Der ro­te Tep­pich liegt be­reit – für wen?

In­no­va­ti­ons­park Die Ver­mark­tung der Hal­le im Tech­no­lo­gie­zen­trum macht Pro­ble­me. Ein Un­ter­neh­men, mit dem die Pla­nung wohl ab­ge­stimmt war, sprang ab. Wie die Ma­cher das Pro­jekt ver­tei­di­gen

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Augsburg - VON MICHAEL HÖR­MANN

Das Tech­no­lo­gie­zen­trum, das als Herz­stück des Augs­bur­ger In­no­va­ti­ons­parks gilt, ist seit sie­ben Mo­na­ten in Be­trieb. Die Zahl der Mie­ter ist von an­fangs 24 auf 30 ge­stie­gen, die Aus­las­tung liegt zwi­schen­zeit­lich bei 50 Pro­zent. Bü­ros und Werk­stät­ten, die zur For­schung ge­nutzt wer­den, sind al­so ge­fragt. Al­ler­dings steht die rie­si­ge Hal­le mit gro­ßer Glas­front auf ei­ner Sei­te na­he­zu leer. Ein ro­ter Tep­pich liegt im Ein­gangs­be­reich, aber für wen? Le­dig­lich ei­ne Pro­duk­ti­ons­ma­schi­ne steht in der 45 mal 65 Me­ter gro­ßen Hal­le, die 15 Me­ter hoch ist. Es gibt Kri­tik aus der Ge­schäfts­welt an der Kon­zep­ti­on des Tech­no­lo­gie­zen­trums (TZA). Die po­li­tisch Ver­ant­wort­li­chen des Pro­jekts wei­sen die­se zu­rück.

Ei­ner der Kri­ti­ker ist der Ge­schäfts­füh­rer der Fir­ma Deut­scher Tech­no­lo­gie­dienst Gm­bH, Mar­kus Mann. Er sagt: „Wir se­hen die Be­stre­bun­gen kri­tisch. Die Mie­ter im TZA sind nicht un­be­dingt als Er­folgs­sto­ry zu wer­ten, sind es doch zum Groß­teil auch wie­der ge­för­der­te Pro­jek­te, de­ren Mie­ten über Um­we­ge vom Steu­er­zah­ler be­gli­chen wer­den.“Das al­les über­la­gern­de Ma­te­ri­al Car­bon wer­de es in Augs­burg schwer ha­ben, „und ge­nau auf die­ses Pferd setzt man be­stän­dig“. Manns Un­ter­neh­men, das sich mit dem brei­ten Feld von In­no­va­tio­nen be­fasst, ist in der Scha­ez­ler­stra­ße in Augs­burg an­ge­sie­delt. Der Ge­schäfts­mann sagt: „Seit dem Jahr 2003 be­ra­ten wir un­se­re Kun­den rund um den gro­ßen Be­reich In­no­va­ti­on, lie­fern re­le­van­te In­for­ma­tio­nen aus al­len Tech­no­lo­gie­be­rei­chen und hel­fen da­bei, Ko­ope­ra­tio­nen ins Le­ben zu ru­fen.“

An Wirt­schafts­re­fe­ren­tin Eva We­ber prallt die­se Kri­tik ab. Sie zieht ei­ne po­si­ti­ve Zwi­schen­bi­lanz für die Ent­wick­lung des Tech­no­lo­gie­zen­trums: „Nicht nur ich, son­dern der ge­sam­te Auf­sichts­rat der In­no­va­ti­ons­park Gm­bH zeigt sich mit den Aus­las­tungs­ent­wick­lun­gen, dem er­reich­ten Bran­chen­mix und den Per­spek­ti­ven noch im­mer über­zeugt vom Kon­zept.“Seit der Er­öff­nung im April sei­en in nur we­ni­gen Mo­na­ten die Aus­las­tungs­zie­le – ab­ge­se­hen von der Hal­le, mehr als er­reicht wor­den.

Nach In­for­ma­tio­nen un­se­rer Zei­tung ist die Hal­le noch un­ter an­de­ren Vor­aus­set­zun­gen kon­zi­piert wor­den. Dies sagt zu­min­dest ein Mie­ter, der sich al­ler­dings nicht na­ment­lich zi­tie­ren las­sen möch­te. Er be­haup­tet, dass das TZA in der Pla­nungs­pha­se – be­son­ders was die Grö­ße der Hal­le be­tref­fe – mit ei­nem Un­ter­neh­men aus der Luft­und Raum­fahrt ab­ge­stimmt wor­den sei. Die­se Fir­ma sei im letz­ten Mo­ment als Mie­ter ab­ge­sprun­gen. Wirt­schafts­re­fe­ren­tin Eva We­ber be­stä­tigt, „dass sich die An­for­de­run­gen und Kon­zep­tio­nen der für die Hal­le im­puls­ge­ben­den Un­ter­neh­men ge­än­dert hät­ten“. Was sie im Üb­ri­gen stö­re, sei die Be­zeich­nung „Hal­le“. Denn ge­nau dies sei sie nicht: „Es han­delt sich um kei­ne Hal­le. Es geht ge­ra­de nicht um das An­ge­bot bil­li­ger La­ger­mög­lich­keit. Es han­delt sich viel­mehr um ei­ne Ge­bäu­de­nut­zung, die höchs­ten pro­duk­ti­ons­na­hen Di­enst­leis­tun­gen ge­recht wer­den kann, des­halb ent­spre­chend aus­ge­stat­tet und dem­ent­spre­chend ein­ge­preist ist.“

