Raz­zia in der Sala­fis­ten­sze­ne

Er­mitt­lun­gen „Lies!“-Ak­tio­nen, bei de­nen der Koran ver­teilt wur­de, gab es auch in Augs­burg

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Augsburg -

Auf­se­hen er­reg­ten die jun­gen bär­ti­gen Män­ner zu­letzt vor ei­nem gu­ten Jahr in der Augs­bur­ger In­nen­stadt: Die von Is­la­mis­ten in Pa­ris ver­üb­ten Ter­ror­an­schlä­ge wa­ren ge­ra­de ein­mal ei­nen Tag her, als sie ei­nen In­fo­stand auf­stell­ten und wie schon so oft vor­her kos­ten­los den Koran ver­teil­ten. Pas­san­ten fühl­ten sich pro­vo­ziert, es gab Dis­kus­sio­nen und bei­na­he Hand­greif­lich­kei­ten. Schließ­lich rief je­mand die Po­li­zei, die den Streit schlich­te­te.

Seit ges­tern Mor­gen ist die bun­des­wei­te Ver­ei­ni­gung „Die wah­re Re­li­gi­on“, die hin­ter den „Lies!“-Ak­tio­nen in deut­schen Fuß­gän­ger­zo­nen steht, ver­bo­ten. In Augs­burg wur­den drei Woh­nun­gen durch­sucht, um Be­wei­se si­cher­zu­stel­len. Ge­bets­räu­me wa­ren nicht be­trof­fen. In Augs­burg gibt es zwei Mo­sche­en in der In­nen­stadt und Haun­stet­ten, die als An­lauf­punk­te von Sala­fis­ten gel­ten. Fest­ge­nom­men wur­de nie­mand. Die Ak­ti­on sei oh­ne Pro­ble­me ver­lau­fen, so Po­li­zei­spre­cher Man­fred Gott­schalk.

Die „Lies!“-In­fo­stän­de wa­ren in Augs­burg seit Be­ginn die­ses Jah­res aber oh­ne­hin sel­ten. Die Stadt konn­te ges­tern kei­ne Aus­kunft zur Fra­ge ge­ben, wann zu­letzt ein sol­cher Stand ge­neh­migt wor­den war. Ord­nungs­re­fe­rent Dirk Wurm hat­te vor ei­nem gu­ten Jahr – auch im Hin­blick auf die „Lies!“-Stän­de – an­ge­kün­digt, die Zahl der In­fo­stän­de ge­ne­rell ein­schrän­ken zu wol­len. Straf­bar ist es in­des na­tür­lich nicht, Bü­cher in Fuß­gän­ger­zo­nen zu ver­tei­len. Die Ver­ei­ni­gung „Die wah­re Re­li­gi­on“ist nach An­sicht des Ver­fas­sungs­schut­zes aber ein Sam­mel­be­cken von Is­la­mis­ten und ein Re­kru­tie­rungs-In­stru­ment, das jun­ge Leu­te an­spricht.

Die „Lies!“-Ak­ti­vis­ten sind nicht per se ge­walt­be­reit. Al­ler­dings hat­ten meh­re­re jun­ge Men­schen, die sich in Augs­burg ra­di­ka­li­siert ha­ben, zu­min­dest Kon­takt mit der Ak­ti­on. Das gilt wohl auch für zwei Mäd­chen, die auf ei­ge­ne Faust ins sy­ri­sche Kriegs­ge­biet reis­ten. Ei­ne 17-Jäh­ri­ge soll dort ei­nen IS-Kämp­fer ge­hei­ra­tet ha­ben. Schon vor vier Jah­ren durch­such­te die Po­li­zei im Rah­men ei­ner bun­des­wei­ten Ak­ti­on die Woh­nung ei­nes is­la­mis­ti­schen Pre­di­gers in Ober­hau­sen. Auch er hat­te of­fen­bar Kon­tak­te zu „Die wah­re Re­li­gi­on“.

Aus Sicht der Po­li­zei han­delt es sich bei den „Lies!“-Ak­tio­nen um den sicht­ba­ren Teil der sala­fis­ti­schen Sze­ne in Augs­burg. Über­mä­ßig groß ist sie wohl nicht. Die Zahl der so­ge­nann­ten is­la­mis­ti­schen Ge­fähr­der – al­so Per­so­nen, de­nen man auch schwe­re­re Straf­ta­ten zu­traut – lie­ge seit Län­ge­rem im un­te­ren ein­stel­li­gen Be­reich, sagt die Po­li­zei.

»Sei­te 1 und Po­li­tik

Ar­chiv­fo­to: An­net­te Zo­epf

Die „Lies!“-In­fo­stän­de gab es un­ter an­de­rem am Wil­ly-Brandt-Platz in Augs­burg.

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