Mo­peds auf vier Rä­dern

Trend Leicht­kraft­fahr­zeu­ge ver­spre­chen Mo­bi­li­tät vom jüngs­ten bis ins höchs­te Al­ter. Au­ßer­dem sind sie prak­tisch und pas­sen in je­de Park­lü­cke. War­um vie­le Au­to­ex­per­ten trotz­dem ein Pro­blem mit der ei­gen­wil­li­gen Gat­tung ha­ben

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Kfz-börse -

Nied­ri­ge Un­ter­halts­kos­ten und mit Mo­fa­füh­rer­schein fahr­bar – das sind für vie­le Ar­gu­men­te für ein Leicht­kraft­fahr­zeug. Bei jün­ge­ren und äl­te­ren Kun­den wer­den die klei­nen Au­tos im­mer be­lieb­ter. Sol­che wie et­wa der Aix­am Ci­ty. Das 2,80 Me­ter lan­ge fran­zö­si­sche Au­to rollt auf 15-Zoll-Rä­dern und ist auch mit Kli­ma­an­la­ge zu ha­ben. Das Be­son­de­re: Der durch­aus schnit­tig aus­se­hen­de Klein­wa­gen der Klas­se L6E darf mit ei­nem Mo­fa­füh­rer­schein (AM) und da­mit schon mit 16 Jah­ren ge­fah­ren wer­den.

Aus zwei Zy­lin­dern schöpft er fünf PS und ist bis zu 45 km/h schnell. Da­bei ver­braucht er knapp drei Li­ter Die­sel auf 100 Ki­lo­me­tern. Für die An­mel­dung reicht ein Mo­ped­kenn­zei­chen aus. Die­se ge­rin­gen Ein­stiegs­hür­den sor­gen da­für, dass Händ­ler wie Aix­am-Im­por­teur Die­ter Han­der im­mer mehr der klei­nen Mi­nis an jun­ge Kun­den ver­kau­fen. „Das Image die­ser Au­tos än­dert sich ge­ra­de deut­lich.“

Füh­rer­schein­neu­lin­ge ent­schei­den sich auf­grund der ho­hen Neu­prei­se meist für ei­nen Ge­brauch­ten – denn auch ein Leicht­kraft­fahr­zeug kos­tet ab cir­ca 7000 Eu­ro auf­wärts. Äl­te­re Kun­den in­ves­tie­ren ganz be­wusst in ein Leicht­mo­bil. „Wer bei­spiels­wei­se auf­grund ei­ner Seh­schwä­che oder ei­nem an­de­ren Han­di­cap nicht mit dem nor­ma­len Füh­rer­schein fah­ren kann, hat un­ter Um­stän­den im­mer noch die Mög­lich­keit, mit ei­nem Leicht­kraft­fahr­zeug mo­bil zu blei­ben“, sagt Han­der.

Nicht ganz so be­geis­tert von den Mo­pe­dau­tos hin­ge­gen sind Ver­kehrs­klubs wie der ADAC. Der be­grüßt gleich­wohl die zu­sätz­li­che Mög­lich­keit zur Mo­bi­li­tät grund­sätz­lich. Aber: „Leicht­mo­bi­le ber­gen oft gro­ße Si­cher­heits­ri­si­ken, weil zum Bei­spiel an­de­re Ver­kehrs­teil­neh­mer nicht da­mit rech­nen, dass – ins­be­son­de­re auf der Land­stra­ße – so lang­sa­me Fahr­zeu­ge un­ter­wegs sind“, sagt Ar­nulf Thie­mel vom ADAC. Zu­dem lie­ge das Si­cher­heits­ni­veau der Fahr­zeu­ge deut­lich un­ter dem nor­ma­ler Pkws.

