„Sie se­hen ei­nen rund­her­um glück­li­chen Mann vor sich“

Ge­spräch Frank Bu­sch­mann wird als Sport­kom­men­ta­tor bei Über­tra­gun­gen schon mal laut. Auch des­we­gen ge­nießt er Kult­sta­tus bei vie­len Fans. Im In­ter­view ver­rät er, was ihn an Sen­dern und Re­por­tern stört, wie man zum Face­book-Star wird und wie man sich als B

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Sport -

Herr Bu­sch­mann, Sie ha­ben mal ge­sagt: Sky und ich – wir pas­sen nicht zu­sam­men. Zur kom­men­den Sai­son wech­seln Sie zu Sky. War­um?

Vi­el­leicht hat es ein­fach – so­wohl bei Sky wie auch bei mir – Zeit ge­braucht, bis man er­kennt: Sport­jour­na­lis­mus und ei­ne ge­wis­se Lo­cker­heit schlie­ßen sich nicht aus. Man muss aber auch mit der Mär auf­räu­men, der Bu­sch­mann kön­ne eh ma­chen, was er will. Ich wer­de mich schon ein­glie­dern. Aber eben als Frank Bu­sch­mann und nicht als Ab­zieh­bild ei­nes Kom­men­ta­tors.

Bu­sch­mann:

Mit Ih­rer Art ha­ben Sie es ziem­lich weit ge­bracht. NBA-Fi­nals, Su­per Bowl, da­zu et­li­che Show-For­ma­te wie zu­letzt Nin­ja War­ri­ors auf RTL …

Sie se­hen ei­nen rund­her­um glück­li­chen Mann vor sich. Es gibt we­nig im Sport, was ich noch nicht kom­men­tiert ha­be. Die Cham­pi­ons Le­ague ist so ei­ne Sa­che. Das kann ich jetzt ma­chen. Da­zu bie­tet mir Sky noch wei­te­re For­ma­te an. Un­ter an­de­rem ei­ne Sport-Come­dy. Das passt wie Arsch auf Ei­mer.

Bu­sch­mann:

Sie ha­ben in Ih­rem zwei­ten Buch „Ein­fach mal frei Schnau­ze“In­ter­views zu­sam­men­ge­fasst, die Sie zu­vor für Ih­ren Youtube-Ka­nal ge­führt ha­ben. Im Buch be­schrei­ben Sie, wie wich­tig das In­ter­view mit Ro­bert Har­ting auch für Sie per­sön­lich ge­we­sen ist.

Als Ro­bert sei­nen Cha­rak­ter be­schrie­ben hat, ist mir auf­ge­fal­len, dass wir uns sehr ähn­lich sind. Dass auch ich oft zu sehr mit dem Kopf durch die Wand will. Mir ist zu der Zeit klar ge­wor­den, dass ich von vie­len Men­schen zu viel ver­lan­ge – auch und vor al­lem im Job.

Bu­sch­mann:

Wie schaut es im Pri­vat­be­reich aus?

Bu­sch­mann:

Auch das hat sich ge­än­dert. Frü­her hab ich mehr ge­schimpft (gibt sei­ner klei­nen Toch­ter, die wäh­rend des In­ter­views am Tisch malt, ei­nen Kuss), aber ich bin schon un­ge­dul­dig. Mein Mot­to ist: Man muss ei­ne Hal­tung ha­ben. Und wenn man ei­ne Hal­tung hat, führt das da­zu, dass man auch mal un­wirsch wird und un­ge­dul­dig ist. Wenn mir al­les egal wä­re, dann lass ich al­les lau­fen. Das ist ei­ne At­ti­tü­de, die ich nicht ha­be.

Hat Frank Bu­sch­mann zu Hau­se ei­gent­lich auch mal Sen­de­pau­se?

Es gibt han­dy­freie Zo­nen. Im Re­stau­rant hab ich es nor­ma­ler­wei­se nicht da­bei. Im Schlaf­zim­mer liegt das Ding ga­ran­tiert nicht auf mei­nem Nacht­tisch.

