„Ein paar Wo­chen Spaß“als Mord­mo­tiv?

Jus­tiz Horst K., der sei­ne Frau mit ei­nem Ham­mer er­schla­gen und zer­sägt hat, soll noch die­se Wo­che ver­ur­teilt wer­den. Der Staats­an­walt for­dert die ma­xi­ma­le Stra­fe. War­um ei­ne Aus­sa­ge im Pro­zess den Schwes­tern des Op­fers ein Trost war

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Region Augsburg - VON JÖRG HEINZLE

Augs­burg

Der Mann auf der An­kla­ge­bank hat nach An­sicht des Staats­an­walts „ei­nes der bru­tals­ten Ver­bre­chen der ver­gan­ge­nen Jah­re oder so­gar Jahr­zehn­te“in der Re­gi­on be­gan­gen. Horst K., 53, aus Fried­berg hat im No­vem­ber 2015 sei­ne von den Phil­ip­pi­nen stam­men­de Ehe­frau Gra­ce er­mor­det. Hin­ter­her zer­säg­te er die Lei­che, ver­pack­te sie in Kis­ten und stell­te sie in ei­nem Augs­bur­ger La­ger­haus un­ter. Am Di­ens­tag­vor­mit­tag for­dert Staats­an­walt Mat­thi­as Ne­u­mann ei­ne le­bens­lan­ge Haft­stra­fe we­gen Mor­des. Er plä­diert auch da­für, ei­ne be­son­de­re Schwe­re der Schuld fest­zu­stel­len.

Fol­gen die Rich­ter des Augs­bur­ger Land­ge­richts die­sem An­trag, dann kann Horst K. nicht nach 15 Jah­ren Haft auf Be­wäh­rung aus dem Ge­fäng­nis frei­kom­men, wie es sonst bei ei­nem Mor­dur­teil üb­lich ist. Die durch­schnitt­li­che Haft­dau­er in sol- Fäl­len ver­län­gert sich da­durch auf um die 20 Jah­re. Der Staats­an­walt wählt deut­li­che Wor­te. Die Tat sei „un­nö­tig und un­ver­ständ­lich“. K. ha­be sei­ne 16 Jah­re jün­ge­re Frau „für ein paar Wo­chen Spaß“aus der Welt ge­schafft. Horst K. war di­rekt nach der Blut­tat nach Thai­land ge­flo­gen, um Frau­en zu tref­fen, die er zu­vor im In­ter­net ken­nen­ge­lernt hat­te. Weih­nach­ten und Sil­ves­ter ver­brach­te er in Pat­ta­ya, ei­ner Hoch­burg des Sex-Tou­ris­mus. Als er im Ja­nu­ar wie­der nach Deutsch­land zu­rück­kehr­te, wur­de er fest­ge­nom­men, ge­stand die Tat und führ­te die Er­mitt­ler zur Lei­che.

Schon in den Jah­ren zu­vor war er zwei Mal nach Thai­land ge­flo­gen, um dort Sex-Kon­tak­te zu su­chen. Sei­ne Frau Gra­ce hat­te ihm die Es­ka­pa­den je­weils ver­zie­hen. Im Pro­zess sag­te Horst K., er ha­be sich in Thai­land um­brin­gen wol­len. Mit dem Mord an sei­ner Frau ha­be er sich un­ter Druck set­zen wol­len. Den ha­be er dann aber doch nicht ge­schafft – aus Angst. Staats­an­walt Mat­thi­as Ne­u­mann nennt die­se Be­grün­dung für den Mord ei­nen „un­er­träg­li­chen Zy­nis­mus“. Horst K. ha­be ein „Men­schen­le­ben aus­ge­löscht, um sei­ne ei­ge­ne Feig­heit zu über­win­den“. Ein Be­leg für die kal­te Pla­nung der Tat ist nach An­sicht des Staats­an­walts, dass K. zu­vor ex­tra ei­nen zwei Ki­lo schwe­ren Ham­mer ge­kauft hat, mit dem er dann nachts auf den Kopf sei­ner schla­fen­den Frau ein­schlug.

K.s Ver­tei­di­ger Bernd Scha­rin­ger sagt in sei­nem Plä­doy­er, der An­ge­klag­te ha­be ein­deu­tig ei­nen Mord be­gan­gen. Das von K. ge­nann­te Mo­tiv, es sei ihm dar­um ge­gan­gen, zu­erst sei­ne Frau zu tö­ten, um sich dann auch selbst um­brin­gen zu kön­nen, hal­te er für glaub­wür­dig. Horst K. sei von den Pro­ble­men in sei­nem Le­ben über­for­dert ge­we­sen. Er sei un­ter Druck ge­stan­den und ha­be sich in ei­nem „Tun­nel“oh­ne an­de­chen ren Aus­weg ge­se­hen. Sein Ziel sei es aber nicht ge­we­sen, die Kon­ten sei­ner Frau ab­zu­räu­men, um dann Spaß in Thai­land zu ha­ben. Horst K. wol­le die Tat nicht durch Aus­flüch­te recht­fer­ti­gen. Er ste­he zu sei­ner Schuld. Aus Sicht von An­walt SchaSelbst­mord rin­ger ist ei­ne be­son­de­re Schwe­re der Schuld aber nicht ge­ge­ben. Den Ham­mer als Tat­waf­fe ha­be der An­ge­klag­te nicht ge­wählt, weil er mög­lichst bru­tal mor­den woll­te. „Er woll­te, dass es schnell geht und sie we­nig lei­det“, so der An­walt.

Für die drei Schwes­tern des Op­fers, die zum Pro­zess in Augs­burg von den Phil­ip­pi­nen an­reis­ten, sei es zu­min­dest ein Trost ge­we­sen, als sie vom Rechts­me­di­zi­ner hör­ten, dass Gra­ce wohl schon nach dem ers­ten Ham­mer­schlag be­wusst­los war und da­her nicht lan­ge litt, sagt Op­fer­an­wäl­tin Manda­na Mauss. „Die Fa­mi­lie will Ge­rech­tig­keit. Das Ur­teil wird für sie ein be­deut­sa­mer Schritt sein.“Es soll am Don­ners­tag­vor­mit­tag ver­kün­det wer­den.

Horst K. ent­schul­digt sich im letz­ten Wort, das je­dem An­ge­klag­ten zu­steht, bei der Fa­mi­lie sei­ner Frau. Er be­reue sei­ne Tat zu­tiefst. Und er sagt: „Ich ha­be mei­ne Frau ge­liebt, das weiß ich jetzt.“

Fo­to: A. Zo­epf

Horst K., 53, sagt: „Ich ha­be mei­ne Frau ge­liebt, das weiß ich jetzt.“

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