Die star­ke Frau an St­ein­mei­ers Sei­te

Por­trät Die Ju­ris­tin El­ke Bü­den­be­n­der wird Deutsch­lands neue First La­dy. Was die bei­den ver­bin­det und wie er 2010 ihr Le­bens­ret­ter wur­de

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Meinung & Dialog -

Es war ein be­rüh­ren­der Lie­bes­be­weis. Die Som­mer­pau­se in Ber­lin war ge­ra­de zu En­de ge­gan­gen, da trat am 23. Au­gust 2010 Frank-Wal­ter St­ein­mei­er vor die Pres­se und er­klär­te kurz und knapp: Sei­ne Frau sei schwer nie­ren­krank, nur ei­ne Or­gan­trans­plan­ta­ti­on kön­ne ihr wirk­lich hel­fen, und der Spen­der wer­de er selbst sein. Ei­nen Tag spä­ter wer­den St­ein­mei­er und El­ke Bü­den­be­n­der ope­riert. Seit­dem fei­ert das Paar den 24. Au­gust als ge­mein­sa­men Ge­burts­tag. „Es hat uns bei­den gut­ge­tan“, sag­te der Au­ßen­mi­nis­ter ver­gan­ge­nes Jahr.

Jetzt soll er Bun­des­prä­si­dent wer­den, und sie wird an sei­ner Sei­te ste­hen. Wie bis­her Joa­chim Gaucks Le­bens­ge­fähr­tin Da­nie­la Schadt hat al­so auch die künf­ti­ge First La­dy ih­ren ei­ge­nen Nach­na­men. Und ei­ne zwei­te Par­al­le­le: So wie ehe­mals die Jour­na­lis­tin Schadt pflegt die 1962 ge­bo­re­ne Ver­wal­tungs­rich­te­rin Bü­den­be­n­der ein sehr ei­gen­stän­di­ges Be­rufs­le­ben. Fast nie be­glei­te­te sie ih­ren Mann auf Rei­sen, sie ver­steht sich nicht als sei­ne po­li­ti­sche Be­ra­te­rin. „Frank macht sei­nen Job, ich ma­che mei­nen“, sag­te sie ein­mal. „Selbst­be­wusst, in­tel­li­gent, ein­fach toll“– so be­schrieb der frü­he­re Bun­des­kanz­ler Ger­hard Schrö­der (SPD) die Frau sei­nes Par­tei­freun­des.

Das Paar lern­te sich 1988 an der Uni­ver­si­tät in Gie­ßen ken­nen. Ein Jahr nach der Hoch­zeit 1995 kam Toch­ter Me­rit auf die Welt. Seit 1999 wohnt die Fa­mi­lie im gut­bür­ger­li­chen Ber­li­ner Orts­teil Zeh­len­dorf. „Es ist die In­sel der Ru­he, die ich brau­che“, sag­te St­ein­mei­er ein­mal.

Er und sei­ne Frau hät­ten ei­nen ähn­li­chen Le­bens­weg, schreibt er auf sei­ne Home­page lie­be­voll. Zwar ist er evan­ge­lisch-re­for­miert, und sie kommt aus ei­ner ka­tho­li­schen Fa­mi­lie aus dem Sie­ger­land. Aber bei bei­den war der Va­ter Tisch­ler, die Mut­ter be­rufs­tä­tig. Und bei­de wa­ren das ers­te Kind der Fa­mi­lie, das sich ein Stu­di­um er­kämpf­te. El­ke Bü­den­be­n­der hat­te erst In­dus­trie­kauf­frau ge­lernt, hol­te dann das Abitur nach und stu­dier­te Ju­ra. Wäh­rend ih­res Re­fe­ren­da­ri­ats in Han­no­ver ab­sol­vier­te sie ein Prak­ti­kum bei der Deut­schen Bot­schaft in Wa­shing­ton. Au­ßen­po­li­tisch hat­te da­mit sie die Na­se vorn: Sie wur­de Ex­per­tin für US-Po­li­tik, lan­ge vor ih­rem Mann. Seit 1999 ist sie Rich­te­rin für So­zi­al­recht. Sie be­trach­te Po­li­tik – seit der Schul­zeit ist sie SPD-Mit­glied – aus ei­ner eher pri­va­ten Per­spek­ti­ve, ge­stand sie ein­mal. Wich­tig sei­en ihr vor al­lem gu­te Schu­len, ge­rech­ter Lohn und um­welt­be­wuss­tes Ver­hal­ten. Ihr Re­zept ge­gen Stress: mit­ein­an­der re­den. In der Fa­mi­lie ist be­son­ders sie die­je­ni­ge, die auf Ge­sund­heit und Fit­ness ach­tet. „In ih­rer Frei­zeit liebt sie es, mit dem Moun­tain­bike durch Ber­lin zu sau­sen, am liebs­ten in Je­ans und Sweat­shirt“, ver­rät ihr Mann. „Oder sie wer­kelt in un­se­rem Gar­ten in Zeh­len­dorf – fürs Ra­sen­mä­hen bin al­ler­dings ich zu­stän­dig.“

Ei­gent­lich woll­te sie sich vom zehn­ten Hoch­zeits­tag an St­ein­mei­er nen­nen, er­zähl­te sie mal. Doch dann sei er Au­ßen­mi­nis­ter ge­wor­den, und sie ha­be ge­dacht: „Das sieht jetzt blöd aus – so, als wür­de ich mir frem­de Lor­bee­ren an­ste­cken.“

Na­da Wei­gelt, dpa

Fo­to: afp

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