Bu­sch­mann:

Ih­re äl­te­re Toch­ter ist 13 Jah­re alt, die wird auch Face­book und Co. nut­zen ...

Sie hat kei­nen Face­boo­kund kei­nen Twit­ter-Ac­count, weil wir das nicht wol­len. Im Mo­ment träumt sie da­von, ein YoutubeS­tar zu wer­den. Prin­zi­pi­ell hat sie aber ei­ne ge­sun­de Ein­stel­lung zur Me­di­en­nut­zung.

Bu­sch­mann:

Und Pa­pa ist der So­ci­al-Me­dia-Su­per­held. Wie kam es da­zu?

Ich ha­be Face­book bis 2011 ge­hasst. Ich kann­te mich da­mals echt nicht aus und hab mei­nen Na­men ein­fach mal bei Face­book ein­ge­ge­ben und da kam dann ei­ne so­ge­nann­te Fan­page. Da ha­be ich mich nicht wei­ter drum ge­küm­mert, weil ich dem

Bu­sch­mann:

Gan­zen kei­ne Be­deu­tung bei­ge­mes­sen hab. In Bam­berg ka­men bei ei­ner Basketball-Über­tra­gung zwei Stu­den­ten zu mir und ha­ben ge­sagt: Herr Bu­sch­mann, wir ha­ben ei­ne Fan-Sei­te für Sie auf Face­book ein­ge­rich­tet. Das fand ich nicht schlimm, auch wenn sie bes­ser vor­her ge­fragt hät­ten. Ir­gend­wann hab ich ge­sagt: Für euch war’s das, ich bin jetzt der Ad­mi­nis­tra­tor die­ser Sei­te.

Ziem­lich ra­di­kal.

Ich hab die spä­ter für ein Wo­che­n­en­de nach Lon­don ein­ge­la­den, als sich her­aus­ge­stellt hat­te, dass es durch­aus sinn­voll sein kann, so ei­ne Sei­te zu ha­ben. Los­ge­gan­gen mit dem Wahn­sinn ist es dann 2012, als ich mich über die Me­dail­len­zäh­le­rei der Jour­na­lis­ten bei Olym­pia auf­ge­regt hat­te. Da bin ich von vie­len kon­tak­tiert wor­den und ha­be

Bu­sch­mann:

ge­merkt: Man kann da­mit was be­we­gen.

Ihr So­ci­al-Me­dia-Ac­count gilt als ei­ner der we­ni­gen Pro­mi-Auf­trit­te im Netz als au­then­tisch.

Ich bin stolz auf die­se Sei­te, weil sie eins hat: Sie ist echt. Sie hat ech­te In­ter­ak­ti­on, sie wird nicht von ei­ner Agen­tur be­treut, son­dern von mir. Wenn ich mal rich­tig dumm an­ge­macht wer­de, re­gu­liert sich das meis­tens selbst durch die an­de­ren Fans. Dass das jetzt auf die hal­be Mil­li­on zu­geht bei ei­nem Sport­re­por­ter – das kann kei­ner er­klä­ren. Ich auch nicht.

Bu­sch­mann:

Die Mar­ke Bu­sch­mann ist mitt­ler­wei­le eta­b­liert in der Me­dien­land­schaft. Glau­ben Sie, dass Sie mit Ih­rer Art an­de­ren Mo­de­ra­to­ren und Kom­men­ta­to­ren ei­ne Tür ge­öff­net ha­ben könn­ten? Das hät­te ich mir ge­wünscht. Ich ha­be in letz­ter Zeit sehr vie­le Ge­sprä­che mit Fern­seh­ver­ant­wort­li­chen ge­habt. Die mich im Üb­ri­gen lan­ge nicht wahr­ge­nom­men ha­ben. Und jetzt sa­gen sie: Wir fin­den kei­ne Kom­men­ta­to­ren, die frei spre­chen kön­nen,

Bu­sch­mann:

die Cha­rak­te­re sind. Und dann sa­ge ich: Tja Freun­de, vi­el­leicht liegt das dar­an, dass ihr sie ei­gent­lich gar nicht wollt.