We­ber un­ter­stützt die Be­mü­hun­gen von Wolf­gang Hehl, Ge­schäfts­füh­rer der In­no­va­ti­ons­park Gm­bH, die über­re­gio­na­le Ver­mark­tung in den nächs­ten Mo­na­ten zu in­ten­si­vie­ren: „Al­le Fir­men der Ziel­grup­pe aus der Re­gi­on ken­nen in­zwi­schen das TZA und wis­sen die Mög­lich­kei­ten zu schät­zen. Die­se Kon­tak­te pfle­gen die Ge­schäfts­füh­rung, aber auch die Ge­sell­schaf­ter wei­ter­hin.“Die Wirt­schafts­re­fe­ren­tin setzt zu­dem auf den Stoff, um den sich im In­no­va­ti­ons­park vie­les dreht: Car­bon, den Fa­ser­ver­bund­stoff. Das „schwar­ze Gold“, wie Car­bon ge­nannt wird, macht es mög­lich, dass Pro­duk­te im Ver­gleich mit an­de­ren Werk­stof­fen leich­ter wer­den. Da­von pro­fi­tiert zum Bei­spiel die Au­to­mo­bil­in­dus­trie. Auf Car­bon setzt der In­no­va­ti­ons­park je­doch nicht nur im Pro­duk­ti­ons­be­reich. „Cam­pus Car­bon 4.0“, heißt ein Schlag­wort. Es be­inhal­tet, dass in Augs­burg die Ent­wick­lung mit Car­bon vor­an­ge­trie­ben wird. Da­zu gibt es die Kom­pe­tenz in den Fir­men, aber auch bei den wis­sen­schaft­li­chen In­sti­tu­ten und der Uni­ver­si­tät.

Dr. Mat­thi­as Köp­pel, Lei­ter Ge­schäfts­feld In­no­va­ti­on und Um­welt bei der In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer (IHK), sagt: „Die Er­war­tun­gen, dass schon heu­te ein kom­plet­tes En­sem­ble aus Bü­ro- und Hal­len­nut­zern be­reit steht, wä­ren über­zo­gen.“Das TZA schla­ge be­reits die Brü­cke von wis­sen­schaft­li­chen Ein­rich­tun­gen hin zu Un­ter­neh­men. Um mehr Le­ben ins TZA zu brin­gen, braucht die In­no­va­ti­ons­park Gm­bH je­doch mehr Res­sour­cen für Mar­ke­ting und Ver­trieb, so Köp­pel: „Aus un­se­ren ei­ge­nen Be­su­chen bei 300 Un­ter­neh­men wis­sen wir, dass knapp 40 Pro­zent der Ziel­grup­pe sich mit den The­men In­no­va­ti­ons­park und TZA in­ten­siv be­schäf­tigt ha­ben.“Eva We­ber will sich nicht vom ein­ge­schla­ge­nen Weg ab­brin­gen las­sen: „Maß­nah­men und In­stru­men­te grei­fen in­ein­an­der. Da­bei ist im­mer zu be­rück­sich­ti­gen, dass die brei­te Um­set­zung und die dar­aus re­sul­tie­ren­den po­si­ti­ven Wir­kun­gen sich nicht kurz­fris­tig ein­stel­len.“Sie be­tont, dass Augs­burg im Ver­gleich mit an­de­ren Pro­jek­ten zum Bei­spiel in Ber­lin-Ad­lers­hof „über­durch­schnitt­lich schnell un­ter­wegs ist“. Dies sieht IHK-Mann Köp­pel ähn­lich: „Mit je­dem neu­en Mie­ter wird das Netz­werk grö­ßer, le­ben­di­ger und so für wei­te­re Fir­men at­trak­ti­ver. So kann es auch mehr und mehr ge­lin­gen, den Nut­zen für klei­ne­re Un­ter­neh­men greif­bar zu ma­chen.“

Das ist die ein­zi­ge Pro­duk­ti­ons­ma­schi­ne in der Hal­le.

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