Der Fi­scher

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Feuilleton -

Das Was­ser rauscht’, das Was­ser schwoll, Ein Fi­scher saß dar­an, Sah nach dem An­gel ru­he­voll, Kühl bis ans Herz hin­an. Und wie er sitzt und wie er lauscht, Teilt sich die Flut em­por: Aus dem be­weg­ten Was­ser rauscht Ein feuch­tes Weib her­vor. Labt sich die lie­be Son­ne nicht, Der Mond sich nicht im Meer? Kehrt wel­len­at­mend ihr Ge­sicht Nicht dop­pelt schö­ner her? Lockt dich der tie­fe Him­mel nicht, Das feucht­v­er­klär­te Blau? Lockt dich dein ei­gen An­ge­sicht Nicht her in ew’gen Tau?« Sie sang zu ihm, sie sprach zu ihm: »Was lockst du mei­ne Brut Mit Men­schen­witz und Men­schen­list Hin­auf in To­des­glut? Ach wüß­test du, wie’s Fisch­lein ist So woh­lig auf dem Grund, Du stiegst her­un­ter, wie du bist, Und wür­dest erst ge­sund. Das Was­ser rauscht’, das Was­ser schwoll, Netzt’ ihm den nack­ten Fuß; Sein Herz wuchs ihm so sehn­suchts­voll Wie bei der Liebs­ten Gruß. Sie sprach zu ihm, sie sang zu ihm; Da war’s um ihn ge­schehn; Halb zog sie ihn, halb sank er hin Und ward nicht mehr ge­sehn.

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