent sein muss, um zu ge­win­nen – das ist ei­ne fa­ta­le Bot­schaft an Män­ner wie an Frau­en.

In­ter­view: Clau­dia Knieß

Dr. Andre­as Eick­horst ist Vor­sit­zen­der des Vä­ter­ver­eins Pa­pa­gen so­wie Fa­mi­li­en- und Vä­ter­for­scher am Deut­schen Ju­gend­in­sti­tut. Ste­fan Be­cker ist Ko­or­di­na­tor für Gen­der Main­strea­m­ing bei der Stadt.

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