Not­arzt kommt künf­tig aus der Kli­nik

Ver­sor­gung Das Günz­bur­ger Kreis­kran­ken­haus stellt die Not­fall-Me­di­zi­ner – al­ler­dings nur zu be­stimm­ten Zei­ten. Und über die De­tails des Ver­trags muss auch erst noch ver­han­delt wer­den

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Nachbarschaft - VON CHRIS­TI­AN KIRSTGES

Günz­burg Der Durch­bruch ist ge­lun­gen: Bei ei­ner Ver­hand­lung in Mün­chen ha­ben sich die Kreis­kli­ni­ken, die Kas­sen­ärzt­li­che Ver­ei­ni­gung (KV) und die Kos­ten­trä­ger auf die Zu­kunft des Not­arzt­stand­orts Günz­burg ge­ei­nigt. Im We­sent­li­chen kommt das Mo­dell zum Tra­gen, das auch schon für Krum­bach ge­wählt wur­de. So wird künf­tig das Kran­ken­haus mon­tags bis frei­tags von 7 bis 19 Uhr die No­t­ärz­te stel­len. Die De­tails, bei­spiels­wei­se der Stand­ort des Ein­satz­fahr­zeugs, müss­ten aber noch ge­klärt wer­den, sagt Land­rat Hu­bert Haf­ner im Ge­spräch mit un­se­rer Zei­tung. Er ist auch Vor­sit­zen­der des Kli­nik-Ver­wal­tungs­rats so­wie des Zweck­ver­bands Ret­tungs­dienst und Feu­er­wehr­alar­mie­rung.

Die Ei­ni­gung kön­ne nicht mehr schei­tern, es kön­ne al­ler­dings ein hal­bes bis ein Drei­vier­tel­jahr dau­ern, bis sie in Kraft tritt. Jetzt hängt es da­von ab, wie schnell zu­sätz­li­che Ärz­te ver­pflich­tet wer­den kön­nen. Der Land­rat ist op­ti­mis­tisch, dass es grund­sätz­lich ge­lin­gen wird, ge­eig­ne­tes Per­so­nal zu fin­den. „Um die De­tails zu klä­ren, wol­len wir uns mög­lichst bald wie­der zu­sam­men­set­zen.“An ihn sei­en von den Bür­gern kei­ne Be­schwer­den über Pro­ble­me bei der Not­arzt­ver­sor­gung in der Re­gi­on her­an­ge­tra­gen wor­den, doch es sei wich­tig, da­für zu sor­gen, dass es kei­ne Lü­cken gibt.

Fakt ist, dass es in den ver­gan­ge- nen Mo­na­ten im­mer wie­der zu län­ge­ren Aus­fäl­len ge­kom­men war, weil kein Arzt ge­fun­den wur­de, der den Di­enst über­neh­men konn­te. So muss­te die KV ein­räu­men, dass et­wa im Sep­tem­ber mehr als 100 St­un­den kein Not­arzt am Stand­ort Günz­burg ein­satz­be­reit war. Im Ok­to­ber sei­en es 35,5 von 744 zu be­set­zen­den St­un­den ge­we­sen, er­klärt Not­dienst-Lei­ter Gök­han Ka­ti­pog­lu auf An­fra­ge un­se­rer Zei­tung. Bis der Ver­trag in Kraft tritt, „wird die Kli­nik den Not­arzt­dienst so weit wie mög­lich mit dem vor­han­de­nen ärzt­li­chen Per­so­nal un­ter­stüt­zen“, er­läu­tert er. „Wir er­war­ten, dass durch die Ent­las­tung der in ih­rer ,Frei­zeit‘ tä­ti­gen No­t­ärz­te von den Di­ens­ten werk­tags tags­über auch die Be­set­zungs­pro­ble­me in den Näch­ten und am Wo­che­n­en­de be­ho­ben wer­den kön­nen.“Die Kran­ken­kas­sen über­näh­men die Zu­satz­kos­ten für die Be­set­zung des Not­arzt-Stand­or­tes Günz­burg, er­klärt die AOK Bay­ern, die bei den Ver­hand­lun­gen auf­sei­ten der Kos­ten­trä­ger fe­der­füh­rend ist.

Der Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Al­f­red Sau­ter, der sich wie auch der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Ge­org Nüß­lein (bei­de CSU) im Som­mer ein­ge­schal­tet hat­te, fin­det es al­ler­dings „son­der­bar, dass sich das Pro­blem erst lö­sen lässt, nach­dem Druck auf­ge­baut wur­de“. Die Kreis­kli­nik ha­be im­mer auf die Schwie­rig­kei­ten hin­ge­wie­sen und sei ge­sprächs­be­reit ge­we­sen, doch die Zu­stän­di­gen hät­ten das lan­ge igno­riert und auch ge­leug­net, dass es über­haupt Pro­ble­me gibt. „Hät­te man das frü­her an­ge­packt, wä­re man jetzt schon so weit“, den Ver­trag in Kraft zu set­zen. Da das aber nicht ge­sche­hen war, „müs­sen wir jetzt se­hen, wie wir über die Run­den kom­men“, sagt Sau­ter. Vi­el­leicht daue­re es ja auch kein hal­bes oder Drei­vier­tel­jahr, bis neue Ärz­te ge­fun­den sind.

Ge­org Nüß­lein, stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der der CDU/CSU-Bun­des­tags­frak­ti­on, fin­det es eben­falls selt­sam, dass jetzt ei­ne Lö­sung für ein Pro­blem ge­fun­den wur­de, dass die Kas­sen­ärzt­li­che Ver­ei­ni­gung lan­ge nicht als ein sol­ches an­er­kannt ha­be. „Ganz so un­pro­ble­ma­tisch scheint die Si­tua­ti­on ja dann doch nicht zu sein.“Ob das an­ge­streb­te Mo­dell tat­säch­lich da­zu führt, dass die Ver­sor­gung ge­währ­leis­tet ist, müs­se sich al­ler­dings noch zei­gen.

Zwar sind al­le Be­tei­lig­ten froh, dass es ei­ne Lö­sung für den Not­arzt­dienst gibt. Der Land­rat hat aber noch ei­nen wei­te­ren Wunsch an die Kas­sen­ärzt­li­che Ver­ei­ni­gung: Künf­tig soll ei­ne Be­reit­schafts­dienst­pra­xis am Kran­ken­haus die Not­fall­am­bu­lan­zen von Fäl­len ent­las­ten, um die sich auch ein Haus­arzt küm­mern kann. Aber die Um­set­zung lau­fe nur sehr zäh. Er hofft, dass es nicht mehr all­zu lan­ge dau­ern wird, bis es die­ses An­ge­bot end­lich auch im Land­kreis Günz­burg gibt. Nach Aus­kunft der Kreis­kli­nik soll es ab 2018 in Günz­burg ein­ge­führt wer­den, Krum­bach hin­ge­gen sei aber erst ein­mal noch au­ßen vor.

Fo­to: Bern­hard Weiz­enegger

Die Kreis­kli­nik stellt künf­tig tags­über von mon­tags bis frei­tags den Not­arzt. Wo das Fahr­zeug sta­tio­niert wird, muss noch ge­klärt wer­den.

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