Der Kre­dit geht zur Nei­ge

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Politik -

Die Ethik-Re­geln der EU-Kom­mis­sa­re ent­hal­ten pein­lich ge­naue Ver­hal­tens­re­geln, die nur ei­nen Sinn ha­ben: Sie sol­len die Un­ab­hän­gig­keit der Kom­mis­si­ons­mit­glie­der ge­gen­über Lob­by­is­ten, Un­ter­neh­men und In­ter­es­sens­grup­pen si­cher­stel­len. Ob der Flug des Di­gi­tal­kom­mis­sars Gün­ther Oet­tin­ger ge­gen die­se Richt­li­ni­en ver­sto­ßen hat, müs­sen die zu­stän­di­gen Gre­mi­en her­aus­fin­den. Ganz si­cher aber hat die­ser Vor­fall sei­nem Ruf ge­scha­det. Vor al­lem des­halb, weil der CDU-Po­li­ti­ker da­mit so et­was wie ei­nen Nach­weis für sei­ne gro­ße (zu gro­ße?) Nä­he zu Lob­by­is­ten und Un­ter­neh­men lie­fert.

Ist ein sol­cher Mann noch län­ger als Ver­tre­ter der Kom­mis­si­on trag­bar? Die Fra­ge geht an Oet­tin­gers Chef, Kom­mis­si­ons­prä­si­dent Je­an-Clau­de Juncker. Der hat sei­nen deut­schen Kol­le­gen schon nach der ver­un­glück­ten Schlitz­au­gen-Re­de zur Ord­nung ge­ru­fen. Oet­tin­gers Kre­dit scheint weit­ge­hend auf­ge­braucht zu sein. Auch Juncker weiß: Wenn sei­ne Kom­mis­sa­re den Ein­druck all­zu gro­ßer Hö­rig­keit ge­gen­über Wirt­schafts­füh­rern er­we­cken, ris­kiert er die Glaub­wür­dig­keit sei­ner In­sti­tu­ti­on. Das soll­te gera­de Oet­tin­ger wis­sen. Er pocht doch sonst so ger­ne auf die Ein­hal­tung gel­ten­der Ver­trä­ge und Re­geln.

Ar­chiv­fo­to: Fred Schöll­horn

Hoch hin­aus im Jet ei­nes Freun­des, um recht­zei­tig an­zu­kom­men? Der schwä­bi­sche EU-Kom­mis­sar Gün­ther Oet­tin­ger steht we­gen ei­nes Pri­vat­flu­ges in der Kri­tik.

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