Wie ti­cken Flücht­lin­ge wirk­lich?

Ein of­fi­zi­el­le Um­fra­ge un­ter­sucht Hal­tung zu Staat und Ge­sell­schaft

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Politik -

Ber­lin Wel­che Ein­stel­lun­gen ha­ben die hun­dert­tau­sen­den von Deutsch­land auf­ge­nom­me­nen Flücht­lin­ge zu Staat und Ge­sell­schaft? Ant­wor­ten auf die­se Fra­ge soll ei­ne gro­ße Um­fra­ge lie­fern, die von For­schern der Bun­des­ar­beits­agen­tur, dem Bun­des­amt für Flücht­lin­ge und dem Deut­schen In­sti­tut für Wirt­schafts­for­schung, DIW, durch­ge­führt wur­de. Glaubt man den Ant­wor­ten der 2350 Be­frag­ten, las­sen sich po­si­ti­ve Si­gna­le, aber auch schwie­ri­ge Pro­ble­me dar­aus ab­le­sen. ● De­mo­kra­tie 96 Pro­zent der be­frag­ten Flücht­lin­ge un­ter­stüt­zen die Aus­sa­ge, dass „man ein de­mo­kra­ti­sches Sys­tem ha­ben soll­te“. Da­mit stim­men sie fast voll­stän­dig mit deut­schen Be­frag­ten über­ein. 21 Pro­zent der Flücht­lin­ge und 22 Pro­zent der Deut­schen sind je­doch der An­sicht, dass man ei­nen „star­ken Füh­rer“ha­ben soll­te, der sich nicht um ein Par­la­ment und Wah­len küm­mern muss. Ei­ne Ex­per­ten­herr­schaft wün­schen sich bei den Flücht­lin­gen 55 und bei den Deut­schen 59 Pro­zent. ● Gleich­be­rech­ti­gung Je­weils 92 Pro­zent der Ge­flüch­te­ten und der Deut­schen sa­gen, dass „glei­che Rech­te von Män­nern und Frau­en“ein Be­stand­teil von De­mo­kra­ti­en sind. Bei der Aus­sa­ge „wenn ei­ne Frau mehr Geld ver­dient als ihr Part­ner, führt dies zwangs­läu­fig zu Pro­ble­men“zei­gen sich je­doch Un­ter­schie­de: Wäh­rend 29 Pro­zent der Asyl­be­wer­ber zu­stim­men, sind es bei den Deut­schen nur 18 Pro­zent. ● Re­li­gi­on 13 Pro­zent der Flücht­lin­ge stim­men der Aus­sa­ge zu, dass „Re­li­gi­ons­füh­rer die Aus­le­gung der Ge­set­ze be­stim­men“soll­ten. Un­ter den Deut­schen sind es acht Pro­zent. ● Bil­dung 58 Pro­zent der er­wach­se­nen Flücht­lin­ge ha­ben zehn Jah­re und mehr in Schu­le, Aus­bil­dung und Stu­di­um ver­bracht. In der deut­schen Be­völ­ke­rung sind es 88 Pro­zent. 37 Pro­zent der Flücht­lin­ge be­such­ten ei­ne wei­ter­füh­ren­de Schu­le. Zehn Pro­zent gin­gen je­doch nur auf ei­ne Grund­schu­le und neun Pro­zent be­such­ten gar kei­ne Schu­le. Ein Fünf­tel ging auf ei­ne Hoch­schu­le und 13 Pro­zent ha­ben hier auch ei­nen Uni-Ab­schluss ge­macht. Doch nur sechs Pro­zent der Ge­flüch­te­ten ha­ben ei­nen be­ruf­li­chen Ab­schluss. Zum Ver­gleich: In Deutsch­land sind es knapp 60 Pro­zent. Al­ler­dings ha­ben die meis­ten Her­kunfts­län­der kein Aus­bil­dungs­sys­tem, das mit dem deut­schen Be­rufs­bil­dungs­sys­tem ver­gleich­bar ist. Die meis­ten ha­ben je­doch Be­rufs­er­fah­rung: 73 Pro­zent wa­ren in ih­rem Hei­mat­land er­werbs­tä­tig – 81 Pro­zent der Män­ner und 50 Pro­zent der Frau­en. ● In­te­gra­ti­on In den ers­ten bei­den Jah­ren fin­den nur et­wa 13 Pro­zent der Men­schen ei­nen Job. Im drit­ten Jahr sind dann et­wa 22 Pro­zent der Flücht­lin­ge er­werbs­tä­tig und im vier­ten Jahr et­wa 31 Pro­zent. ● Spra­che Zwei Drit­tel der Flücht­lin­ge ha­ben in Deutsch­land ei­nen Sprach­kurs be­sucht. Da­ne­ben nutz­ten die Men­schen noch an­de­re Mög­lich­kei­ten des Deut­scher­werbs – et­wa Me­di­en, Un­ter­richt durch Freun­de und Be­kann­te oder SprachCDs und Kur­se im In­ter­net.

Fo­to: dpa

An­geb­lich sind 92 Pro­zent der Asyl­be­wer­ber für Gleich­be­rech­ti­gung.

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