Soll das der Su­per­mond ge­we­sen sein?

As­tro­no­mie Ex­per­ten vom Pla­ne­ta­ri­um er­klä­ren, war­um die Er­schei­nung man­che Er­war­tun­gen nicht er­fül­len konn­te

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Augsburg - VON INA KRESSE

Wer ges­tern Abend am Him­mel ei­nen Blick auf den Mond er­ha­schen konn­te, war vi­el­leicht et­was ent­täuscht. Seit Wo­chen war er schon an­ge­kün­digt, der so­ge­nann­te „Su­per­mond“. Tat­säch­lich fiel er aber klei­ner aus, als vie­le Be­ob­ach­ter ihn sich wohl vor­ge­stellt ha­ben.

Ger­hard Cer­ny, Lei­ter des Augs­bur­ger Pla­ne­ta­ri­ums, und sei­ne Kol­le­gin Jes­si­ca Treff­ler kön­nen über die Be­zeich­nung „Su­per­mond“nur schmun­zeln. Für sie ist das kein wis­sen­schaft­li­cher Be­griff. „Aber er ver­kauft sich na­tür­lich bes­ser.“Die bei­den Ex­per­ten er­klä­ren, was am Mond am Mon­tag zwar au­ßer­ge­wöhn­lich, aber op­tisch nicht un­be­dingt su­per war. „Zir­ka al­le 28 Ta­ge ist der Mond auf sei­ner el­lip­sen­för­mi­gen Lauf­bahn der Er­de am na­hes­ten.“Da­zu kom­me noch, dass sich die­se El­lip­se pe­ri­odisch ver­formt. Da­mit va­ri­ie­re der Ab­stand zwi­schen Er­de und Mond zu­sätz­lich.

Dass ein Voll­mond mit der erd­nächs­ten Po­si­ti­on zu­sam­men­fällt, sei sel­te­ner. Ges­tern nun war die­ser Zeit­punkt er­reicht. Das hört sich spek­ta­ku­lär an, war aber aus fol­gen­dem Grund für das Au­ge nicht er­kenn­bar. „Die­ser Voll­mond war nur um zwei Pro­zent grö­ßer, als der durch­schnitt­li­che Voll­mond in Erd­nä­he ist. Das fällt nicht auf.“Der Pla­ne­ta­ri­ums­lei­ter sagt, wie es ist.

Auch sei­ne Kol­le­gin Treff­ler, die am Pla­ne­ta­ri­um die künst­le­ri­schen Pro­jek­te lei­tet, re­la­ti­viert: „Mit dem Be­griff Su­per­mond wird sug­ge­riert, dass es sich um ei­ne ein­ma­li­ge Si­tua­ti­on han­delt. Aber es wird un­ter­schla­gen, dass er gar nicht so groß ist.“Ge­ne­rell ist der Voll­mond in zwei Si­tua­tio­nen am ein­drucks­volls­ten: beim Auf- und beim Un­ter­gang. „Er wirkt grö­ßer, wenn er über ei­nem Wald oder über Häu­sern auf­geht“, be­rich­tet Cer­ny. Er er­klärt den Grund. Die da­vor be­find­li­chen Ge­gen­stän­de setz­ten den Mond in Re­la­ti­on und mach­ten sei­ne Grö­ße erst so rich­tig deut­lich. Dar­um kam der Voll­mond ges­tern den Men­schen be­son­ders groß vor, die kurz nach 17 Uhr in den Him­mel schau­ten, als er auf­ging. Im Üb­ri­gen sei der Voll­mond im Som­mer auf­fal­len­der als im Win­ter. „Die Lauf­bahn des Mon­des ist im Som­mer nicht so hoch wie im Win­ter. Der Voll­mond leuch­tet da eher ins Schlaf­zim­mer, als es jetzt der Fall ist“, merkt Cer­ny an.

Für Treff­ler hat die vor­an­ge­gan­ge­ne Be­richt­er­stat­tung über den „Su­per­mond“et­was Po­si­ti­ves. „Die Men­schen schau­en be­wusst in den Him­mel.“Sie und Kol­le­ge Cer­ny sind sich si­cher, dass vie­le Men­schen ges­tern bei frei­em Blick in den Him­mel den­noch vom Voll­mond be­ein­druckt wa­ren. „Das liegt an der An­kün­di­gung des ,Su­per­mon­des‘ “, glaubt Treff­ler. Sie zieht ei­nen Ver­gleich. „Wenn man im Ho­ro­skop liest, dass man mor­gen beim Bä­cker die Lie­be sei­nes Le­bens trifft und dies glaubt, dann geht man da auch mit ei­ner an­de­ren Ein­stel­lung hin.“

Wem am Mon­tag­abend Wol­ken ei­nen Blick auf den Him­mels­kör­per ver­wehrt ha­ben, der hat im April 2020 die nächs­te Ge­le­gen­heit auf ei­nen „Su­per­mond“. „Aber auch da sieht man ge­nau­so viel oder we­nig wie sonst beim Voll­mond auch“, sagt Cer­ny.

Fo­to: Sil­vio Wy­szen­grad

Ger­hard Cer­ny und Jes­si­ca Treff­ler vom Pla­ne­ta­ri­um.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.