„Für Leicht­mo­bi­le gibt es kei­ne vor­ge­schrie­be­nen Crash­tests. Frü­he­re Tests des ADAC ha­ben ge­zeigt, dass In­sas­sen dort ei­nem deut­lich hö­he­ren Si­cher­heits­ri­si­ko aus­ge­setzt sind“, so Thie­mel. Auch bei ak­tu­el­len Eu­ro-NCAP-Crash­tests mit der hö­he­ren Leicht­kraft­fahr­zeug­klas­se L7E, bei de­nen es kein Ge­schwin­dig­keits­li­mit auf 45 km/h gibt, wa­ren die Er­geb­nis­se mehr als er­nüch­ternd. Trotz re­du­zier­ter Fron­tauf­prall­ge­schwin­dig­keit auf 50 km/h schaff­te kei­nes der vier ge­tes­te­ten Fahr­zeu­ge ein zu­frie­den­stel­len­des Er­geb­nis. Tat­säch­lich ge­hen die Her­stel­ler der Leicht­kraft­fahr­zeu­ge sehr un­ter­schied­lich mit dem The­ma Si­cher­heit um. „Aix­am setzt hier vor al­lem auf ak­ti­ve Kom­po­nen­ten und bie­tet bei­spiels­wei­se ABS und ein sta­bi­les Alu-Chas­sis an“, sagt Im­por­teur Han­der. Der Her­stel­ler Li­gier ver­kauft sei­ne Mo­del­le auch mit Air­bag.

Wäh­rend Her­stel­ler wie Aix­am, JDM, Li­gier oder Bel­lier au­ßer­halb der Leicht­mo­bil­sze­ne weit­ge­hend un­be­kannt sind, gibt es mit Re­nault in­zwi­schen auch ei­nen gro­ßen Au­to­kon­zern, der mit dem Twi­zy 45 (ab 6950 Eu­ro) in der Klas­se der Mo­pe­dau­tos mit­mischt. Der Zwei­sit­zer mit hin­ter­ein­an­der an­ge­ord­ne­ten Plät­zen bie­tet ei­ne Reich­wei­te von rund 120 Ki­lo­me­tern.

An­spre­chen will Re­nault mit dem Elek­tro­au­to vor al­lem jun­ge Kun­den in Me­tro­pol­re­gio­nen, die Kurz­stre­cken zu­rück­le­gen wol­len. „Mit ei­ner Län­ge von 2,3 Me­tern und ei­ner Brei­te von 1,2 Me­tern ist der Twi­zy die pas­sen­de Ant­wort auf die wach­sen­de Park­platz­not“, sagt Mar­tin Zim­mer­mann von Re­nault.

Im­mer be­lieb­ter wer­den die Leicht­kraft­fahr­zeu­ge im Trans­port­be­reich, wo mit der Ape von Piaggio so et­was wie die Mut­ter al­ler Mo­pe­dau­tos un­ter­wegs ist. „Ita­li­en ist nach Frank­reich der größ­te eu­ro­päi­sche Markt der Leicht­kraft­fahr­zeu­ge“, weiß Ex­per­te Han­der. „Die Ape ge­hört in Ita­li­en seit je­her zum Stadt­bild und in­zwi­schen bie­ten auch fast al­le an­de­ren Leicht-Kf­zHer­stel­ler Trans­port­mo­del­le mit gro­ßer La­de­flä­che an.“Ge­ra­de bei Hand­werks­be­trie­ben sei dies be­liebt, weil dann auch be­reits der Aus­zu­bil­den­de mo­bil sei.

Fo­to: Re­nault

Stadt-Floh von der Stan­ge: Mo­pe­dau­tos wer­den nicht nur von Exo­ten und für Ni­schen ge­baut. Re­nault hat mit dem Twi­zy (im Bild) ein Mo­dell am Start, in dem zwei Per­so­nen hin­ter­ein­an­der sit­zen kön­nen. Der Preis: ab 6950 Eu­ro.

Fo­to: Piaggio

Klas­si­ker aus Ita­li­en: der Kleinst­trans­por­ter Piaggio Ape.

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