Fin­det Augs­bur­ger PC-Her­stel­ler Part­ner in Chi­na?

In­dus­trie Zwi­schen Fu­jit­su und Le­no­vo ist ei­ne Ko­ope­ra­ti­on ge­plant. Das frü­he­re Sie­mens-Werk, das der­zeit rund 2000 Men­schen Ar­beit gibt, stün­de da­mit vor ei­nem neu­en Um­bruch. Doch vie­le se­hen in die­sem Fall gro­ße Chan­cen

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Wirtschaft - VON MICHAEL KERLER

Augs­burg

Ir­gend­wie ha­ben wir uns dar­an ge­wöhnt, dass Smart­pho­nes und Com­pu­ter heu­te aus Asi­en kom­men. Da er­staunt es im­mer wie­der, dass ein PC-Her­stel­ler in Schwa­ben sitzt – und sich seit Jah­ren am Stand­ort Augs­burg hält. Das ja­pa­ni­sche Un­ter­neh­men Fu­jit­su ist nach ei­ge­nen An­ga­ben der ein­zi­ge Kon­zern aus der In­for­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie, der noch in Eu­ro­pa pro­du­ziert. Ge­baut wer­den in dem Werk im Sü­den der Stadt un­ter an­de­rem Com­pu­ter und Ser­ver, auf de­nen sich gro­ße Da­ten­men­gen spei­chern las­sen. Tag für Tag ver­las­sen bis zu 21000 Ge­rä­te das Un­ter­neh­men. Wie kann es sein, dass sich ein Her­stel­ler so lan­ge im Hoch­lohn­land Deutsch­land be­haup­tet?

Bei Fu­jit­su ist man stolz auf die fle­xi­ble Pro­duk­ti­on, die Nä­he zum Kun­den und die schnel­le Um­set­zung von Kun­den­wün­schen. Und stolz ist man auch auf ei­ne Ei­gen­ent­wick­lung: Ei­nen kom­pak­ten Com­pu­ter, nicht viel grö­ßer als ein Päck­chen Kaf­fee, der be­son­ders ho­he Si­cher­heit bie­tet. Wie ei­nen Dau­men­ab­druck er­kennt das Ge­rät das bei je­dem Men­schen in­di­vi­du­el­le Mus­ter der Ve­nen in der Hand. An­stel­le ei­nes Pass­worts lässt sich der Rech­ner das Werk in Augs­burg be­deu­ten? Auch die­ses hat schließ­lich ei­ne be­weg­te Ge­schich­te und meh­re­re Ei­gen­tü­mer­wech­sel hin­ter sich. 1987 er­öff­ne­te das Sie­mens-Werk mit rund 1400 Mit­ar­bei­tern, 1990 wech­sel­te es zu Sie­mens-Nix­dorf, 1999 zu Fu­jit­su-Sie­mens und ab 2009 dann al­lein zu Fu­jit­su.

Noch lau­fen die Ge­sprä­che mit Le­no­vo über die Ko­ope­ra­ti­on bei den Com­pu­tern, be­rich­te­te Fu­jit­s­uGe­schäfts­füh­rer Rolf Wer­ner ges­tern auf dem Fu­jit­su-Fo­rum in der Mes­se Mün­chen, wo das Un­ter­neh­men sei­ne Pro­duk­te prä­sen­tiert. Ei­ne Ent­schei­dung sei noch nicht ge­fal­len. Wer­ner be­ton­te, dass sich die Ko­ope­ra­ti­on al­lein auf die Ent­wick­lung und Pro­duk­ti­on bei Note­books und Com­pu­tern be­zieht. Hier sei ein „Ver­drän­gungs­wett­be­werb“da und „der Lei­dens­druck am größ­ten“. In Augs­burg ar­bei­ten rund 200 Mit­ar­bei­ter in der Ent­wick­lung von End­ge­rä­ten und wei­te­re in der Pro­duk­ti­on.

Falls die Ko­ope­ra­ti­on mit Le­no­vo zu­stan­de kommt, „wol­len wir als Mar­ke ak­tiv blei­ben und den Ser­vice auf­recht­er­hal­ten“, sag­te Wer­ner. Dies gel­te auch für die Fer­ti­gung in Deutsch­land: Auch wenn die PCKom­po­nen­ten zu 90 Pro­zent aus Asi­en kä­men, sei die End­fer­ti­gung vor Ort ein Vor­teil. „Dies ist ei­ne Per­le, die wir wei­ter­ent­wi­ckeln wol­len.“Durch das La­bel „Ma­de in Ger­ma­ny“und die ho­he Si­cher­heit wer­den Fu­jit­su-Com­pu­ter im Öf­fent­li­chen Di­enst ge­schätzt, den das Un­ter­neh­men zu sei­nen wich­ti­gen Kun­den zählt. Da in der Com­pu­terFer­ti­gung 80 Pro­zent der Kos­ten auf das Ma­te­ri­al ent­fal­len und nur 20 Pro­zent auf die Ar­beit, sei­en die in Deutsch­land im Ver­gleich hö­he­ren Löh­ne nicht das zen­tra­le Pro­blem. Die­se lie­gen in Augs­burg wo­an­ders: Es fehlt an Auf­trä­gen.

„Die Aus­las­tung ist das, was schwie­rig ist“, sagt Stand­ort-Che­fin Ve­ra Schnee­voigt un­se­rer Zei­tung.

Fo­to: An­net­te Zo­epf

Fu­jit­su fer­tigt in Augs­burg Ser­ver und Com­pu­ter. Für die Com­pu­ter-Spar­te ist ei­ne Ko­ope­ra­ti­on mit Le­no­vo im Ge­spräch.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.