Al­so sind die Sen­der sel­ber schuld am Nach­wuchs­pro­blem?

Nicht nur. Vie­le jün­ge­re Kol­le­gen ma­chen den Feh­ler, nur ins Fern­se­hen zu wol­len. Die fin­den das geil vor der Ka­me­ra, am bes­ten vor fünf Mil­lio­nen Zu­schau­ern. Das re­gis­trie­re ich mit Bauch­g­rum­meln. Die ma­chen es nicht aus Pas­si­on für die Sa­che. Ich kom­men­tie­re im­mer noch für die Te­le­kom Basketball. Da schau­en auch mal nur 5000 Men­schen zu. Aber ich ma­che das nicht für die An­zahl an Zu­schau­ern. Ich ma­che das, weil es mei­ne Pas­si­on ist.

Bu­sch­mann:

Ei­ne Pas­si­on, die Sie sehr po­pu­lär ge­macht hat. Sind Sie ei­gent­lich so be­kannt, dass Sie oft in der Öf­fent­lich­keit an­ge­spro­chen wer­den?

Ja, schon. Es ist ein biss­chen ko­misch, dar­über zu re­den, weil ich mich ei­gent­lich nicht für ei­nen Pro­mi hal­te. Wir ha­ben die Er­fah­rung ge­macht, dass wir schlecht öf­fent­li­che Ver­kehrs­mit­tel neh­men

Bu­sch­mann:

kön­nen. Vie­le wol­len Fo­tos ma­chen. Da bin ich sehr all­er­gisch, wenn Kin­der da­bei sind. Das ist schon krass ge­wor­den. Wenn ich al­lei­ne un­ter­wegs bin, emp­fin­de ich das nicht als so be­las­tend. Ich ge­he auch durch die In­nen­stadt und ma­che mei­ne 30 Fo­tos beim Ein­kau­fen. Aber wenn ich mit den Kin­dern beim Es­sen bin, sa­ge ich auch Nein, wir sind hier pri­vat.

Zur Be­kannt­heit hat bei­ge­tra­gen, dass Sie nun auch Best­sel­ler-Au­tor sind.

Das war nicht mein Plan. Ich hat­te 2013 mal ei­ne An­ek­do­te aus ei­ner Be­geg­nung mit dem Ex-Bas­ket­bal­ler Den­nis Rod­man ge­pos­tet. Da ka­men vie­le, die sag­ten, schreib mal al­le Ge­schich­ten zu­sam­men. Das ha­be ich ir­gend­wann ge­macht und das Ding er­schien (Ti­tel: Am En­de kackt die En­te).

Bu­sch­mann:

Und war er­folg­reich.

Nach vier Ta­gen ruft mich der Ver­lags­lei­ter an und fragt, ob ich den Cham­pa­gner schon kalt ge­stellt hät­te. Das Buch lan­de­te auf der Best­sel­ler­lis­te des Spie­gels. Wir ha­ben uns ka­putt ge­lacht. Wo­bei, man muss ehr­lich sein: Deutsch­land liest nicht mehr. Du kommst im Be­reich Sach­buch re­la­tiv leicht auf die Best­sel­ler­lis­te.

Bu­sch­mann:

Und nun folgt Num­mer zwei.

Das wird span­nend. Bei die­sem Pro­jekt war ich es, der ge­sagt hat: Das Ding möch­te ich un­be­dingt auf Pa­pier ha­ben. Ich sit­ze aber nicht ner­vös rum und fra­ge mich, ob ich noch mal in die Best­sel­ler­lis­te komm. Das ist ja so­wie­so ein Trep­pen­witz, dass aus­ge­rech­net ich ei­nen Best­sel­ler schrei­be. In­ter­view: Tilmann Mehl

Bu­sch­mann:

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