„Der Staat muss ler­nen, mit Geld aus­zu­kom­men“

Fis­kus Mi­nis­ter Sö­der kri­ti­siert die eu­ro­päi­sche und deut­sche Fi­nanz­po­li­tik. Der CSU-Mann wirbt für Steu­er­sen­kun­gen

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Wirtschaft - VON ANDREAS SCHNURRENBERGER

Mün­chen

Ei­nen grund­le­gen­den Wan­del in der Steu­er- und Fi­nanz­po­li­tik in Deutsch­land und Eu­ro­pa: Das for­dert der baye­ri­sche Fi­nanz­mi­nis­ter Mar­kus Sö­der mit Blick auf die an­ste­hen­den Bun­des­tags­wah­len. Auf Ein­la­dung des Bun­des der Steu­er­zah­ler in Bay­ern warb der CSUPo­li­ti­ker jetzt vor knapp 350 Ver­tre­tern aus Wirt­schaft, Ge­sell­schaft und Po­li­tik in Mün­chen für sei­ne Re­form­plä­ne. Die­se se­hen vor, die Steu­er­zah­ler und mit­tel­stän­di­schen Un­ter­neh­men im Frei­staat zu ent­las­ten und Ab­ga­ben zu sen­ken.

Sö­der ging nicht nur mit der deut­schen, son­dern auch mit der eu­ro­päi­schen Steu­er- und Fi­nanz­po­li­tik hart ins Ge­richt. Un­ter an­de­rem kri­ti­sier­te er die Null­zins­po­li­tik der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB). Die­ser Kurs ha­be sich „von ei­nem wirk­sa­men Me­di­ka­ment zu ei­nem schlei­chen­den Gift“zu­las­ten der Spa­rer ent­wi­ckelt, mo­nier­te der Fi­nanz­mi­nis­ter.

An­statt die ver­schul­de­ten EULän­der zu Re­for­men zu be­we­gen, be­wir­ken die nied­ri­gen Zin­sen nach Sö­ders Ein­schät­zung das Ge­gen­teil. Zu­dem wür­de das bil­li­ge Geld der Zen­tral­bank über­wie­gend in die Fi- flie­ßen und ma­che vor al­lem Ban­ker glück­lich.

Rolf von Ho­hen­hau, Prä­si­dent des Steu­er­zah­ler­bun­des in Bay­ern, warn­te in die­sem Zu­sam­men­hang, dass den Bür­gern trotz stei­gen­der Löh­ne we­gen der zu­neh­men­den In­fla­ti­on we­ni­ger von ih­rem Er­spar­ten üb­rig blei­be.

Sö­der be­tä­tig­te sich als War­ner. Eu­ro­bonds hält er für den fal­schen Weg, um die Eu­ro-Kri­se in den Griff zu be­kom­men. Bei die­sen kon­tro­vers dis­ku­tier­ten Staats­an­lei­hen wür­den EU-Mit­glie­der ge­mein­sam Schul­den am Ka­pi­tal­markt auf­neh­men und für die Rück­zah­lung und die an­fal­len­den Zin­sen auf­kom­nanz­märk­te men. „Schul­den an­de­rer teilt man nicht. Je­der muss sei­ne Schul­den selbst be­glei­chen“, sag­te der Fi­nanz­mi­nis­ter. Die EZB ent­wick­le sich sonst zur „größ­ten Bad Bank“Eu­ro­pas. Zu­dem ver­kün­de­te Sö­der, er stre­be im Frei­staat ei­ne Sen­kung der Steu­er­last an. „Ich hal­te es für ab­surd, bei Re­kord­steu­er­ein­nahAuch men die Steu­ern wei­ter zu er­hö­hen. Der Staat muss ler­nen, mit sei­nem Geld aus­zu­kom­men an­statt den Bür­gern im­mer tie­fer in die Ta­sche zu grei­fen.“So plä­dier­te der CSUPo­li­ti­ker da­für, den So­li­da­ri­täts­zu­schlag ab­zu­schaf­fen. „Die Zeit des So­li ist vor­bei.“Ein wei­te­res The­ma, das Sö­der Bauch­schmer­zen be­rei­tet, ist die Erb­schaft­steu­er. „Sie ist die ein­zi­ge Ab­ga­be auf be­reits ver­steu­er­tes Geld.“Zu­dem ge­he es den Staat nichts an, wie viel Ver­mö­gen ei­ne Fa­mi­lie an­häuft. Sö­der for­der­te, dass die Bun­des­län­der künf­tig selbst über die Er­he­bung der Erb­schaft­steu­er ent­schei­den soll­ten.

Dass sich nied­ri­ge­re Steu­er­sät­ze durch­aus po­si­tiv auf Steu­er­ein­nah­men aus­wir­ken kön­nen, be­rich­te­te bei der Ver­an­stal­tung der Schwe­de An­ders Ydstedt. In sei­nem Hei­mat­land wur­de 2004 die Erb­schaft­steu­er ab­ge­schafft. Über die Fol­gen hat Ydstedt ei­ne Stu­die ver­fasst. Der Ex­per­te: In Schwe­den sei­en da­durch die Steu­er­ein­nah­men un­ter dem Strich so­gar ge­stie­gen. Vor der Ab­schaf­fung wan­der­ten näm­lich vie­le Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men auf­grund der ho­hen Steu­er­sät­ze ins Aus­land ab. Nach der Ab­schaf­fung der Erb­schaft­steu­er kehr­ten je­doch Zehn­tau­sen­de in die Hei­mat zu­rück.

Fo­to: Mat­thi­as Balk, dpa

Bei ei­nem Vor­trag zu ak­tu­el­len Fra­gen der Steu­er- und Fi­nanz­po­li­tik üb­te der baye­ri­sche Fi­nanz­mi­nis­ter Mar­kus Sö­der auch Kri­tik an der Null­zins­po­li­tik der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank.

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